TOTUS TUUS, MARIA !

Liebe Schwestern und Brüder in Jesus und Maria,
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STURMSCHRIFTEN

Texte 51 bis 86

Zeugnisse von Gottes Ewiger Wahrheit

Eine Reihe von kurzen Schriften, die im Auftrag und
auf Inspiration der Heiligen Jungfrau Maria
zu dem Zweck eingegeben worden sind,
zur Vorbereitung auf das Reich Jesu Christi auf Erden
das Feuer des Heiligen Geistes in den Seelen anzufachen

Myriam van Nazareth

Maria, der Goldenen Stimme aus dem Paradies, dargeboten

Inhalt

53. Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt...
54. Gehe und versöhne dich mit deinem Bruder
55. Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet
56. Dann werden sie den Menschensohn auf einer Wolke kommen sehen
57. Empfanget das Reich, das für euch bereitet worden ist
59. Sohn, siehe, deine Mutter
60. Wenn ihr nicht wieder geboren werdet...
62. Nehmet diesen Kelch und trinket alle daraus
65. Siehe, von nun an preisen Mich selig alle Geschlechter
66. Ihr seid mehr wert als eine Handvoll Spatzen
71. Deine Sünden sind dir vergeben
77. Damit ihr dort sein werdet, wo Ich bin...
78. Freue Dich, Begnadete
86. Wenn du vor mir niederfällst und mich anbetest


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN – 53. Teil

WER MEIN FLEISCH ISST UND MEIN BLUT TRINKT...

Über die verborgenen Schätze der Heiligen Kommunion

Myriam van Nazareth

Auch aufgrund des großen Elends auf dieser Welt befinden sich immer mehr Menschen in dem Irrtum, dass die Gegenwart Jesu unter den Menschen vor zweitausend Jahren aufgehört hat. Jesus hat uns versichert, dass Er bei uns bleiben wird bis zum Ende der Zeiten. Um die Erfüllung dieser Verheißung greifbarer zu machen, hat Er am Abend vor Seinem Kreuzestod die Heilige Eucharistie eingesetzt: das Verzehren Seines Leibes und Blutes in den greifbaren Formen von Brot und Wein in der Heiligen Kommunion.

Was ist die Heilige Kommunion und woraus besteht Ihr Wert?

Kommunion bedeutet buchstäblich 'Vereinigung'. In der Kommunion nehmen Sie die Fülle der Gottheit in sich auf. Dadurch kann Gott in Ihnen den Effekt bewirken, den Er von Anfang an für den Menschen vorgesehen hatte: dass die Menschenseele eine Widerspiegelung des Göttlichen sein soll. Jesus sagte, dass wer Sein Fleisch und Sein Blut nicht in sich aufnimmt, das Leben nicht in sich trägt. Diese Wirkung kann nur in dem Maße erreicht werden, in dem Ihr Herz für diese Gabe durch Liebe und tatsächliches Sehnen nach der Einheit mit Gott aufgeschlossen ist. Vorausgesetzt, Sie empfangen die Heilige Kommunion in der rechten Verfassung des Herzens und in Reinheit an Seele und Geist, kann Sie Ihnen im Grunde genommen fünf Göttliche Gaben übermitteln:

  1. Die schöpfende Kraft des Vaters. Die Heilige Kommunion legt in Ihre Seele die Kraft, die sie befähigt, sich zu erneuern und den Keim ungenutzter Fähigkeiten zur Reifung kommen zu lassen. So kann die Heilige Kommunion aus Ihnen einen neuen Menschen machen und in diesem Sinne Ihr ganzes Wesen 'neu erschaffen'. Dieses Sakrament ist ein bevorrechtigter Weg, auf welchem Gott den Menschen zu der Verfassung zurückrufen will, den er durch den Sündenfall verloren hat. Aus diesem Grund kann der Mensch, der die Heilige Kommunion nicht bzw. nicht in der rechten Verfassung empfängt, nicht in den für ihn beabsichtigten Stand 'neu erschaffen' werden, den die Menschenseele vor der Erbsünde besaß. Dies ist mir als einer der verborgensten jedoch zugleich wichtigsten Gründe offenbart worden, wieso der Mensch, der sich nicht regelmäßig (und nicht würdig) dem Sakrament der Heiligen Kommunion naht, für sich selbst den Weg zur Verherrlichung abschneidet, sogar, wenn er sonst ein Leben in großer Tugendhaftigkeit geführt hat, und dass er in diesem Fall dieses letztendliche Ziel nur noch durch das Einschreiten von Gottes Barmherzigkeit erreichen kann.

  2. Die erlösende Kraft des Sohnes. Die konsekrierte Hostie und der konsekrierte Wein werden zum Leib und Blut Jesu und müssen somit als Tempel von Gottes Erlösungswerk betrachtet werden: Jesus ist der Erlöser der Seelen. Er hat dieses Erlösungswerk durch das Opfer Seines Leibes und Blutes vollbracht. Die Heilige Eucharistie ist eine spirituelle Wiederholung dieses Opfers. Die Heilige Kommunion ist von Jesus dazu beabsichtigt, Sie frei zu machen, um in Ihnen die Frucht Seines Kreuzesopfers zur Reifung zu bringen.

    Ich möchte die erlösende Kraft der Heiligen Kommunion durch das nachfolgende Bild veranschaulichen. Wenn Sie während der Wandlung zur Heiligen Hostie aufschauen, während der Priester diese erhebt, können Sie darin gleichsam eine Wiederholung vom Ereignis sehen, bei dem Moses eine Bronzeschlange an einem Pfahl anbrachte zum Anschauen durch jeden, der danach aufsehen wollte. Diejenigen, die von einer Schlange gebissen worden waren und zu dieser Schlange des Moses aufschauten, wurden geheilt.

    In einem ähnlichen Sinn lieβe sich sagen: Wer von dem Bösen (Satan als Schlange!) gebissen worden ist und zu der erhobenen Hostie aufschaut, wird gerettet. Aufschauen zu der erhobenen Hostie, bedeutet, sich bereits im Herzen danach sehnen, Jesus in sich aufzunehmen, und kann also bereits als eine geistige Vorbereitung auf die wirkliche Kommunion betrachtet werden. Jesus setzt Sein Zeichen der Erlösung im Kreuz und in Seinem Leib und Seinem Blut gegenwärtig.

  3. Die heiligende Kraft des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist bringt die höhere Existenzebene des Menschen (Seele, Herz und Geist) mit der Gottheit in Einklang. Der Vorgang, wobei der Mensch in seiner Empfindung, in seiner Gefühls- und Denkwelt mit Gottes Erwartungen und mit dem Kern Seines Wesens in Einklang gebracht wird (nach Seinem Bild und Gleichnis!), lässt sich als die Heiligung betrachten. Die Nahrung, die Sie zu sich nehmen, wird in Ihren Körper eingebaut. Auf ähnliche Weise wird, wenn Sie die Heilige Kommunion empfangen, gleichsam das Wesen von Gott Selbst in Ihre Seele, in Ihr Herz und Ihren Geist eingebaut, um Sie zu heiligen und Sie immer mehr Gott ähnlich sein zu lassen.

    Heiligung ist die Frucht einer fortgeschrittenen Wechselwirkung von Gnadengaben durch Gott und Ihrer völligen Annahme und Beantwortung derselben. So versucht der Heilige Geist, Ihr ganzes Wesen zu einem Spiegelbild Gottes zu kneten und zu gestalten. In der Heiligen Kommunion beabsichtigt Er, dieses Werk mehr als in jeglicher anderen Situation zu vollziehen, weil Er in diesem Sakrament dem Menschen über eine 'stoffliche Brücke' in der Form der Heiligen Hostie näher kommen kann. Durch sein Leben in einer stofflichen Welt und in einem stofflichen Körper neigt der Mensch schneller dazu, sich für das Nichtstoffliche (für die Welt des Göttlichen mit allen seinen nichtgreifbaren Elementen) zu öffnen, wenn dieses Nichtstoffliche in einer greifbaren Form (in der konsekrierten Hostie) zu ihm kommt.

    So kann die Heilige Kommunion zur Quelle eines unmittelbaren Kontaktes mit dem Göttlichen Leben werden. Der Heilige Geist kann Ihr Herz feinfühlig für diese übernatürliche Berührung machen, auf ähnliche Weise, wie diese in der Empfindungswelt der Mystik erfahren wird. Die Öffnung Ihres Geistes, die Anfachung des Feuers Ihres Herzens und die Reinigung Ihrer Seele bilden zusammen die Äußerungen der heiligenden Kraft, die der Heilige Geist durch die Heilige Kommunion in Ihnen entfalten kann.

  4. Die Kraft der Auferstehung und des Ewigen Lebens. Die Heilige Hostie ist der verherrlichte Leib Jesu, der deshalb die Kraft der Auferstehung in sich trägt. So können Sie verstehen, dass die Heilige Kommunion die Kraft in die Seele legt, für das Ewige Leben aufzuerstehen. Die Auferstehung für das Ewige Leben ist die Wiedergeburt der Seele im Augenblick ihrer Verherrlichung, d.h. in dem Augenblick, in dem ihre Heiligung vollendet ist. Das kann bereits in dem Augenblick erfolgen, in dem Ihr Leben auf Erden endet. In den meisten Fällen erfolgt es aber zu einem späteren Zeitpunkt, nach Vollendung einer Läuterungszeit im Fegefeuer.
    Als Jesus sagte: "Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken", verwies Er ausdrücklich auf die Kraft der Auferstehung, die jedem zuteilwerden soll, der Ihn in der Heiligen Kommunion empfängt. Die Seele, welche die Heilige Kommunion nicht empfängt oder diese nicht in der von Gott gewünschten Verfassung empfängt, schneidet sich also selbst von der Gabe aller Gaben ab: der Auferstehung für das ewige Leben, und somit der Verherrlichung bei Gott.

  5. Marias Eigenschaften. Jesus ist aus dem Fleisch und Blut Mariä, die ewig Jungfrau geblieben ist, Mensch geworden. Die Heilige Kommunion als Leib und Blut Jesu nährt Sie somit auch mit dem Leib und Blut Mariä ebenso wie mit Ihren Tugenden, der Fülle Ihrer Heiligkeit. Auch dies alles gehört zu den heiligen Prinzipien, die in der Heiligen Kommunion verborgen sind. Maria ist an Sich das Produkt Göttlicher Eigenschaften schlechthin. In Ihr ist die vollkommene Hochzeit zwischen den Eigenschaften, Kräften und Wünschen von Gott einerseits und dem Wesen des Menschen in einem stofflichen Körper andererseits vollzogen, in welchem der Keim der makellosen Heiligung zur vollkommen heiligen Frucht ausgewachsen ist. In Maria nehmen Sie durch die Heilige Kommunion den vollendeten Weg der Heiligung in sich auf.

    In Maria ist die Einheit mit Gott tatsächlich in der Ordnung der Gnade vollkommen geworden. Dies bedeutet: Maria ist nicht Göttlich von Natur, Sie ist 'vergöttlicht' durch die Fülle der Gnaden, mit denen Gott Ihre Seele erfüllt und zur Vollkommenheit (in den Stand der Vollendung) erhoben hat. Aus diesem Grund wird Maria 'der vollkommene Spiegel Gottes' genannt. In Ihr ist das Bild verewigt, das Gott für den Menschen vorgesehen hatte: die vollkommene Schönheit, die vollkommene Heiligkeit, die unantastbare Macht, die aus der Quelle der Macht von Gott Selbst schöpft, das vollkommene Gleichnis mit Gott. Der Vater hat Maria so erschaffen, wie Sie ist, als einziger Mensch, der würdig war, den Mensch gewordenen Gott in Ihrem Körper zu tragen. Der Sohn ist sogar im Leib vollkommen eins mit Ihr geworden. Der Heilige Geist hat alle Göttlichen Gnaden, Gaben und Tugenden im höchsten Grade der Vollkommenheit in Sie gelegt.

    Weil Maria in der Ordnung der Gnade nicht vom Dreifaltigen Gott geschieden werden kann, lässt sich eigentlich sagen, dass Gott in der Heiligen Kommunion auch 'Marias Bauplan' in Sie hinein schreibt, als ob Er die Werke, durch welche Er Maria gestaltet hat, in Ihnen zu wiederholen versucht. Gottes Licht hat Maria nie verlassen: Sie hat es vollkommen und makellos in Sich aufgenommen und strahlt es in Himmlischer Reinheit weiter, sodass Ihre Gegenwart sogar keinen Schatten abwirft. In Maria ist das Programm der Schöpfung, der Erlösung und der Heiligung in seiner vollkommensten Auswirkung enthalten, und ist es für ewig fruchtbar geworden. Dies alles bezweckt Gott, in der Heiligen Kommunion in Ihnen nachzubilden. So können Sie in diesem Sakrament das Wesen Mariä in sich empfangen. Dies wird umso mehr der Fall sein, wenn Sie sich auf die Heilige Kommunion durch Bittgebete an Maria vorbereiten: Sie kennt den Weg, auf welchem Gott Ihr Menschsein teilt und Sie in Sein Göttliches Leben aufnimmt.

    Wenn Sie die Heilige Kommunion auf die Weise empfangen, die Gott wohlgefällig ist, kann sie für Sie eine Vorabspiegelung der Vereinigung am Tag Ihres Lebensgerichts sein, denn:

    • Kommunion ist nicht nur das Aufnehmen der Heiligen Hostie: Im wirklichen Sinn ist Kommunion der Wille, Jesus in sich aufzunehmen, das Hinüberfließen Seiner Gottheit und Menschheit in Ihr Wesen. Dieser Wille, dieser Wunsch kann nur aus der Liebe in Ihrem Herzen genährt werden, und diese Liebe nährt sich ihrerseits an der großen Quelle der Göttlichen Liebe, die in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ruht und die über Maris Unbeflecktes Herz, das die Brücke zwischen Himmel und Erden, die Leiter zwischen Gottes Herzen und dem Menschenherzen ist, zu Ihrem Herzen kommt. So wird Ihre Seele von Gott erobert. Diese Eroberung wird nur möglich gemacht, wenn und insofern Ihre Seele erobert werden will. Es ist gerade das Maß dieses Wunsches, das ausmacht, dass Sie die Heilige Kommunion 'in der rechten Verfassung' empfangen: Sich sehnen nach Vereinigung mit Gott ist wahre Liebe, und wahre Liebe ist die Blüte, aus der die Frucht der Heiligkeit reift.
    • Beim Gericht nach Ihrem Leben auf Erden nimmt Gott Sie in Sich auf, insofern Ihre Seele aufgrund einer ausreichenden Reinheit für diese Aufnahme in das Göttliche Leben geeignet ist. Dies kann unmittelbar der Fall sein, in sehr vielen Fällen erfolgt dies allerdings erst nach einer bestimmten Läuterung (im Fegefeuer), in anderen Fällen geschieht dies nie, weil diese Seele sich selbst während ihres irdischen Lebens unwiderruflich vom ewigen Leben abgeschnitten hat. Das Hinüberfließen in diese Richtung (Aufnahme der Seele in Gott) ist erst wirklich die Verherrlichung, so wie diese für den Menschen von Anfang an beabsichtigt war.

Nach dem Maß Ihres Sehnens nach Vereinigung mit Gott in der Heiligen Kommunion und der Häufigkeit, mit der Sie sich in einer heiligen Verfassung diesem Sakrament nahen, wird Gott bei Ihrem Lebensgericht Ihre Seele aufnehmen. Darin liegt die tiefe Bedeutung der Worte Jesu: "Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, so habt ihr kein Leben in euch. Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und Ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken". Mit der Gabe von Sich Selbst an Sie in der Heiligen Kommunion beabsichtigt Jesus, Sie für Sein Reich stark zu machen: Die Vereinigung mit der Gottheit muss Ihre Seele, Ihr Herz und Ihren Geist mit den Eigenschaften befruchten, die Sie geeignet machen, ein Boden zu werden, in dem Gottes Reich auf Erden blühen kann. In diesem Reich werden die verborgenen Schätze der Heiligen Kommunion auch Ihren Augen von Fleisch offenbart werden.

In Voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN – 54. Teil

GEHE UND VERSÖHNE DICH MIT DEINEM BRUDER

Über Versöhnung als Quelle innerer Befreiung

Myriam van Nazareth

Der Mensch ist durch eine Schöpfungstat geschaffen, die Äußerung der alles beherrschenden Kraft Gottes ist. Die Quelle aller schöpfenden Kraft ist Gott, und die Art (der 'Baustoff') dieser Kraft ist Liebe. In jedes Geschöpf ist ein Keim dieser Göttlichen Liebeskraft gelegt. Der größte Keim von Liebe ist dem Menschen vorbehalten gewesen. Dieser Keim ist von Göttlicher Art und Träger der reinsten Heiligkeit. Aufgrund dieses Göttlichen Keims, der in jede Menschenseele gepflanzt ist, sind alle Menschen untereinander wie in einem Netzwerk von Licht verbunden. Die Maschen dieses Netzwerkes werden von der Liebe gebildet. Hätte die Menschheit die für sie vorgesehene Heiligkeit instand gehalten, so wäre diese in jeder Seele zum Blühen gekommen und wäre die Verbundenheit zwischen allen Seelen untereinander aufrechterhalten geblieben. Jede Seele, die diese Keimkraft dadurch in sich erstickt, dass sie Versuchung, Irreführung und Täuschung zulässt, unterbricht Gottes Netzwerk von Licht und Liebe. Aus diesem Grund bildet jede Gleichgültigkeit oder Verweigerung seitens der Seele hinsichtlich ihres Wachsens ein Hintertreiben von Gottes Plan, weil sie dadurch die Strömung von Gottes Liebe hemmt.

Gerade weil jede Menschenseele die Liebe als die eine wahre treibende Kraft ihres Wesens in sich eingegossen bekommen hat, ist die Nächstenliebe neben der Liebe zu Gott die natürlichste Emotion, die Menschen miteinander verbindet: Die Nächstenliebe ist nichts anderes als das Beantworten des tiefsten Bedürfnisses, das in Ihrer Seele lebt, nämlich des Bedürfnisses zu helfen, die Liebe, die aus der Quelle von Gottes Herzen in die Schöpfung strömt, weiterströmen zu lassen. Die Seele, die diesen Strom dadurch unterbricht, dass sie die Liebe in sich erstickt (also sowohl die Liebe ungenügend annimmt als auch sie ungenügend weitergibt), wird genau durch die Erkenntnis von dieser Unfähigkeit spüren, dass das Kreuz des Unfriedens auf ihr lastet. Warum? Weil sie sich selbst neben der Quelle von Gottes Liebe verdursten lässt und außerdem unbewusst empfindet, dass ihr Verhalten dazu beiträgt, dass viele Mitseelen vom Licht abgeschnitten werden. Eine Seele, die ihre eigene Lichtkraft erlöschen lässt, verbreitet nicht nur kein Licht mehr, sondern sie wird bald zu einem 'Objekt', das Schatten um sich herum wirft, sodass viele Seelen, die ihren Weg kreuzen, auch nicht mehr das volle Licht Gottes um sich herum wahrnehmen.

Ihr Leben auf Erden ist aus vielen Elementen, Zuständen, Ereignissen aufgebaut, die Stück für Stück Träger von Gottes Licht sein sollen. Solange das Licht vorherrschend bleibt, erfährt die Seele den wahren Frieden in sich. Sobald das Licht an Kraft abnimmt, werden Gefühle des Unfriedens hervorgerufen. Unfrieden braucht kein endgültiger Zustand zu sein und wird dies auch nicht sein, solange Sie Ihr Herz nicht vor der Kraft, die Leben gibt, verschließen, und zwar vor der Liebe. Der Bund, den Ihre Seele mit dem Heiligen Geist schließt und durch den sie ihren Wunsch zu erkennen gibt, mit Gottes Gnade aus dem Unfrieden zum wahren Frieden zurückzukehren, ist die Versöhnung. Versöhnung ist ein Vorgang, der sowohl innerhalb Ihrer selbst als auch in Ihren Beziehungen nach außen hin wirkt und der nicht an die Zeit gebunden ist: Ebenso wie alles, was unmittelbar aus Gott strömt, zeitlos ist, ist auch die Versöhnung nicht strikt an Zeit gebunden.

Wie wirkt Versöhnung in Ihrer Seele und wie stellt sie das unterbrochene Strömen der Liebe wieder her und bringt sie den wahren Frieden in Ihr Herz zurück?

Ihre Lebenserfahrung spielt sich gleichzeitig auf zwei 'Bühnen' ab, die ununterbrochen ineinander hinüberfließen:

  1. In Ihnen selbst: Wesen, Persönlichkeit, Charakter, Eigenschaften, Fähigkeiten, Talente, Gaben, Schwächen, Empfindungswelt, Phantasie, Verstand, Gefühls- und Gedankenwelt, körperliche Erfahrung (Krankheiten, Schmerzen, die unterschiedlichen Empfindungen).

  2. In allen Ihren Beziehungen mit Mitmenschen in der Vergangenheit und der Gegenwart, kurz- oder langfristig, intensiv oder oberflächlich, positiv oder negativ. So viele Menschen kreuzen Ihren Lebensweg. Viele von diesen 'Kontakten' dringen sogar kaum bis zu Ihrem Bewusstsein durch, aber sie können Sie durchaus auf die eine oder andere Weise beeinflussen. Viele Menschen werden zu einem gewissen Zeitpunkt von Ihrem Lebensweg weggenommen. Sie wissen oft nicht, was dann mit ihnen geschieht. Aus allen diesen Beziehungen tragen Sie bewusst oder unbewusst sehr viel mit sich herum, Ihr ganzes Leben lang, und dies alles gestaltet Ihr Leben. Das Gewicht dieser ganzen Erfahrungen kann schwer auf Ihnen lasten. Ihre Belastbarkeit ist nicht unbegrenzt, und muss ständig genährt werden. Die Nahrung dazu bekommen Sie nur durch die Liebe, und das Gewicht Ihrer Erfahrungen kann nur in hohem Maße von Ihren Schultern genommen werden, wenn Sie Ihr ganzes Leben Maria weihen. Ab dem Tag Ihrer vollkommenen Weihe tragen Sie das Kreuz Ihrer Bürden nicht mehr alleine.

Ich schrieb es vorhin noch: Ihre Seele kann in einen Zustand des Unfriedens versinken. Es ist von größter Bedeutung, dass Sie, sobald Sie sich eines Mangels an innerer Ruhe bewusst werden, mit allem Frieden schließen, was Ihrem Leben Gestalt gibt: mit sich selbst, mit allen Ihren Mitmenschen und mit allen Beziehungen, die Sie mit ihnen haben (oder gehabt haben), mit allen Ereignissen Ihres Lebens, mit allen Erinnerungen, allen Schmerzen und allem Kummer, mit allen Enttäuschungen über Dinge, die geschehen sind, als auch über Wünsche, die sich nie verwirklicht haben. Der Beschluss, mit all dem Frieden zu schließen, ist Versöhnung mit Ihrem Leben. Die Versöhnung ist das kraftvollste Heilmittel, das Gott für Seelen verfügt, die dadurch das Opfer einer negativen Einstellung geworden sind, dass sie sich vom Licht haben abschneiden lassen.

Wie kann Ihre Seele mit der Bürde ihres Lebens auf Erden Frieden schließen? Welche Aufgaben muss sie erfüllen, um die Gnade der Versöhnung in sich zur Blüte kommen zu lassen?

  1. Annahme. Lernen Sie, sich selbst ebenso wie alles, was sich in Ihrem Leben ereignet hat, anzunehmen.

  2. Danken. Danken Sie Gott für Ihren Lebensweg, denn sogar die Ereignisse, die Sie als weniger angenehm empfinden, hat Er zugelassen, weil sie für Ihre Seele von Nutzen sein können. Danken Sie auch Ihren Mitmenschen für deren Beitrag zur Gestaltung Ihres Lebensweges. Diese Danksagung können Sie in Form eines Gebets verrichten, in dem Sie Heil und Segen für alle Menschen herab bitten, die jemals Ihren Lebensweg gekreuzt haben. Sie brauchen es also überhaupt nicht gegenüber jedem von ihnen persönlich zu tun, obgleich es für Ihr Gemüt befreiend wirken kann, wenn Sie einem Mitmenschen ausdrücklich für seinen Anteil an Ihrem Leben danken.

  3. Lieben. Lassen Sie Ihr Herz innerlich (im Verborgenen) allen Ihren Mitgeschöpfen den Kuss von Frieden und Liebe geben. Die Liebe ist der gröβte Schlüssel zum inneren Frieden, den nur Gott Ihnen geben kann, und ich wiederhole weiterhin, dass die Essenz der schöpfenden, erlösenden und heiligenden Macht von Gott Selbst nichts anderes ist als die Liebe.

  4. Anderen vergeben und andere um Vergebung bitten. Vergeben Sie allen Ihren Mitgeschöpfen von Herzen für alles, was sie Ihnen angetan haben könnten und bitten Sie sie um Vergebung für alles, was Sie ihnen womöglich angetan haben, oder für den Kummer oder das Leid, das Sie ihnen (bewusst oder unbewusst, absichtlich oder ungewollt) zugefügt haben könnten.

Wenn Sie diese vier Aufgaben im Rahmen einer allumfassenden Weihe an Maria erfüllen, wird Ihre Seele für die Gnade der Versöhnung bereit sein. Der Wunsch nach Versöhnung ist ein Wunsch nach vollkommenem Frieden mit Ihrem Mitmenschen, aber auch mit sich selbst: Wahrer Herzensfriede wird nur auf einem Fundament gebaut, das umschrieben werden kann als 'die Kunst, mit sich selbst zu leben': Lernen Sie, sich selbst anzunehmen, lernen Sie, sich selbst zu lieben, und lernen Sie, sich selbst Ihre Fehler aus der Vergangenheit zu vergeben, dies alles im Hinblick auf eine vollkommene Versöhnung mit Gott.

Wie können Sie dies tun?

  • Sich selbst so annehmen, wie Sie sind: Werden Sie sich der Tatsache bewusst, dass Gott Sie mit ganz bestimmten Eigenschaften gemacht hat, in der Absicht, dass Sie gerade mit diesen Eigenschaften 'etwas tun sollen'. Von jedem Menschen wird erwartet, dass er das Endziel (die Heiligkeit) anstrebt. Jeder Mensch bekommt jedoch einen unterschiedlichen Lebensweg und ein unterschiedliches Paket an Eigenschaften und Fähigkeiten, um diesen Weg zurückzulegen und seine Lebensaufgabe zu erfüllen. Von Ihnen wird erwartet, dass Sie die Verwirklichung des von Gott für Sie bestimmten Lebensziels anstreben und dabei das 'Gepäck' annehmen, das Sie dazu mitbekommen haben. Nicht die Ausgangsposition ist wichtig, sondern das, was Sie damit tun. Sie sollen Gottes Werk sowohl in diesem Gepäck sehen, mit dem er Sie bedacht hat, als auch in der Bestimmung, die Er für Sie vorsieht, und Sie sollen dieses annehmen als das Gesamtpaket, das Gott mit Ihrem Namen darauf gemacht hat. Von Ihnen wird lediglich die Anstrengung erwartet, aus dem, was Sie sind und haben, das Beste zu machen. Sie werden nicht für das Gepäck, mit dem Sie in die Welt gesandt worden sind, zur Verantwortung gerufen werden, aber schon für die Art und Weise, in der Sie dieses gebraucht haben, um Ihren Lebensweg zu gestalten.

    Nehmen Sie sich selbst als ein Bauwerk von Gottes Weisheit an und lernen Sie verstehen, dass sämtliche Ereignisse in Ihrem Leben keine Stolpersteine zu sein brauchen, sondern Richtungsweiser, durch welche Gott versucht, Sie zur ewigen Glückseligkeit zu führen. Vermeiden Sie ständige Unzufriedenheit über sich selbst wegen bestimmter Merkmale oder Gewohnheiten, die Sie an sich selbst nicht annehmen können. Empfinden Sie vor sich selbst keinen Ekel, denn negative Gefühle wirken wie ein schleichendes Gift und verhindern, dass Sie selbst noch Licht auf Ihre Umgebung ausstrahlen können. Gott kann nichts mit einer Seele anfangen, die mit sich selbst im Krieg lebt. Lernen Sie erkennen, was Sie an sich selbst stört, und kehren Sie dann Ihr Herz sauber, indem Sie allen negativen Gefühlen den Rücken zuwenden und gründlich und voller Hoffnung an sich selbst arbeiten. Sich selbst annehmen während Sie mit Gott versöhnt bleiben, bedeutet, sich selbst gegenüber eine ständige Friedensmission zu erfüllen, während Sie dennoch an der Bekämpfung Ihrer Schwächen arbeiten.

  • Sich selbst lieben, nicht Ihretwegen, sondern im Bewusstsein, dass Ihre Seele Trägerin des Keimes von Heiligkeit aus Gottes Hand ist. Die wahre Liebe zu sich selbst ist keine Liebe, durch welche Sie sich selbst suchen, sondern eigentlich wahre Liebe zu Gott Selbst. Sie ist frei von Selbstsucht oder Dünkel. Wenn Sie sich selbst um Ihrer Selbst wegen lieben, ist Ihre Liebe von Hochmut beschmutzt und wird der Keim des wahren Lebens in Ihrer Seele ersticken. Sich selbst lieben, während Sie mit Gott versöhnt bleiben, bedeutet, Ihr eigenes Wesen als Gottes Werk zu erkennen und dieses Werk zu lieben, weil Er dessen Schöpfer ist.

  • Sich selbst vergeben: Viele Menschen ringen ihr ganzes Leben lang mit Fehlern, die sie einst gemacht haben. Dieser innere Kampf kann Ihre Lebenskraft lähmen und dadurch die Pläne, die Gott mit Ihnen hegt, an die Kette legen. Gott verlangt von Ihnen Offenheit unter allen Umständen und zu jedem Zeitpunkt Ihres Lebens. Diese Offenheit fehlt zumindest teilweise (manchmal vollkommen), wenn Sie viel mit sich selbst beschäftigt sind (Erinnerungen festhalten, Grübelei, Zweifel, versäumte Chancen bereuen, Unzufriedenheit über frühere Sünden oder Untugenden, und dergleichen). Sich selbst vergeben während Sie mit Gott versöhnt bleiben, bedeutet, eine gesunde Reue über Ihre Fehler zu hegen, eine möglichst vollständige Lebensbeichte abzulegen (im Sakrament der Beichte), zur Gutmachung Ihrer Fehler bereit zu sein, die notwendigen Lehren aus Ihrer Vergangenheit zu ziehen, damit Ihre Seele wahrlich wachsen kann, und dann Ihre Vergangenheit vollkommen und unwiderruflich loszulassen.

In Ihrer Lebensgeschichte kommen ohne jeden Zweifel Situationen vor, die Sie kaum oder gar nicht mehr ändern können. Sogar nachdem Sie den Beschluss gefasst haben, mit allen Menschen Frieden zu schließen, die in Ihrem Leben eine weniger erfreuliche Rolle (egal wie gering diese auch gewesen sein mag) gespielt haben, ist es nicht immer möglich, dies zu verwirklichen: Bestimmte dieser Mitmenschen sind verstorben, oder Sie sind ihnen jahrelang nicht mehr begegnet und ihr Schicksal ist Ihnen unbekannt, oder sie wollen nichts mehr von Ihnen wissen (Unversöhnlichkeit!) oder Sie fürchten, dass ein Gespräch mit ihnen unerfreulich ausgehen kann. Dennoch können Sie mit allen Situationen und mit allen Ihren Mitmenschen für immer Frieden schließen, indem Sie ihnen im Geist vergeben, sie lieben, sie annehmen und ihnen danken und (durch Maria, die Mutter aller Menschen) Gott darum bitten:

  • dass Ihr Herz vollkommen und für ewig von allen negativen Erinnerungen und von allen Gefühlen von Groll, Verbitterung, Ärger, Schmerz, Enttäuschung, Abneigung, Abscheu, Hass, Neid, Missgunst, Eifersucht und Unverständnis gereinigt werden möge, und dass sich dasselbe in den Herzen aller dieser Menschen ereignen möge;
  • dass Heil und Segen über alle diese Mitmenschen kommen mögen, sodass auch sie den wahren Herzensfrieden finden und mit ihrer eigenen Vergangenheit (und mit Ihnen) ins Reine kommen können.

Die Mahnung Jesu an diejenigen, die sich erinnerten, dass da Unfrieden zwischen ihrem Bruder (also ihrem Nächsten) und ihnen selbst herrschte, sich mit ihrem Bruder zu versöhnen, gilt eigentlich als eine Anregung, den wahren Frieden im eigenen Herzen als auch den Frieden zwischen allen Herzen wieder herzustellen, denn Gott kann Ihre Seele nur in dem Maße heiligen, wie sie selbst Schritte vollzogen hat, die innere Befreiung zu verwirklichen: Heiligkeit ist die wahre Freiheit.

In Voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN – 55. Teil

RICHTET NICHT, DAMIT IHR NICHT GERICHTET WERDET

Über die Milde als Quelle der Vergebung

Myriam van Nazareth

Der Mensch sollte über seinen Mitmenschen nicht richten. Jesus legte dies eindeutig nahe als Er sagte: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet". Jeder Mensch kommt auf die Welt, um im Rahmen von Gottes Heilsplan eine spezifische Aufgabe zu erfüllen. Von Ihnen wird erwartet, dass Sie sich um das Entdecken Ihrer eigenen Aufgabe, Ihrer Berufung, deren Erfüllung und Nachfolge und um die ununterbrochene Reinigung Ihrer Seele kümmern, um diese Aufgabe so strikt wie möglich in Einklang mit Gottes Erwartungen zu bringen. Deswegen gehen nur Ihr eigenes Leben und Ihre eigenen Beziehungen mit Gott Sie etwas an. Die Lebensaufgabe Ihres Mitmenschen geht Sie persönlich nichts an, sie ist eine Sache zwischen dieser Seele und Gott. Sie haben nur ein einziges gültiges Motiv, in die Lebensweise Ihres Mitmenschen einzugreifen, und zwar, um ihm bei der Reinigung seiner Seele und seines Herzens zu helfen (unter anderem, um zu helfen, ihn vor Sünde zu bewahren und ihn in Gottes einziger Wahrheit zu unterrichten), und, wenn nötig, ihm bei seinem Lebensunterhalt zu helfen. Es ist Ihnen allerdings nicht erlaubt, Werturteile über das Verhalten und den Seelenzustand dieses Mitmenschen zu fällen. Der erste Grund verbirgt sich bereits in der Tatsache, dass alle Menschenseelen als Gleiche in die Welt gesandt worden sind und Sie nicht das Recht haben, einen Gleichen zu richten.

Aus welchem Grund richtet ein Mensch einen Mitmenschen? Weil der Mensch die Neigung besitzt, sich selbst mit seinem Mitmenschen zu vergleichen und sich selbst bei diesem Vergleich eine bestimmte Position auf der Leiter der Vollkommenheit zuzuerkennen, als ob er einen Platz in einer Rangliste zu verteidigen hätte. Solange der Mensch nach weltlichen Grundsätzen denkt, scheint er es nötig zu haben, sich ein bestimmtes Bild über den Stand seiner eigenen Seele machen zu können, nicht von der eigenen Seele an sich, sondern im Vergleich mit dem Bild anderer Seelen: Bin ich besser oder schlechter als die meisten anderen Menschen, und in welchem Maße ist das so? An sich bezweckt er mit diesem Vergleich, eine Motivation zu finden, sich selbst zu bessern, allerdings fällt er dabei leicht einer Täuschung anheim:

  • Er richtet auf der Grundlage sehr unvollständiger und ungenauer Sachkenntnisse: Kein Mensch kennt alle Tatsachen noch alle ihre Hintergründe. Sie haben weder einen allumfassenden Blick oder Überblick über die Dinge, noch eine vollkommene Kenntnis der Persönlichkeit und der Verfassungen Ihres Mitmenschen. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass Sie ihn nicht völlig gerecht beurteilen, oder dass Sie ihn gar zu Unrecht verurteilen.
  • Oft beurteilt der Mensch sich selbst falsch: Eigene Verdienste können überschätzt und eigene Fehler minimalisiert werden. Der Mensch ist bei der Beurteilung von sich selbst und seinem Mitmenschen in der Regel nicht vollkommen frei von Hochmut. Er sieht sich selbst oft so, wie er sich selbst sehen will, und so, wie er will, dass andere ihn sehen.

So kommt es leicht vor, dass der Vergleich Ihrer Selbst mit Ihrem Mitmenschen Sie nicht zur Selbstbesserung anregt, sondern zum Niedermachen der guten Punkte dieses Mitmenschen und zur Betonung seiner Fehler. Wenn über diesen Mitmenschen mit noch einem anderen Mitmenschen gesprochen wird, während derjenige, über den gesprochen wird, nicht anwesend ist, wird diese Neigung oft noch dadurch verstärkt, dass zwei Menschen die Neigung des jeweils anderen, sich über einen Mitmenschen zu stellen, wechselseitig verstärken. Diese Neigung entspringt der Unreinheit in der Seele und kommt oft im Tratsch, in übler Nachrede, Lästern und Verleumdung zum Ausdruck, die zu einer Sucht werden können und die Seele dadurch vollkommen vergiften können, dass sie das Gift des Hochmuts ungehindert wuchern lassen: Das 'Gewohnheitsschandmaul' wird immer blinder für die wirkliche Beschaffenheit seiner eigenen Seele und lebt letztendlich buchstäblich von seiner Kritiksucht: Er gelangt zur Überzeugung, er habe das Recht, seinen Mitmenschen zu richten und zu verurteilen, weil er sich selbst mehr oder weniger als vollkommen und über jedes Urteil erhaben betrachtet. Das ständige Richten weckt in ihm immer wieder die falsche Überzeugung, er hätte als Einziger Gottes Wahrheit verstanden.

Die Sucht zu richten, geht bereits aus Unzufriedenheit über viele Dinge hervor (durchwegs auch über sich selbst) und bringt noch mehr Unfrieden in die Seele, weil diese Letztere dem unaufhörlichen Kampf zwischen der Führung durch Gottes Geist und dem Bedürfnis, sich selbst ständig vom eigenen Rechthaben zu überzeugen, zum Opfer fällt. Dieser Unfriede wird zum Nährboden, wodurch die Neigung zum Richten immer weiter angefacht wird. Darin verbirgt sich der tiefe Sinn des Gebotes, nicht zu richten: Ein Herz, das über andere richtet, kennt keinen Frieden mehr, und jeder Unfriede verschließt die Seele für das Licht und die Liebe. Eine Seele, die Gottes Licht und Liebe nicht mehr durch sich hindurch strömen lässt, ist ein Stolperstein für die Gründung von Gottes Reich.

Bedenken Sie: Gott ist der einzige Richter. Weshalb?

  1. Weil Er der Schöpfer aller Dinge und aller Seelen ist und somit alles Ihm gehört. Die ewige Schicksalsbestimmung jeder Seele wird durch das Gesetz der Göttlichen Gerechtigkeit bestimmt und kann nur durch die Göttliche Barmherzigkeit und durch die Macht der Heiligen Jungfrau Maria als Fürsprecherin beeinflusst werden. Gott allein hat Rechte auf die Seelen. Die Einzige, die an Seiner Macht Anteil hat, ist Maria. Verstehen Sie richtig, dass sogar Sie kein Urteil über Menschen fällt. Gott als Eigentümer der Seele steht es zu, über die Gediegenheit des Gebrauchs zu urteilen, die diese Seele vom ihr gewährten 'Gepäck' gemacht hat:
  2. weil Er die ewige und unfehlbare Weisheit besitzt. Für niemanden auf Erden wird der Zustand (der Stand der Gnade) einer Seele bis in alle Einzelheiten entfaltet. Insofern einer Seele überhaupt ein Einblick in die Seele eines Mitmenschen gewährt wird, wird von dieser erwartet, dass sie diesen Einblick ausschließlich für die Förderung des Wohls dieses Mitmenschen gebraucht, in vollem Respekt für dessen Art, so wie diese ihm von Gott geschenkt worden ist. Gott allein kann und darf die Seele in ihrer Ganzheit richten.
  3. weil das Göttliche Gesetz der Liebe, das die ganze Schöpfung lenkt, von Ihm gemacht worden ist und nur von Ihm bis in die kleinsten Einzelheiten ergründet wird. Deshalb kann nur Gott über jedes Verhalten eines Menschen urteilen, ebenso wie über das Maß, in dem jedes Element seines Verhaltens zur Förderung des Göttlichen Heilsplans beiträgt oder aber diesen Plan beeinträchtigt.
  4. weil nur Er alle Verhaltensweisen, Beweggründe und Lebensumstände (auch die verborgensten) aller Seelen kennt und daher jedem Verhalten, jedem Versäumnis, jedem Wort und jedem Wunsch den rechten und gerechten Wert beimessen und aufgrund aller Einzelheiten eines Menschenlebens und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse Seines Heilsplans beurteilen kann, in welchem Maße eine Seele aus dem Einschreiten Seiner Barmherzigkeit Vorteil ziehen kann (darf), dies alles innerhalb der Grenzen, die von Seinem Gesetz der Gerechtigkeit erlaubt werden.

Wenn Sie im Verhalten Ihres Mitmenschen einen Fehler feststellen, versuchen Sie dann, diesem Mitmenschen zu helfen, diesen Fehler zu berichtigen, und tragen Sie durch Ihre Gebete und Aufopferungen zur Wiedergutmachung dieses Fehlers gegenüber Gottes Gerechtigkeit bei. Wenn Ihr Mitmensch es Ihnen nicht erlaubt, ihm dabei zu helfen, vermehren Sie dann Ihre Gebete und Aufopferungen im Verborgenen, weihen Sie Ihre Enttäuschung darüber an Maria und bringen Sie darüber hinaus das Opfer Ihres Stillschweigens dar. Der Fehler Ihres Mitmenschen kann das Ergebnis einer Versuchung sein, gegen die er keinen Widerstand aufbieten konnte. Vergönnen Sie Satan nicht dadurch einen doppelten Sieg, dass Sie selbst auch noch über Ihren Mitmenschen böse sprechen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Sie irgendwann selbst in eine Situation kommen, in der auch Sie derselben Schwäche anheimfallen. In jenem Augenblick würden Sie es würdigen, wenn Ihr Mitmensch milde zu Ihnen ist.

Gott erwartet von Ihnen, dass Sie Liebe üben. Alles, was von der Liebe abweicht, bildet eigentlich einen Verstoß gegen Gottes Gesetz. Über einen Mitmenschen ein Urteil fällen, ist ein Verstoß gegen das Gebot der Nächstenliebe durch Mangel an Milde und Toleranz, und bildet mithin Kritik an Gott, der Ihren Mitmenschen gemacht hat und aus dem einen oder anderen Grund aus Seiner Weisheit heraus erlaubt, dass dieser Mitmensch in einem bestimmten Rhythmus wächst. Wenn diese Seele in ihrem Wachsen nicht Gottes Erwartungen entspricht, muss sie sich selbst dafür verantworten. Ihnen steht es in keinem Fall zu, darüber zu richten.

Auf welche Weise können Sie sich am Richten (und Verurteilen) versündigen?

  1. Dadurch, dass Sie Kritik an einem Mitmenschen üben und Ihre persönliche Meinung damit verbinden. Kritik üben, kann nur in einer einzigen Form erlaubt sein: Wenn Sie sie unmittelbar in Gegenwart des betreffenden Mitmenschen äußern, ohne andere Anwesende, und wenn Ihre Worte auf objektiver Wahrheit beruhen (mit anderen Worten, nicht auf einer persönlichen Meinung, die bestreitbar ist), nicht gewollt verletzend sind, und wenn Sie ihr kein Werturteil hinzufügen (zum Beispiel die hinzugefügte Bemerkung, dass Sie finden, dass dieser Mitmensch 'nicht ganz bei Trost sei', usw.). Dasselbe gilt für Kritik (negative Äußerungen) über einen Verstorbenen, wobei Sie zum Beispiel die Bilanz dessen Lebens ziehen und Anmerkungen über die Verhaltensweisen machen, die dieser Mensch an den Tag gelegt hat, oder über Entscheidungen, die er getroffen hat.
  2. Dadurch, dass Sie sich selbst anhimmeln. Sich selbst anhimmeln, läuft darauf hinaus, dass Sie über sich selbst ein Urteil (relativer) Vollkommenheit fällen, wodurch Sie außerdem Ihrem Mitmenschen das Gefühl vermitteln können, dass dieser in Ihren Augen im Vergleich zu Ihnen selbst minderwertig sei.
  3. Dadurch, dass Sie zwei oder mehr Mitmenschen ausdrücklich miteinander vergleichen oder Sie sich selbst mit einem Mitmenschen vergleichen und dabei deutlich zu verstehen geben, dass Sie dem einen und bzw. oder dem anderen eine bestimmte 'Bewertungsnote' zuerkennen.
  4. Dadurch, dass Sie Ihre Meinung über die ewige Bestimmung eines Verstorbenen zu erkennen geben. Gott wird es Ihnen nicht übel nehmen, wenn Sie die Meinung verkünden, dass ein Mitmensch die ewige Seligkeit verdient habe, aber Er wird es Ihnen schon verübeln, wenn Sie verkünden, dass ein Mitmensch die ewige Verdammung oder eine bestimmte Läuterungszeit im Fegefeuer verdient habe. Die ewige Schicksalsbestimmung einer Seele ist ausschließlich eine Sache zwischen dieser Seele und Gott, nicht jene eines anderen Menschen.
  5. Dadurch, dass Sie (sogar ohne Worte) bestimmte Gebärden machen oder eine bestimmte Mimik erkennen lassen, wenn in Ihrer Gegenwart über einen Mitmenschen gesprochen wird, wodurch Sie anderen gegenüber über den Mitmenschen, über den gesprochen wird, eine negative Einstellung merken lassen.

Jesus sagt: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet". Dies bedeutet also, dass Gott Sie richten wird, wenn Sie über einen Mitmenschen urteilen. Warum?

Wenn Sie einen Mitmenschen richten, laden Sie eine mehrfache Schuld gegen Gottes Gerechtigkeit auf Ihre Seele:

  1. Eine Sünde gegen die Nächstenliebe, die sich in einem Mangel an Toleranz, Milde und Geduld äußert.
  2. Eine Sünde von Hochmut und Arroganz: Sie stellen sich selbst über diesen Mitmenschen, denn Sie halten sich selbst für geeignet und würdig, über ihn ein Urteil zu fällen, somit Kritik an ihm zu üben und ihm eine 'Bewertung als Mensch' zuzuerkennen.
  3. Sie hintertreiben Gottes Plan und arbeiten dadurch gegen die Gründung Seines Reiches auf Erden. Vor allem aus diesem Grund wird Gott Sie richten. Wieso? Bei jedem Urteil, das Sie über einen Mitmenschen fällen, befinden Sie sich in einem Stand der Unreinheit und sperren Sie den Strom der Liebe (die Göttliche Kraft, das Licht), die Gott durch Sie hindurch zu Ihrer ganzen Umgebung zu verbreiten sucht. Sobald Sie sich selbst zum Hindernis in Gottes Liebesstrom machen, dienen Sie den Werken der Finsternis und machen Sie sich gegenüber Gottes Gerechtigkeit schuldig. Sie verleugnen in jenem Augenblick die Aufgabe, wozu Sie in die Welt gesandt worden sind (die Förderung von Gottes Heilsplan und die Abbezahlung der gemeinsamen Sündenschuld der ganzen Menschheit). Jede Seele, die ihre Berufung nicht beantwortet, setzt sich der Verurteilung von Gottes wegen aus.

Gott ist der einzige Richter, und Er richtet jede Seele vollkommen im Verborgenen und in Abwesenheit von jeder anderen Seele, die noch auf Erden lebt. Dies bedeutet, dass Gott Sein Urteil über eine Seele Menschen nicht bekannt gibt, weil Er weiß, dass diese Information Menschen dazu verführen kann, zu urteilen, zu verurteilen, zu spekulieren und zu kritisieren, und dies ist es genau, was Gott nicht will. Daher:

  • Kritisieren Sie Ihren Mitmenschen nicht in seiner Abwesenheit, sondern beten Sie für ihn und seien Sie ihm zum Vorbild an Reinheit. Treten Sie an ihn heran mit aufrichtiger Liebe, und Sie werden merken, dass bald viele der Anlässe, ihn zu kritisieren, schon dadurch alleine ausfallen werden.
  • Verlieren Sie keine Zeit mit Spekulationen über das Schicksal eines Verstorbenen, sondern respektieren Sie Gottes Mysterium und die Würde Ihres Mitmenschen, beten Sie für ihn, vertrauen Sie auf Gottes Urteil und forschen Sie nicht nach. Für jede ungesunde Neugier kann Gott Sie zur Verantwortung rufen.
  • Starren Sie sich nicht blind auf den Splitter im Auge Ihres Mitmenschen. Haben Sie auch ein Auge für Ihre eigenen etwaigen Unzulänglichkeiten und widmen Sie Ihr Leben der Besserung Ihrer Selbst.

Die Seele, die sich mit Schweigsamkeit, Toleranz, Nächstenliebe und Milde zu zieren weiß, wird bei ihrem eigenen Lebensgericht auch selbst mit Gottes Milde rechnen können. Viele Unvollkommenheiten werden jenem vergeben, der sich gegenüber seinem Mitmenschen milde gezeigt hat. Die Seele, die kritiksüchtig ist, fordert von ihrem Mitmenschen Vollkommenheit. Wer wird diese Seele retten, wenn Gott bei ihrem Gericht auch von ihr Vollkommenheit fordert?

In Voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN – 56. Teil

DANN WERDEN SIE DEN MENSCHENSOHN AUF EINER WOLKE KOMMEN SEHEN

Offenbarungen über das Kommen des Messianischen Zeitalters

Myriam van Nazareth

"Wenn das alles im Anzug ist, dann richtet euch auf und erhebet eure Häupter, denn eure Erlösung naht". Jesus ist nur zu einem einzigen Zweck als Messias in die Welt gesandt worden: um die Gründung von Gottes Reich vorzubereiten. Weil Er unumwunden verheißen hat, dass Er wiederkommen werde, schaut die christliche Welt seit Seiner Himmelfahrt nach Seiner Wiederkunft aus. Diese wird durch nie gesehene Zeichen vorab angekündigt werden. Zahlreich sind, besonders in den jüngsten Jahrzehnten, die Spekulationen darüber. Deshalb will ich Ihnen Inspirationen zuteilwerden lassen, durch welche die Allerheiligste Jungfrau Maria Sie zu einer bewussteren Vorbereitung auf das Messianische Zeitalter und zu der Erfüllung einer Anzahl notwendiger Voraussetzungen führen will.

Die Stunde der Erfüllung der Verheißung des Wiederkommens Christi hängt nicht an erster Stelle von Gott ab, sondern vom Menschen. Die Worte Jesu "Ihr kennt weder Tag noch Stunde" sind allzu oft Anlass gewesen, untätig abzuwarten, bis Gottes Stunde für die Wiederkunft schlagen wird. Hüten Sie sich vor der Falle der Ungeduld, der eitlen Spekulation und der ungesunden Neugierde. Bedenken Sie, dass Gott dem Menschen nichts aufbürdet. Die Wiederkunft Jesu ist ein unverrückbarer Göttlicher Ratschluss. Die Verwirklichung desselben liegt allerdings in unseren Händen. Der Mensch rechnet in Jahren und Tagen, Gott dahingegen trifft Ratschlüsse, die nur eine einzige Zielsetzung haben: die Verwirklichung Seines Plans für die konkrete Verwirklichung des Heils für die Menschenseelen.

Die Stunde, in der Seine Ratschlüsse in Erfüllung gehen, wird durch die Erfüllung der Voraussetzungen bestimmt, die dazu notwendig sind. Gottes umfassende Weisheit versteht vollkommen, dass sogar unmittelbares Göttliches Eingreifen sein Ziel verfehlen kann, wenn der Mensch nicht bereit ist, die Früchte dieses Eingreifens in sich zur Reifung bringen zu lassen. Aus diesem Grund bringt Gott vieles von Seinen Plänen erst zur Ausführung, sobald die Menschenherzen Sein vorbereitendes Wirken und Seine Eingebungen in ausreichendem Maße in sich aufgenommen haben oder sich dazu zumindest bereit zeigen.

Was ist das Messianische Zeitalter und wann bricht es an? Das Messianische Zeitalter ist die Zeit von Gottes Reich auf Erden. Die Gründung dieses Reiches war seit dem Sündenfall (der Erbsünde) bereits Gottes großes Ziel und der Beweggrund für alle Seine weiteren Werke, unter anderem für die Vollziehung des Erlösungsmysteriums. Die Stunde des Messianischen Zeitalters wird in dem Augenblick anbrechen, in dem es scheint, dass die Herzen bereit sind, Gottes Reich in sich gründen zu lassen. Die Stunde einer vollkommenen Bereitschaft aller Herzen dazu wird niemals kommen. Worauf Gott wartet, ist ein Feuer des Sehnens, das hinreichend stark ist, um den Himmel in Bewegung bringen zu können.

Genau deswegen sucht Er durch das Wirken Seines Geistes Seelen zu heiligen: Je größer die Zahl der Heiligen auf Erden ist und je kraftvoller die Ergüsse und Äußerungen ihrer gemeinsamen Liebe sind, desto größer wird das Gegengewicht von Gottes eigener Stimme und Seines eigenen Herzschlages auf Erden gegenüber der maßlosen Gleichgültigkeit und dem Gräuel der Sünde. Die Zeit ist nahe, auch nach Gottes Maßstäben, und der Göttliche Ratschluss für die Gründung Seines Reiches auf Erden muss erfüllt werden. Aus diesem Grund unternimmt Gott in diesen Zeiten mehr Versuche als je zuvor, Seelen zu finden, die sich vollkommen der Vollendung Seiner Werke hingeben. Dazu gießt Sein Geist mehr Gnaden als je in eine Welt aus, die es trotzdem weniger als je verdient. Und dazu wirkt auch Maria in dieser Zeit mehr als je in den Herzen, um Diener zu formen, die es Ihr freiwillig ermöglichen, die Ihr anvertraute Aufgabe auszuführen: die Vollendung der Erlösung in den Seelen und den endgültigen Sieg über das Böse.

Das ist das große Werk, durch welches Maria, die gleichzeitig Göttliche Mutter und Mensch ist, das Messianische Zeitalter auf Erden einläuten muss. Maria muss die Menschheit bereit machen, Ihren Sohn Jesus als König Seines Reiches auf Erden zu empfangen, und Sie muss dies tun können durch eine Kombination Ihrer unüberwindbaren Macht, welche ja die Macht von Gott Selbst ist, und Ihrer Verdienste als vollkommener Mensch. Wenn Sie lediglich Ihre Macht als Gesandte Gottes anwenden würde, um Satan unter Ihre Füße zu legen, würde das Messianische Zeitalter lediglich das Reich von Gottes Sieg über das Böse sein. Dadurch, dass Sie aber mithin Ihre Macht als vollkommen heilige Menschenseele ausüben wird, wird Gottes Reich auf Erden kommen können, weil die Menschheit sich danach gesehnt hat und selber dazu zunächst die Reinigung des Bodens eingeläutet hat, auf dem der Thron dieses Reiches errichtet werden soll. Aus diesem Grund ist es von größter Wichtigkeit, dass die Menschheit Maria als die Miterlöserin der Seelen anerkennt. Ich komme darauf weiter unten zurück.

Um Marias Sieg über das Böse zwecks Einläutung des Messianischen Zeitalters zu verwirklichen, ist es so wichtig, dass jeder Christ für sich selbst den Beschluss fasst, sich tatsächlich zu heiligen, und diesen Beschluss beharrlich in die Tat umsetzt.

Die Gründung des Reiches Christi auf Erden ist für Gott die letztendliche Zielsetzung Seiner ganzen Werke, aber für den Menschen ist dieses Ereignis die Gnade der Gnaden. Sie muss also verdient werden, denn das Gesetz der Göttlichen Gerechtigkeit muss erfüllt werden. Das Messianische Zeitalter kann angesichts der ständig wachsenden Sündenbürde, die auf die Welt drückt, ausschließlich durch ein Eingreifen übergroßer Barmherzigkeit Gottes eingeleitet werden. Marias Aufgabe und die Verheißung von Ihr als Siegerin, und zwar aufgrund der Verdienste des Kreuzestodes Christi, ist davon bereits die größte Äußerung. Es ist aber im Interesse der Seelen, dass sie selbst für das Bekommen dieser Gnade einen möglichst großen Verdienst vorlegen können. Aus diesem Grund ruft Gott die Menschheit dringend zur Reinigung der Seelen auf.

In dem Maße, wie die Menschheit die Anstrengungen zu dieser Reinigung für sich selbst unterlässt, ist Gott im Rahmen der Auswirkungen Seines Gesetzes der Gerechtigkeit gezwungen, der Menschheit eine Reinigung aufzuerlegen. Er tut dies nicht aus Rachsucht für die Sünde, sondern weil dies der einzige Weg ist, der es innerhalb der Befolgung Seines Ewigen Gesetzes möglich macht, die Gnade der Gnaden zur Verwirklichung zu bringen. Nach der Schöpfung der Welt und dem erlösenden Kreuzestod durch Jesus wird dies der dritte überwältigende Beweis sein, den Gott der Menschheit für Seine maßlose Liebe gibt.

Die Notwendigkeit der Reinigung ist jetzt mehr als je in vielen Zeichen erkennbar: Naturkatastrophen, immer mehr Krankheiten, die trotz der Modernisierung der Medizin immer schwerer zu heilen sind (es sei denn zu einem gewissen Grad durch Mittel, die strikt mit Gottes Natur und Seinen Absichten im Einklang sind), zunehmendes Versagen der Technologie und Wissenschaft, was in einem wachsenden Chaos zum Ausdruck kommt, usw. Ich muss betonen, dass diese Entwicklungen nicht Gottes Wirken zuzuschreiben sind, sondern nur aus dem Ungleichgewicht hervorgehen, das die Schuldenbürde der Menschheit in der Schöpfung herbeigeführt hat. Die Menschheit folgt immer mehr den Inspirationen der Finsternis, und Böswilligkeit beherrscht unzählige Herzen: Sie kommt zum Ausdruck in Kriminalität, Herzlosigkeit, erbarmungsloser Konkurrenz (Gewinnsucht) und in den unterschiedlichsten Formen von Zerstörungsverhalten (Vandalismus, den bewusst zerstörerischen Praktiken in der Welt des Internet...).

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit das Messianische Zeitalter anbrechen kann?

1. Die Herzen müssen sich bereit machen, Gottes Reich in sich gründen zu lassen. Gott tritt keine Türen ein, Er wartet immer, bis der Mensch sein Herz öffnet, um Ihn aus freiem Willen hineinzulassen. Die rechte Verfassung des Herzens ist jene, durch welche der Mensch wie ein Magnet Gott zu der Welt ziehen kann. Um Gott 'zu der Welt zu ziehen', muss der Mensch es für Gott anziehend machen, hier zu leben. Wie kann der Mensch erwarten, dass Jesus aufs Neue in die Welt kommt, wenn er nicht zunächst den Boden bereitet, um die Göttliche Frucht zu empfangen? Viele Menschen erwarten, dass Gott durch das Wiederkommen alle Entgleisungen in der Welt ungeschehen machen wird, und aufgrund dieser Erwartung sind sie geneigt, tatenlos abzuwarten, bis der Tag anbricht, an dem Er vor ihrer Tür erscheint. In Wirklichkeit ist es so, dass der Mensch selbst in seinem eigenen Herzen die Vorbereitungen für dieses Kommen treffen muss. Das Messianische Zeitalter existiert bereits in den Herzen, die sich vollkommen Gott hingegeben haben und Sein Gesetz in sich haben einprägen lassen als die einzige Quelle ihrer ganzen Freude und als die Zielsetzung ihrer ganzen Werke und Worte.

Um das Messianische Zeitalter wirklich in der Welt als Ganze anbrechen zu lassen, müssen möglichst viele Herzen wirklich mit dem Herzen von Gott Selbst gleichgestimmt sein. Ich empfing in diesem Zusammenhang von Maria die nachfolgende Offenbarung in Bildern: Betrachten Sie die Welt als eine Weidelandschaft. Gott sät die Menschenseelen wie Samenkörner unter das Gras. Aus jedem Samenkorn kann eine Blume oder sogar ein Baum hervorgehen. Die Saat trägt in sich das Lebensprinzip, das Gott in sie gelegt hat. Die Sonne des Heiligen Geistes und der Regen der Verdienste von Heiligen, Märtyrern und vom ewig währenden Erlösungsopfer Jesu und der Schmerzensreichen Mutter wirken ständig auf den Weidegrund ein, aber die Verfassung eines jeden Samenkorns selbst bestimmt, ob die Saat aufkeimen wird.

Um zu einer Blume oder einem Baum auszuwachsen, ist es notwendig, dass das Samenkorn seine harte Haut ablegt (also dass sich die Seele vom Einfluss der Welt loslöst und sich der Gefangenschaft entzieht, die das weltliche Denken, Fühlen, Sehnen und jegliche irdische Beeinflussung ihr auferlegen). Sobald die Seele sich von den vergänglichen Interessen und Bestrebungen der Welt zu lösen beginnt, fängt ihr Wachsen an: Das Samenkorn bildet eine Wurzel und einen Stängel, kommt aus dem Gras hervor und beginnt, eine Blütenknospe zu bilden. Das Maß, in dem sie die Himmlischen Gnaden in sich aufnimmt (sich mit allem aus Gottes Hand und Mund nährt), bestimmt ihre Blüte, ihre Schönheit, ihren Duft von Heiligkeit.

Die unendlichen Variationen in der Entwicklung von Tugenden, Benutzung von Gnaden, in der Weise, auf welche der Lebensweg zurückgelegt wird, aber auch in der Berufung, bestimmen die unendlichen Unterschiede an Blumenarten, die aus der Saat hervorgehen. Wenn die Saat dazu berufen ist, ihrerseits andere Seelen wirklich zu nähren, wächst sie zu einem Baum aus. Sie schlägt tiefere Wurzeln und entwickelt Blüten, die andere Seelen zu sich ziehen auf ihrer (oft unbewussten) Suche nach Himmlischer Nahrung. Der Wind von Gottes Geist verbreitet das Lebensprinzip aus den Blüten über die Umgebung, um in Seelen neues Leben zu wecken. Die Blüten werden Früchte, welche die Seelen nähren, und die Blätter dienen anderen Seelen zum Schutz, wenn diese unter den Stürmen des Lebens zu erliegen drohen.

In einer gesprochenen Offenbarung sagte Maria mir: "Ich sehne Mich so sehr nach Blumen". Sie meint die Blumen von Prüfungen, die mit Liebe angenommen und Ihr geweiht werden und dadurch Früchte von Heiligkeit tragen. Dies heißt, "die Herzen bereit zu machen, Gottes Reich in sich gründen zu lassen": Um das Messianische Zeitalter zum Blühen zu bringen, sehnt Sich Gott nach zahlreichen Blumenknospen. Die Knospe kommt, sobald die Seele sich von der Welt löst. Diese Loslösung (also Vergeistigung) ist die erste Voraussetzung. In dem Maße, wie die Blumenknospe beim Durchleben der Prüfungen Gott treu bleibt, wird sie eine offene Blume werden.

2. Die Menschheit muss sich in ausgleichenden Opfern, in Bußfertigkeit und Gebet vereinigen. Alles, was ein Gegengewicht zur schweren Schuldenbürde der Menschheit gegenüber Gottes Gerechtigkeit bilden kann, ist ein ausgleichendes Opfer. Dazu gehören alle Prüfungen, Bürden, Schmerzen und Krankheiten, die mit Liebe und ohne Auflehnung angenommen und geweiht werden. Das Kommen von Gottes Reich kann dadurch beschleunigt werden, dass möglichst viele Menschen für ein Leben von Gebet, Weihe und liebevoller Annahme aller Kreuze auf ihrem Lebensweg begeistert werden. Es gibt also für Sie als Christ eine Berufung, Menschen über diese Wahrheit zu unterrichten und sie in der Nachfolge dieser Lebensweise zu unterstützen. Niemand kann sich Christ nennen und es zur gleichen Zeit versäumen, Christus in Wort und Tat zu folgen. Entscheidend ist nicht nur die Anzahl an Menschen, die ein Leben in Aufopferungsbereitschaft, Bußfertigkeit und Gebet führen, sondern auch die Intensität, womit sie dieses Leben führen. Heiligung ist nicht die Frucht der Anzahl an Prüfungen und Gebeten, sondern nur die Frucht der Liebe, mit der diese getragen und geweiht werden. Um Gottes Herz vor Sehnsucht nach Seinem Wiederkommen entflammen zu lassen, ist Feuer notwendig, und das wahre Himmlische Feuer ist jenes der Liebe und der vollkommenen, bedingungslosen Weihe.

3. Die Menschheit muss Maria als Miterlöserin anerkennen. Die Menschheit ist in wenigen Dingen so erstarrt wie im Annehmen und Anerkennen der Tatsache, dass die Heilige Jungfrau Maria die Miterlöserin neben Jesus ist. Manche Menschen meinen, man würde Jesus als Erlöser blamieren, wenn Maria als Miterlöserin bezeichnet wird. Im Gegenteil ist es eine schwere Blamage für Jesus, wenn eine Seele nicht anerkennt, dass Maria am Erlösungswerk Jesu Anteil gehabt hat. Maria ist Miterlöserin von Ihrer Unbefleckten Empfängnis an. Sie hat dieses einzigartige Vorrecht von Gott bekommen, weil Sie auf das Tragen des Erlösers in Ihrem Schoß vorbereitet werden musste. Als Sie Ihre Auserwählung zur Mutter des Messias durch Ihr Bekenntnis bekräftigte "Mir geschehe nach Deinem Wort", hat Ihre Aufgabe als Miterlöserin wirklich angefangen. Bei der Geburt Jesu begann die konkrete Gestaltung dieser Berufung, denn Maria hat damals einen Leidensweg betreten, den Sie nie mehr verlassen würde. Die vollkommene Einheit mit Jesus im Erlösungsopfer ist (jedenfalls für die Augen aufgeschlossener Seelen) während der Passion auch sichtbar geworden.

Anerkennen, dass Maria die Miterlöserin ist, bedeutet anerkennen, dass nicht nur Gott (durch Jesus als den Gott-Menschen), sondern auch eine Menschenseele von Natur aus (Maria) den Teufel besiegt hat. Das Böse kann nicht endgültig besiegt werden (also Gottes Reich nicht auf Erden gegründet werden), solange nicht anerkannt wird, dass Maria, eine Menschenseele, als Miterlöserin Satan besiegt hat. Sie hat ihn von Ihrer Unbefleckten Empfängnis an unter Ihren Füßen gehalten, und er hat niemals den geringsten Sieg über Sie erzielt (denn Sie ist als einziger Mensch vollkommen heilig, also vollkommen frei von Sünden gewesen). Durch Ihr schmerzensreiches Leben in vollkommener Vereinigung mit Christus (der als Mensch aus Ihrem Fleisch und Blut gebildet worden war!) hat Maria Ihre Funktion als Miterlöserin für ewig im ewigen Erlösungsopfer von Golgotha besiegelt, wo das Fundament von Gottes Reich auf Erden als der Göttlichen Verheißung vom Kommen des Messianischen Zeitalters gebaut worden ist.

Wenn der Mensch Marias Eigenschaft als Miterlöserin nicht anerkennt, bedeutet dies, dass er davon ausgeht, dass nur Gott Selbst in der Person von Christus die Macht des Teufels gebrochen hat. Es ist jedoch genau durch die Anerkennung der miterlösenden Macht Mariä (eines Menschen), dass die Gründung von Gottes Reich auf Erden eingeläutet werden muss: Gemäß Gottes Verheißung wird das Reich Gottes auf Erden durch den Triumph von Marias Unbeflecktem Herzen eingeläutet werden. Sie ist vorbestimmt, den Kopf der Schlange zu zerschmettern, und durch Ihre Anerkennung als Miterlöserin wird Ihr Fuß den Kopf Satans berühren. Dies bedeutet, dass ab diesem Augenblick das Brechen der Macht des Bösen auf Erden sichtbar werden soll. Dort liegt somit der dritte Teil Ihrer Berufung, das Kommen des Messianischen Zeitalters voran zu bringen: für die Anerkennung von Maria als Miterlöserin zu beten und Ihren Mitmenschen über die Notwendigkeit dieser Anerkennung zu unterrichten.

Wie bereiten Sie die Herzen auf die richtige Verfassung vor, die Verwirklichung von Gottes Reich auf Erden zu beschleunigen? Was erwartet Gott von der Menschheit, damit Jesus Christus zur Gründung Seines Reiches auf Erden wiederkommen kann?

1. Allgemeine Bekehrung, also vollkommene Veränderung des Lebens, Denkens und Fühlens. Bekehrung heiβt: 'sich zu Gott kehren', im Einklang mit Gottes Gesetzen und Vorschriften leben. Konkret bedeutet dies: jeden Tag aufs Neue an Ihren eigenen Schwächen zu arbeiten und Ihre Bedürfnisse derart zu gestalten, dass sie Sie nicht zur Sünde verführen. Je schneller die Zahl der Seelen anwächst, die mit dem Blick auf Gott und die ewigen Dinge leben, desto schneller wird, Gottes Ansicht nach, die Fülle der Zeiten für die Gründung Seines Reiches der Liebe und des Friedens unter uns gekommen sein.

2. Vergebung bis zum Äußersten. Die Welt erstickt in Konflikten, Unfrieden, Uneinigkeiten und Kriegen. Wo kein Krieg in großem Umfang wütet, herrschen unzählige Konflikte in kleinem Umfang: innerhalb der Familien, zwischen den Generationen, zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, zwischen Nachbarn, usw. Jede Form des Konflikts kann erst zu einer Lösung kommen, wenn alle Betroffenen einander von Herzen vergeben können. Wenn die Vergebungsbereitschaft unter den Menschen vollkommen wird, sind die Herzen für das Messianische Zeitalter bereit. Üben Sie sich im Vergeben gegenüber jedem, der Ihnen Schaden zugefügt hat oder von dem Sie sich falsch behandelt fühlen. Beten Sie um die Kraft, dies tun zu können. Eine Welt ohne sich hinziehende Konflikte wird die Folge sein, und das letztendliche Ergebnis die vollkommene Machtlosigkeit Satans.

3. Bekämpfung des Materialismus in sich selbst. Ihr Herz kann nicht für die Wiederkunft Jesu bereit sein, solange Sie an stofflichen Dingen, Geld, Gütern und Besitz festhalten und diese Dinge den Bedürfnissen der unvergänglichen Dinge des Himmels (den wahren Bedürfnissen der Seele für das Ewige Leben) vorziehen. Ich habe bereits oft auf die nicht zu überschätzende Wichtigkeit der Vergeistigung hingewiesen: die Verfassung des Lebens, bei der die Betonung nicht auf dem Körper, sondern auf der Seele liegt.

4. Weihe an Maria. Der königliche Weg zur Einheit mit Gott im Herzen und in der Seele ist die vollkommene, bedingungslose und ewig dauernde Weihe Ihres ganzen Wesens und Lebens an Maria. Ich verweise hier gerne auf den Text Weihe an Maria. Das wahre Glück für Sie und für die Welt.

5. Evangelisation und Wiedergeburt der Kirche. Hier liegt eine große Verantwortung für jeden Christen. Informieren Sie sich über Gottes Wahrheit (durch die traditionelle Bibel, nicht durch die modernisierten Versionen der Bibel), und teilen Sie dieses wertvolle Wissen mit Ihren Mitmenschen. Kämpfen Sie mit vollem Einsatz für das Festhalten an (oder die Rückkehr zu) den traditionellen Werten in der Kirche. Wappnen Sie sich gegen die Täuschung, laut welcher die alten kirchlichen Werte und Bräuche 'aus der Mode' seien. Die einzigen richtigen Werte in Gottes Augen sind jene, wie Jesus Selbst sie eingesetzt und die junge Kirche sie unmittelbar nach Seiner Himmelfahrt aufrechterhalten hat. Jeder Modernismus in der Kirche beschleunigt die Abirrung der Menschheit von Gott. Tragen Sie durch Ihr Verhalten dazu bei, dass die Kirche zu ihren Wurzeln zurückkehrt.

6. Bekämpfung von allem Bösen durch Gebet und dadurch, dass Sie selber ein Vorbild der Nachfolge Christi werden. Von größter Wichtigkeit ist es, aufs Neue das gemeinsame Gebet innerhalb der Familie einzuführen. Die Familie ist das Fundament der Gesellschaft. Um die Gesellschaft als Ganze zu heiligen, muss zunächst jede Familie geheiligt werden. Bekämpfen Sie auch alle Abgötter: Diese sind in diesen Zeiten sehr zahlreich, aber auch listig verborgen unter verlockenden glitzernden Schleiern wie den New-Age-Bewegungen mit allen ihren Auswüchsen wie Zauberei und Okkultismus. Auch jeder Materialismus gehört zu den modernen Abgöttern, denn er macht Geld und materiellen Besitz zu einem Gott.

7. Reinigung Ihres ganzen Wesens an Körper, Gedanken, Gefühlen und Worten. Bekämpfen Sie mit Feuer und Beharrlichkeit jede Unreinheit in sich selbst. Wenn Sie sich nach einer Welt voller Blumen sehnen, in der es Jesus gefällt zu wohnen, machen Sie dann zunächst sich selbst zu einer Blume, damit Ihr Duft Seelen anziehen und Ihre Saat sich aussäen kann.

8. Bekämpfung von Egoismus und Selbstsucht. Lernen Sie, sich selbst für Gott und Ihren Mitmenschen hinzugeben. Wer auf sich selbst bezogen ist, hat kein offenes Herz, das die Gründung von Gottes Reich zulässt. Bußfertigkeit und Aufopferungsbereitschaft sind die schönsten Äußerungen von Nächstenliebe, denn dadurch, dass Sie selbst auf Genüsse verzichten, erwirken Sie Ihren Mitmenschen viel Heil und Segen. Ein Leben in Askese (Bußfertigkeit und Entsagung) und in der Selbstverleugnung entwickelt eine riesige Kraft, die Wiederkunft Christi, die Gnade der Gnaden, über die Welt herabzurufen.

9. Vollkommen und blind auf Gott vertrauen. Gott erhört Ihre Gebete nur in dem Maße, wie Sie auf Ihn vertrauen und es Ihnen gelingt, trotz aller Prüfungen weiterhin im Glauben auszuharren. Vertrauen Sie blind, dass Gott nur das Heil der Menschheit bezweckt, und wirken Sie dabei mit, dass Er Seinen Plan zum vorgesehenen Zeitpunkt zur Ausführung bringen kann.

10. Das Sehnen nach dem Kommen des Messianischen Zeitalters. Gott kann Sein Reich erst auf Erden gründen, sobald die Menschheit Ihm in ausreichendem Maße den tatsächlichen Willen zu erkennen gegeben hat, die Welt sich nach Gottes Vorstellungen verändern zu sehen. Beten Sie inbrünstig für die Wiederkunft und die Gründung Seines Reiches.

Über die Wiederkunft Christi zu spekulieren ist keine christliche Einstellung. Geben Sie Gott durch Gebet, aufrichtiges Sehnen und dadurch, dass Sie sich selbst bereit machen, die Chance, Sein Mysterium zu erfüllen, denn Sie kennen weder Tag noch Stunde. Begreifen Sie richtig, dass diese Gnade der Gnaden mit der Notwendigkeit einer intensiven Reinigung bezahlt werden muss. Wer am meisten über die Wiederkunft spricht, ist oft am wenigsten darauf vorbereitet, denn er macht alles von Gott abhängig und vergisst, seine eigene Seele zu heiligen. Gott respektiert den freien Willen, und der Menschensohn wird nicht kommen, bevor die Saat der Heiligkeit in möglichst vielen Herzen Wurzeln geschlagen hat. Gottes Freude über Sein Reich auf Erden kann nur vollkommen sein, wenn Er weiß, dass der Mensch wirklich an dieser Freude Anteil haben will. Gottes Reich der Liebe und des Friedens kann niemals blühen, wenn der Mensch nicht selbst dessen Boden vorbereitet.

In voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN – 57. Teil

EMPFANGET DAS REICH, DAS FÜR EUCH BEREITET WORDEN IST

Offenbarungen über die Vorbereitung auf das Ewige Leben

Myriam van Nazareth

Das Leben in dieser Welt ist nichts anderes als eine Vorbereitung auf das wahre Leben der Seele. Jede Seele ist für die ewige Glückseligkeit in Gottes Gegenwart vorbestimmt, aber sie muss diese Bestimmung dadurch verdienen, dass sie während ihres Aufenthalts auf Erden den Wunsch zu erkennen gibt, mit Gott eins zu werden. Ihr Leben auf Erden muss eine Liebesbeziehung mit Gott sein.

Was ist die wahre Liebe? Sie ist eine Verfassung des Sehnens nach dem Geliebten, danach, so zu sein, wie er bzw. sie ist, und somit danach, zu vermeiden, ihm/ihr zu schaden, ihn/sie zu verletzen, zu betrüben. Wahre Liebe bedeutet, derart in Herz und Geist, in Wort und Tat auf den Geliebten gerichtet zu leben, dass man eher sich selbst und die eigenen Bedürfnisse vergisst, als den Geliebten und seine Bedürfnisse. Genau dies alles ist es, was Sie in diesem irdischen Leben Gott gegenüber verwirklichen sollen. Ihre Seele hat dazu bei ihrer Schöpfung die Fähigkeit erhalten und sie muss diese Fähigkeit durch ein Leben im Stand der Gnade, also durch ein Leben in Heiligkeit, zur Entfaltung bringen, im Anstreben sämtlicher Tugenden und gemäβ Gottes Erwartungen.

Was erwartet Gott von Ihnen? An erster Stelle ein Verhalten, Gefühle, Gedanken, Worte, Wünsche und Bestrebungen, die Seinem Gesetz der Liebe dienen. Deshalb besteht die einzig selig machende Vorbereitung auf das Ewige Leben aus einer Lebensweise, die Gott wirklich in jede Einzelheit Ihres Lebens einbezieht, die vollkommen auf die Verwirklichung von Gottes Plänen gerichtet ist und die eine maximale Entfaltung der Liebe fördert. Mir ist offenbart worden, dass nicht nur der Zugang zum Ewigen Leben für die Menschheit im Erlösungsopfer auf Golgotha erschlossen worden ist, sondern dass uns dort auβerdem in den sieben Worten Jesu am Kreuz sieben Schlüssel ausgehändigt worden sind. Mit diesen Worten hat Jesus das vollkommene Opfer Seiner Selbst vollendet wie mit einem Erbe zur Krönung unseres eigenen Kreuzweges. Ihr eigener Lebensweg lässt sich als eine kleine Nachbildung des Kreuzweges Jesu betrachten, und in Seinen sieben Worten am Kreuz hat Er der Menschheit noch Richtlinien für die Seligmachung mitgegeben:

1. "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun". Der erste Schlüssel ist die Vergebung unter allen Umständen. Vergebung kann als eine Äußerung weit entwickelter Liebe betrachtet werden. In der Vergebung wird das Gebot Jesu verwirklicht, in dem Er uns mahnt, unseren Mitmenschen so zu lieben, wie Er Selbst die Menschen geliebt hat, nämlich bis zum Äußersten. Jesus sprach diese Worte, als Er auf unverfrorene Weise an das Kreuz genagelt wurde. Für Ihre Heiligung ist es notwendig, dass Sie Ihre eigene Fähigkeit zur Vergebung dermaßen entwickeln, dass Sie Ihrem Mitmenschen von Herzen vergeben können ungeachtet dessen, was er gegen Sie verbrochen haben mag.

Aller Groll, jeder Ärger, jede Verbitterung, jede Neigung zu negativen Gedanken, Gefühlen oder Worten über Menschen, die Sie Ihrem Empfinden nach falsch behandelt haben, weisen auf eine mangelhafte Fähigkeit zum Vergeben hin. Bekämpfen Sie diese Verfassungen, und Gottes Kraft zur Heiligung wird Ihnen zuteilwerden. Vergessen Sie auch nicht, dass Jesus im Vater Unser gelehrt hat, dass Gott Ihnen in dem Maße vergibt wie Sie selbst jenen vergeben, die Ihnen Leid angetan haben.

Um in Gottes Augen heiligende Kraft zu besitzen, muss Vergebung nicht nur mit dem Mund ausgesprochen werden, sondern auch richtig im Herzen leben. Somit können Sie einem Mitmenschen auch vergeben, ohne Ihre Vergebung ihm gegenüber wirklich auszusprechen. Manchmal ist dieses Letztere schwierig oder unmöglich, besonders wenn der betreffende Mitmensch Sie nicht sehen will, wenn Ihnen nicht bekannt ist, wo er lebt oder wie Sie ihn erreichen können, oder wenn er verstorben ist. Wichtig ist, dass Sie imstande sind, sich den Urheber Ihrer geistigen oder anderen Wunden vor Augen zu halten und ihm bzw. ihr ohne jegliches negative Gefühl in Ihrem Herzen jegliche Schuld zu vergeben.

Ziehen Sie, wenn dies geschieht, Gott als Zeuge hinzu, indem Sie in der Form einer Weihe Ihrer schmerzlichen Erinnerungen Ihren Akt der Vergebung aussprechen, vorzugsweise der Heiligen Jungfrau Maria gegenüber. Tun Sie dies, wenn möglich, nicht nur ein einziges Mal, sondern wiederholt, bis Sie unverkennbar fühlen, dass Ihr Herz mit diesem Menschen und seinen Handlungen ins Reine kommt. Es wird eine große Last von Ihnen abfallen, und es kann Ihnen das Ewige Leben einbringen.

2. "Heute noch wirst du mit Mir im Paradiese sein". Der zweite Schlüssel ist der Glaube und das Vertrauen in Gottes Barmherzigkeit. Der gekreuzigte Jesus sprach diese Worte zu einem der mit Ihm gekreuzigten Schächer, der in seiner Sterbestunde zeigte, dass er das wahre Licht erkannt hatte und sich seiner eigenen Sünde bewusst war. Jesus machte ihm klar, dass Gott auch den Sünder aufnimmt der, sogar in der letzten Stunde, seine Sünde reumütig erkennt. Besinnung kann Ihr Ewiges Leben retten, sogar wenn sie erst am Ende Ihres Lebens kommt. Warten Sie nicht, reumütig zur Besinnung zu kommen, denn Sie kennen weder Tag noch Stunde. Gott wird barmherzig sein sobald Er in Ihnen die rechte Verfassung des Herzens ebenso wie Glauben und Vertrauen in Seine Güte und Vergebung vorfindet. Ohne diesen Glauben und dieses Vertrauen können Sie nicht zeigen, dass Sie an die Liebe selbst glauben, denn die Liebe ist die wesentliche Kraft hinter allen Werken und Plänen Gottes.

Auch die größte Sünde kann Ihnen vergeben werden, vorausgesetzt, dass bei Ihnen vorhanden sind: das Eingestehen Ihrer Sünde oder Schuld; Reue, Besinnung; der feste Wille wieder gutzumachen, also Bekehrung und Wiedergutmachung. Es wird Ihnen deutlich sein, dass genau dies die Elemente sind, die gemeinsam zu einem fruchtbaren Sakrament der Beichte führen. Deshalb können Sie diesen zweiten Schlüssel auch nur in dem Maße gebrauchen, wie Sie das Sakrament der Beichte benutzen.

3. "Frau, siehe Deinen Sohn. Sohn, siehe deine Mutter". Der dritte Schlüssel ist die vollkommene Weihe an Maria. Als Jesus Johannes (und durch ihn die ganze Menschheit) an Maria gab und Maria an Johannes (und durch ihn an die ganze Menschheit), verwies Er damit auf die Notwendigkeit für den Menschen, mit Maria das innigste Band zu schmieden, das auf Erden möglich ist: die Mutter-Kind-Beziehung. Wer sich vollkommen Maria hingibt und wirklich Ihr Besitz und Eigentum werden will, besitzt die Brücke zwischen Himmel und Erden. Für denjenigen, der die Brücke besitzt, ist (vorausgesetzt, dass er die Vorsicht beachtet) die Kluft zwischen Himmel und Erden nicht mehr so unüberbrückbar. Wer 'in Maria hinüberfließt' gleitet gleichsam auf die sanfteste Weise die möglich ist aus diesem Leben zum Ewigen Leben hinüber, ja er besitzt das Ewige Leben bereits hier auf Erden als eine Saat, die durch das Wasser der Unbefleckten Empfängnis ständig begossen wird, um sich zum Bild von Jener zu entwickeln, die die Aufgabe angenommen hat, jede Seele, die sich Ihr hingibt, zur Heiligkeit zu führen.

4. "Mich dürstet". Der vierte Schlüssel ist der Durst (die brennende Sehnsucht) nach der Rettung von Seelen. Als Jesus am Kreuz ausrief "Mich dürstet", meinte Er nicht nur, dass Sein Körper wegen des groβen Blutverlustes und des Staubes ausgetrocknet war, sondern vor allem, dass Sein ganzes Wesen Durst nach der Erlösung von Seelen hatte. Jesus ist für alle Zeiten gekreuzigt, Sein Erlösungsopfer endet nie. Auch Sein Durst nach Seelen lässt sich nach wie vor nicht löschen. Sie können dem Gekreuzigten dadurch zu trinken geben, dass Sie sich brennend nach Erlösung von Seelen sehnen, dieses Sehnen zum großen Beweggrund Ihres ganzen Handelns und Sprechens machen und von diesem Sehnen leben wie vom Wasser, das Ihrer eigenen Seele und vielen anderen Leben und Erquickung gibt.

5. "Mein Gott, Mein Gott, warum hast Du Mich verlassen?" Der fünfte Schlüssel ist das unaufhörliche Suchen nach Gottes Gegenwart. Gott wird Sie in dem Maße mit umso mehr Feuer in Sein Reich aufnehmen wie Sie sich in jeder Einzelheit Ihres Lebens nach Seiner Nähe sehnen. Die aktive Anwendung von Gottes erstem Gebot "Vor allem liebe den Einen Gott!" erreicht seinen Höhepunkt im Sehnen danach, alle Ihre Handlungen in Einheit mit Gott zu vollbringen. Ein Leben in Einheit mit Gottes Willen, ohne irgendwelchen Widerstand gegen die Prüfungen, die Er auf Ihrem Lebensweg zulässt, weil diese für Ihre Seele wichtig sind, ist ein Leben in der wahren Liebe.

Bedingungslose Liebe zu Gott lässt sich nicht von bedingungsloser Liebe für den Nächsten trennen (sonst wäre die Liebe unvollkommen), denn wer die Einwilligung in Gottes Wünsche beabsichtigt, gibt sich vollkommen für Gottes erste Sorge hin: das Heil der Seelen. Im tiefen Tal der Prüfungen und Kreuze lässt sich die Seele manchmal dazu verführen zu meinen, Gott hätte sie verlassen. Jesus hat am Kreuz diese Worte auf dem Tiefpunkt Seines Seelenschmerzes ausgesprochen, um die Seelennot der geprüften Menschheit aller Zeiten für ewig Gott zu weihen. Folgen Sie Ihm dadurch nach, dass Sie Ihre eigenen Schmerzen, Ihr Herzeleid und Ihre geistige Verlassenheit Gott aufopfern und Ihn täglich bitten, Er möge Sie spüren lassen, dass Er 'an Ihrem Leben Anteil hat', vor allem dann, wenn es schwierig wird.

6. "Es ist vollbracht". Der sechste Schlüssel ist das ununterbrochene Bestreben, Ihre Berufung, Ihre Lebensaufgabe zu vollbringen. Die Aufgabe Jesu als Mensch war die Erfüllung des Erlösungsmysteriums. Er hat diese Aufgabe bis zum Äußersten vollendet. Es soll Ihre erste Sorge sein, Ihre eigene wahre Berufung, also die Berufung Ihrer Seele, zu kennen. Gott hat Sie mit einer ganz bestimmten Aufgabe innerhalb der großen 'Maschine' Seines Heilsplans in die Welt gesandt. Jede Seele, die sich ihrer Funktion innerhalb dieser Maschine nicht bewusst wird, ist ein Hindernis für deren Funktionieren.

Eine Reise ohne Zielbestimmung führt Sie nicht zu einem fest umrissenen Ziel. Sie müssen Ihre wahre Berufung kennenlernen, um allen Ihren Handlungen Richtung zu geben, sonst haben diese kein Ziel und keinen Sinn. Das Entdecken Ihrer wahren Berufung beantwortet alle Fragen, die Sie sich in Bezug auf den Sinn des Lebens stellen können. Das wahre und vollendete Glück ist nicht von dieser Welt, aber Sie können wohl daran Anteil bekommen, und zwar in dem Maße, wie Sie Ihre Berufung gespürt haben und versuchen, sie in Einklang mit Gottes Erwartungen auszufüllen.

Was Gott von Ihnen erwartet, ist im allgemeinen Sinn die Befolgung Seines Gesetzes (die Befolgung der Zehn Gebote und der Tugenden) und im besonderen Sinn die Erfüllung Ihrer Lebensaufgabe. Solange Sie über den Sinn des Lebens Fragen haben, haben Sie Ihre wahre Berufung nicht entdeckt. Wer seine wahre Berufung kennt wird mit Freude erfüllt, die als die Kraftquelle betrachtet werden darf, die Gott in die Seele gießt, um ihre Berufung zu erfüllen.

Wie können Sie wissen ob das, was Sie im Leben anstreben, auch Ihre wahre Berufung ist? Zunächst muss es Träger eines tiefen Friedens und einer innigen Freude sein. Zweitens müssen Sie bedenken, dass eine Seele niemals dazu berufen wird, nur die Befriedigung materieller Bedürfnisse anzustreben. Die Berufung, die von Gott in eine Seele gelegt wird (im Gegensatz zu dem, was der Mensch manchmal als Berufung betrachtet), wird immer an erster Stelle darauf gerichtet sein, Heil über Seelen zu bringen. Drittens ist die wahre Berufung dauerhaft. Sie weht nicht einfach so vorüber wie eine Anwandlung von kurzer Dauer, sondern wird so tief in die Seele eingraviert, dass diese Letztere das ganze weitere Leben lang ihre Vollendung anstrebt und die Seele keine Ruhe hat, wenn sie davon abweicht oder zeitweise nicht imstande ist, ihre Verwirklichung anzustreben.

Zwar kann eine wahre Berufung vernachlässigt werden oder kann man sich von ihr abwenden, aber dies ist nur möglich als Äuβerung einer Täuschung, Irreführung oder eines jeden Einflusses, welcher die Empfänglichkeit der Seele für die Inspirationen des Heiligen Geistes beeinträchtigt. Von Ihnen wird erwartet, dass Sie beten um Ihre wahre Berufung kennen zu lernen, und sobald Sie diese kennen, dass Sie um Kraft und Beharrlichkeit beten, der Berufung nachzugehen. Das Erfüllen Ihrer Berufung, ebenso wie die Weise, in der Sie dies getan haben, bilden letztendlich den großen Maßstab, den Gott im Urteil anwenden wird, das Er in Ihrer Sterbestunde über Ihr irdisches Leben aussprechen wird.

7. "Vater, in Deine Hände befehle Ich Meinen Geist". Der siebte Schlüssel ist die Verwirklichung Ihres letztendlichen Lebensziels, das darin bestehen muss, dass Sie Ihre Seele Gott zurückgeben, und dass Sie mit diesem Ziel vor Augen dafür sorgen müssen, dass Ihre Seele der heiligen Opfergabe würdig ist. Eine Seele, die ihr Leben mit dieser Zielsetzung vor Augen führt, wird in ihrem ganzen Tun und Lassen von der Motivation getrieben, heilig zu werden.

Die Aussage "In Deine Hände befehle Ich Meinen Geist" ist ein Seufzer zum Himmel, eine letzte vollkommene Weihe, um völlig und ganz Gott zu gehören. Das Ausdrücken dieses Wunsches ist eine Voraussetzung, um die ewige Glückseligkeit zu erwerben. Die Seele, die diesen Wunsch während ihres Lebens auf Erden nicht hegt, wird dies zwar im Fegefeuer tun (weil sie dort die Ewige Wahrheit sehen lernt), aber sie kann es niemals mehr tun, wenn sie sich selbst verdammt. Gott verletzt Ihren freien Willen nicht. Er zwingt niemanden, sich nach Ihm zu sehnen, und wird somit gleichsam auch niemanden zwingen, für ewig bei Ihm im Himmel leben zu wollen.

Jesus sagte: "Der König (= Gott) wird sagen: Empfanget das Reich, das für euch bereitet ist von der Gründung der Welt an". Ihre Lebensaufgabe besteht in erster Linie darin, dass Sie alles daran setzen, die sieben Schlüssel zum Tor dieses Reiches in sich aufzunehmen und sie gemäβ Gottes Willen anzuwenden.

In voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN - 59. Teil

SOHN, SIEHE, DEINE MUTTER

Weihe an Maria als Vollendung von Gottes Reich in der Seele

Myriam van Nazareth

Der Wert der vollkommenen Weihe an Maria kann unmöglich überschätzt werden. Jesus Selbst hat einen unauflöslichen Bund zwischen der Menschheit und Maria geschaffen und geheiligt, als Er vom Kreuz herab die Worte sprach "Frau, siehe, Dein Sohn. Sohn, siehe, deine Mutter". Indem Er den Menschen an Maria gegeben hat, hat Jesus eindeutig nahegelegt, dass dieser Bund für das Heil der Seelen notwendig sein wird.

Den Menschen Maria anzuvertrauen und Maria als Führerin für den Menschen einzusetzen, war für Jesus die letzte Handlung, die Er vornahm, bevor Er Sein Opfer als vollbracht betrachtete. Die letztendliche Zielsetzung des Lebens Christi als Gott-Mensch war die Vorbereitung von Gottes Reich auf Erden. Alle Handlungen, die Jesus während Seines Lebens auf Erden vornahm, und alle Worte, die Er gesprochen hat, waren an der Verwirklichung dieses Ziels orientiert. Somit sollen Sie die Verbindung Ihres Lebens mit Maria als eine unentbehrliche Grundlage betrachten, Gottes Reich in Ihrer eigenen Seele gründen zu helfen.

Eigentlich hatte das Leben Jesu als Mensch nur ein einziges Ziel: Gottes Plan zu dienen. Um das ewige Heil zu erlangen, müssen Sie Jesus in allem nachfolgen. Die äußerste Nachfolge Christi ist ein Leben im Dienst von Gottes Plan. Auch Sie sind zu keinem anderen Zweck in die Welt gesandt worden. Der Weg, der mit der größten Sicherheit zu diesem Ziel führt (zu einem fruchtbaren Leben im Dienst von Gottes Plänen und Werken), ist jener der vollkommenen, bedingungslosen und ewig dauernden Weihe an Maria.

Was die meisten Früchte für Gottes Heilsplan und für die Seelen, auch für Ihre eigene Seele, bringt, ist die ununterbrochene Aufopferung Ihrer Selbst, indem Sie alle Ihre Bürden und Prüfungen, Ermüdungen, Qualen, Krankheiten und Schmerzen in Annahme und Liebe tragen, und zwar im ständigen Bewusstsein, dass Sie diese mit und für Maria und Gott Selbst tragen. Dazu ist es notwendig, dass Sie sie weihen, jeden Morgen für den Tag, der beginnt, und jeden Abend, für den vergangenen Tag, aber, wenn möglich, auch ganz bewusst in dem Augenblick, in dem Sie sie erfahren. Vollkommene Weihe bedeutet, bewusst in Vereinigung mit Maria zu leben, in jeder Einzelheit. Vollkommene Weihe heißt, bei jeder Last, Prüfung, Qual, usw. ausdrücklich zu sagen: "Himmlische Mutter, ich trage und ertrage dies für Dich", während Sie sich vorstellen, dass Sie Maria eine Blume schenken. Scheuen Sie keine Lasten und keine Anstrengungen, keine Opfer und Entsagungen, und freuen Sie sich über den Blumenstrauß, den Sie so im Laufe des Tages sammeln, um diesen abends in Marias Herz zu legen, aus Liebe zu Ihr und zu Gott und zum Heil der Seelen.

Dies alles können Sie sich durch diese geistige Vorstellung angewöhnen (eine Prüfung annehmen, eine Entsagung üben, sich nicht etwas erlauben, das Sie dennoch absolut tun oder sagen möchten, usw. = Maria eine Blume schenken), aber was sich dahinter verbirgt, ist eine sehr tiefe spirituelle Wirklichkeit: Maria ist von Gott Selbst als Schlüsselfigur in der Erfüllung Seiner Pläne auserkoren. Sie hat Jesus als Mensch aus Ihrem Schoß geboren werden lassen, um die Erlösung durch das Opfer Seines Körpers und das Vergießen Seines Blutes vollziehen zu können. Sie hat auch nach der Geburt des Messias uneingeschränkt an der Erlösung mitgewirkt. Sie ist von Gott über alles und über alle Geschöpfe erhoben worden. Das Schicksal aller Seelen ist in unvorstellbar hohem Maße in Ihre Macht gelegt und Sie hat aus Gottes Händen die Führung über die Verwirklichung Seiner Pläne erhalten.

Um diese Herrschaft ausüben zu können, hat Sie die unumschränkte Macht und die uneingeschränkte Verfügung über alles bekommen, was zur Verwirklichung dieser Pläne führen kann: den Oberbefehl über Gottes Engel, die Schlüssel zur Schatzkammer der Göttlichen Gnaden, die Waffe einer übermächtigen Fürsprache, die absolute Macht über die Teufel, die Instrumente zur Heiligung von Menschenseelen, und nicht an letzter Stelle: Maria besitzt die Macht, durch ein Göttliches Mysterium alle Leiden, Prüfungen, Aufopferungen, Sühneakte, Entsagungen, Anstrengungen, Äußerungen der Tugend und Überwindung von Versuchungen in Gnaden von Erlösung, Heilung und Heil umzugestalten.

Besonders dieses Vorrecht macht Maria zum Tor des Himmels und zum Schlüssel zur vollkommenen Befreiung der Welt aus dem Griff des Bösen. Die Seele, die nicht erkennt, dass sie Maria auf dem Weg zum Heil braucht und die Maria nicht als ihre Herrin anerkennt, hat Gottes Heilsplan nicht begriffen. Vollkommene Weihe an Maria ist der von Gott Selbst vorgesehene, königliche Weg zum Heil. Deshalb ist Weihe an Maria die natürlichste Sache für die Seele.

Alles, was Sie tun, sagen, denken, fühlen, wünschen oder anstreben, ohne Maria dabei einzubeziehen, ist gleichsam für Gottes Heilsplan verloren (*). Dies bedeutet, dass besonders die Anstrengungen und Äußerungen Ihres Lebens, die Sie in inniger Verbundenheit mit Maria ausüben, einen wirklich wertvollen Beitrag zur Abbezahlung der gemeinsamen Schuld liefern können, welche die Menschheit in allen Zeiten gegenüber der Göttlichen Gerechtigkeit angesammelt hat. Die durch Sie mit und für Maria getragenen Aufopferungen können eine Bekehrung erwirken (sogar diese Ihres größten Feindes), eine Seele aus dem Fegefeuer befreien (sogar jene eines geliebten Verstorbenen), eine Situation zum Guten wenden, usw.

(*) Diese Zeilen sollen vor dem Hintergrund der Spiritualität der Herrin aller Seelen als Ganze verstanden werden: Gemeint ist nicht, dass Handlungen, Aufopferungen usw. von Seelen ohne Einbeziehung von Maria sinnlos wären, sondern dass der volle Wert derselben innerhalb von Gottes Heilsplan durch die vollkommene Weihe an Maria über den kürzest möglichen und fruchtbarsten Weg erzielt wird.

Weihe an Maria ist nicht aufrichtig, nicht überlegt und nicht wirklich am Dienst an Gott orientiert, wenn sie nicht weiter reicht als das Aussprechen eines Aktes der Weihe. Genauso wie wirkliches Gebet nicht von den Lippen, sondern aus dem Herzen kommt, so entsteht und lebt echte Weihe auch nicht auf den Lippen sondern im Herzen. Weihe an Maria ist ein Lebenswerk. Solange Sie Ihr Leben in Fächer aufteilen, sind Sie nicht vollkommen Maria geweiht. Von echter, vollkommener Weihe kann nur die Rede sein, wenn das Bestreben und der Wunsch, Sie selbst und Ihr Leben Maria zu verschenken, alle Aspekte Ihres Lebens durchdringen. Alle Ihre Handlungen, Worte, Gedanken, Gefühle, Wünsche und Bestrebungen müssen von dieser Lebenshaltung erfüllt sein.

Die wahrhaftig und vollkommen Maria geweihte Seele ist von dem Sehnen danach besessen, durch alle ihre Werke und Worte Heil und Segen über die ganze Menschheit zu bringen. Weihe an Maria ist keine Tätigkeit für ganz bestimmte Zeitpunkte, sie ist ein Vollzeit-Lebensplan, der allem Richtung und Beweggrund gibt, was Sie tun, sagen, fühlen, denken, wünschen und unterlassen. Die tiefe Motivation des Lebenswandels der Maria geweihten Seele ist die wahre und bedingungslose Liebe: Die Maria geweihte Seele wird in dem Maße ihrer Hingabe (Selbsthingabe) an Maria von Ihrem ganzen Wesen durchdrungen, wie ein Schwamm von Wasser durchdrungen wird. Sie 'trinkt' Maria in jede Faser ihres Wesens, sie saugt Sie gleichsam immer weiter in sich auf. Jedes Mal, wenn die Welt, die Umstände ihres Lebens oder die Prüfungen sie bedrücken, kommt nichts anderes als Maria aus ihr geflossen (wie Wasser aus einem Schwamm, der zusammengedrückt wird). Sie atmet Maria aus, gießt Sie in die Herzen, ihr ganzes Denken und Fühlen wird von Ihr geführt und beherrscht, so dass die Seele den Geist von Marias Heiligkeit, Ihre Tugenden und Ihre eigene Lebenshaltung um sich herum verbreitet.

In einer Offenbarung wurde mir das Wesen der vollkommenen Weihe an Maria in dem Bild einer Kerze gezeigt, die angezündet wird. Das Material, aus dem die Kerze besteht, ist das ganze Wesen der an Maria geweihten Seele und alles, was sich in ihr an weltlichen Neigungen befindet. Das Anzünden der Kerze erfolgt in dem Augenblick, in dem die Seele vom Heiligen Geist berührt wird. Es ist Gottes Geist, der 'das Feuer an die Lunte legt'. Die Flamme ist Maria. Verstehen Sie dies richtig: Der Heilige Geist muss den Funken überschlagen lassen, so dass das Feuer beginnt, die Kerze zu berühren. Die Flamme ist das Feuer von Marias allerheiligster, allerreinster und unübertroffen mächtiger Liebe.

Das Feuer beginnt, die Kerze zu verzehren: Das ganze Wesen und alle weltlichen Neigungen, Gewohnheiten, jeder Ballast der Vergangenheit, usw. werden allmählich unter Marias Einwirkung verzehrt (weggebrannt). Die Kerze selbst hat keinerlei Macht über diesen Vorgang. Daher muss sich die Maria geweihte Seele, damit ihre Weihe wahrlich fruchtbar wird, wirklich 'wie eine Kerze verhalten': Sie muss sich ohne irgendeinen Widerstand der verzehrenden, entflammenden Macht Mariä unterziehen und dabei alle irdischen Spuren zum Himmel aufsteigen lassen. Das 'Aufsteigen zum Himmel' ist buchstäblich die Weihe, die Hingabe, die Selbsthingabe, das Anbieten ihres ganzen Wesens an Gott durch Marias Liebe. Kerze + Feuer = 'in Luft aufgehen', mit anderen Worten: Die geweihte Seele wird unter Marias intensiver Berührung derart mit Ihr vermischt, dass ihr ganzes Wesen mit allem, was es beinhaltet, in glühender Luft zu Gott aufsteigt.

Die Kerze ist der Macht des Feuers vollkommen unterworfen, aber sie kann entweder gut oder schlecht brennen: Die Maria geweihte Seele kann durch Mangel an Hingabe (also dadurch, dass sie ihren freien Willen den Werken Mariä in ihr vorzieht) 'schwer brennbar' werden. In diesem Fall kann sie entweder letztendlich erlöschen oder unreinen Rauch abgeben. Dies geschieht jedes Mal, wenn Sie Maria nicht mehr erlauben, mit Ihnen alles zu tun, was Sie will. Aus diesem Bild geht hervor, wie die wirklich geweihte Seele kleiner und kleiner wird, wie alles Weltliche aus ihr verschwindet unter der Macht der Liebe, und wie dies alles zu Gott aufsteigt.

Während dieses ganzen Vorgangs gibt die Kerze Licht und Wärme ab: Solange die Maria geweihte Seele Maria frei und ungehindert über sich herrschen lässt, vertreibt sie die Finsternis um sich herum (sie ist ein Licht für die Seelen um sich herum, die sich im Griff der Welt befinden und die einzige Wahrheit Christi nicht oder schlecht kennen) und erwärmt die Herzen durch ihr tatsächliches Leben in der Nächstenliebe. Durch das Licht und die Wärme, die sie um sich herum verbreitet, erhält sie die Fähigkeit, für das Leben von Mitmenschen einen positiven Beitrag zu leisten. Darin liegt die wahre Berufung der an Maria geweihten Seele: Durch ihr Leben und ihre Seinsweise trägt sie zur Vollendung von Gottes Reich in den Seelen bei, und zwar in dem Maße, in dem diese Entwicklung auch bereits in ihr selbst fortgeschritten ist.

Wie sollen Sie Ihre Seele für die Gründung von Gottes Reich in ihr vorbereiten?

Allein auf sich gestellt kann die Seele Gottes Reich nicht in sich zur Blüte kommen lassen, ebenso wenig, wie ein Samenkorn aus eigener Kraft zu einer Blume reifen kann. Das Samenkorn braucht Lebenskraft, und diese kommt aus Gottes Hand. Es ist der Ewige Vater, der die Seele erschafft, es ist Jesus Christus, der ihr durch die Verdienste Seines Erlösungsopfers die Möglichkeit bietet, Gottes Reich in sich zu empfangen, und es ist der Heilige Geist, der diesem Reich die Keimkraft verleiht. Aus sich selbst heraus ist die Seele nicht imstande, diese Keimkraft zu benutzen, weil sie unter dem Einfluss der Welt (Versuchung, Irreführung, Verblendung, Sünde…) zu rau wird und ihr inneres Bauwerk in vielen Fällen für das Wasser der Gnade und die Strahlen von Gottes Licht undurchlässig wird.

Der zuverlässigste Pflug, um den Acker Ihrer Seele bereitzumachen, Früchte von und für Gottes Reich in sich zur Reifung kommen zu lassen, ist Maria: Sie kann Ihren Boden bearbeiten, wie nichts oder niemand anders dies tun kann, weil Sie dazu die Liebe, die Weisheit und die Macht besitzt. Die einzige Voraussetzung, diesen 'Pflug' seine Arbeit tun zu lassen, ist Ihr Ja-Wort, Ihr Akt der Zustimmung an Maria, Sie zu Ihrem/Ihrer Diener(in) zu machen. Solange Sie Marias Form- und Knetwerk in Ihrem Herzen und in Ihrer Seele nicht wünschen, wird Sie Ihren Acker nicht betreten. Sie sehnt Sich danach, alle Ihre Kinder zu Gott zu bringen und so die Welt für das Ewige Reich zu retten, aber Sie müssen Ihr selbst zu erkennen geben, dass Sie sich danach sehnen, Ihr Leben mit Ihr und für Sie zu führen. Vollkommene Weihe ist vollkommene Hingabe Ihres Lebens und Ihres ganzen Wesens.

Welche sind die Voraussetzungen für eine fruchtbare Beziehung mit Maria als Ihr geweihte Seele, mit anderen Worten: Was wird von Ihnen erwartet, um Marias Einfluss uneingeschränkt zur Geltung zu bringen, sowohl für Ihre eigene Seele als auch für die Seelen Ihrer Mitmenschen?

  1. Glaube. Wahre Weihe ist für Sie eine große Glaubensprüfung. Ein wirklicher Glaube bedeutet nicht nur, davon überzeugt zu sein, dass Gott existiert, sondern vor allem überzeugt zu sein, dass Er wirkt. Vollkommene Weihe an Maria bedeutet: Sich Ihr vollkommen hinzugeben. Diesen Schritt können Sie erst tun, sobald Sie davon überzeugt sind, dass Sie die Macht besitzt, das Allerbeste mit Ihnen zu tun. Es ist ein starker Glaube erforderlich, um Ihr Leben innig mit jemandem zu verbinden, den Sie (normalerweise) nicht sehen oder hören können. Die große Glaubensprüfung besteht aber vor allem in Ihrer Beharrlichkeit in der Selbsthingabe an Maria in den Augenblicken schwerer Prüfung. Wenn Sie dann glauben können, dass Maria in und mit Ihnen und für Sie wirkt, trotz scheinbar gegenteiliger Zeichen, dürfen Sie davon ausgehen, dass Sie Ihr wirklich geweiht sind.

  2. Vertrauen. Vertrauen geht gleichsam noch einen Schritt weiter als Glaube. Sie können erst in dem Maβe wirklich als Maria geweihte Seele funktionieren, wie Sie vertrauen, dass Maria für Sie das Gute tun kann, tun wird und tun will. Vertrauen auf Maria bedeutet, fest an Ihre Macht und Ihre Liebe zu glauben. Es ist nicht möglich, sich vollkommen Maria hinzugeben und Ihr Leben vollkommen in Ihre Hände zu legen, wenn Sie nicht vollkommen auf Sie vertrauen. Wirkliche Weihe heiβt, sich selbst willenlos an Maria auszuliefern, in vollkommener Hingabe, ohne jeglichen Widerstand oder irgendeine Zurückhaltung. Dies ist nicht selbstverständlich, weil der Mensch in der modernen Gesellschaft in der Regel nicht auf ein Leben als Diener vorbereitet wird. Ihre Beziehung zu Maria muss eine Beziehung eines Dieners zur Herrin sein. Wenn Sie dazu nicht bereit sind, können Sie für Maria keine Früchte tragen.

  3. Gehorsam. Der nächste Schritt ist vollkommener Gehorsam Maria gegenüber. So wie ein Soldat dem Vaterland, dem König und dem Gesetz Treue und Gehorsam schwört, so schwört die an Maria geweihte Seele Maria Treue und Gehorsam. Sie ist die Königin von denjenigen, die sich mit ihrem ganzen Leben und Wirken für das Heil der Seelen einsetzen. Sie ist auch die Königin des Himmlischen Vaterlandes und Sie vergegenwärtigt für uns Gottes Gesetz. Als Maria geweihte Seele sind Sie Soldat im Heer der Ewigen Liebe, das nur einen Feind hat: das Böse, welches Ausdruck des Hasses in seinen unzähligen Äußerungen ist. Gehorsam Maria gegenüber heißt, dass Sie ohne Widerstand Ihren Eingebungen folgen, für alles kämpfen, wovon Sie das Symbol ist (Gottes Gesetz, Werke und Pläne), und vollkommene Annahme des eigenen Lebenslaufes. Annahme ist Frucht und Zeichen wahrer Liebe und wahren Vertrauens. Annahme ist Ihr Einverständnis mit demjenigen, was Gott für Sie verfügt.

  4. Liebe. Die Liebe ist der tiefe Kern von allem, was aus Gottes Hand kommt. Sie muss auch der tiefe Kern Ihrer vollkommenen Hingabe an Maria sein. Weihe ohne eine solide Basis von Liebe (zu Maria, zu Gott und zu Ihren Mitmenschen) ist nichts mehr als Schein oder sogar Schwärmerei. Wenn Sie unzureichend in der Liebe in allen ihren Formen wachsen, kann Ihre Weihe nicht lange standhalten. Bedenken Sie, dass, wenn Maria Sie dazu ruft, sich selbst Ihr hinzugeben, dies als eine Berufung für das Leben beabsichtigt ist. Weihe an Maria ist ein Lebenswerk. Daher besteht die erste Aufgabe darin, dass Sie um die wahre Liebe in Ihrem Herzen beten und dass Sie keine Anstrengung scheuen, an sich selbst zu arbeiten, um, so wie Maria Selbst und so wie Jesus, ein Held in der Liebe (Märtyrer der Liebe) zu werden. Dies ist notwendig, denn nur durch ein Übermaß an Liebe werden Sie den Prüfungen gewachsen sein und können Sie die Früchte bringen, die von Ihnen erwartet werden.

  5. Reinheit. Sie können Gottes Plan in Maria nur in dem Maße dienen, wie Sie in der Reinheit sind. Wie halten Sie Ihre Seele rein? Dadurch, dass Sie sich selbst bei jeder Handlung, jedem Wort, jedem Gedanken, jedem Gefühl und jedem Wunsch die Frage stellen: Worauf läuft dies hinaus? Entfernt mich dies von Gottes Plänen, Erwartungen und Geboten? Ist die Antwort ohne Weiteres 'Ja', so liefern Sie sich bewusst der Unreinheit aus, wenn Sie es trotzdem zulassen. Vollkommene Reinheit ist der größte Ehrerweis an Ihre Herrin, die ja die unvergleichliche Königin der Reinheit ist. Reinheit der Seele können Sie nur in dem Maße erreichen, in dem Sie viele Äußerungen der Unreinheit unterlassen, so wie Lästern, Klatschen, Verleumden, Geschwätz, Lügen, Unkeuschheit, Neid, Missgunst, Groll, Verbitterung, Aggression mit Worten, Streitsucht, verletzende Worte, dem Mitmenschen Leid antun, dem Mitmenschen das Leben schwer machen, Hochmut, depressive Stimmungen, dem Mitmenschen Böses wünschen, den Mitmenschen ins Gerede bringen oder verdächtigen, zynische oder sarkastische Bemerkungen machen.

  6. Selbstverleugnung. Wirkliche Weihe heißt, sich selbst vollkommen hingeben. Dies bedeutet, dass Ihr ganzes Wesen und alles, was mit Ihnen zusammenhängt oder von Ihnen ausgeht, Marias Besitz und Eigentum wird. Die an Maria geweihte Seele gehört nicht mehr sich selbst, sie gehört Maria. Sie stellt keine Fragen und keine Bedingungen, Maria kann sie gebrauchen, wann Sie will, wie oft und wie lange Sie will, wo Sie will und wie Sie will. Sie hat eine uneingeschränkte Macht über alle ihre Handlungen, alle ihre Worte und ihr ganzes inneres Leben. Sie tut dies ohne Zwang, denn Sie greift nicht in den freien Willen ein, aber je mehr und je demütiger sich die Ihr geweihte Seele in Marias Hände legt, desto größer werden die Äußerungen der Macht, die Sie über die Seele, in ihr und in ihrem Umfeld auswirkt. Marias Macht ist die Macht von Gott Selbst und führt die Ihr geweihte Seele zu der wahren Freiheit der Heiligung, und andere Seelen zur Befreiung aufgrund der Verdienste, welche die geweihte Seele durch ihre Hingabe ansammelt. Selbstverleugnung bedeutet, sich selbst vollkommen zur Seite zu schieben, und Bereitschaft, jedes Opfer für den Mitmenschen und für Maria zu bringen: Gottes Plan zu dienen, wird zum ersten Ziel gesetzt, über die eigenen Bedürfnisse und Wünsche hinaus.

  7. Ehrerbietung. Sobald Sie sich selbst Maria hingegeben haben, werden Sie in gewissem Sinne Ihr(e) Vertreter(in) für Ihr eigenes Umfeld. Es ist wichtig für die Fruchtbarkeit Ihrer Weihe, dass Seelen in Ihnen ein Stück von Maria wiederfinden. Das können sie erst dann tun, sobald Sie ein Vorbild an Ehrerbietung werden, sowohl in Ihrer Frömmigkeit und während des Gottesdienstes als auch in Ihrem Umgang mit Menschen. Geben Sie Maria die Gelegenheit, Sie vollkommen nach ihren Erkenntnissen zu bearbeiten, um aus Ihnen den Kämpfer zu machen, den Sie in Ihnen sehen will.

    Wirkliche Weihe ist vollkommene Offenheit, die Sie bereitmachen muss, Maria in Ihnen und durch Sie leben und arbeiten zu lassen. Dazu ist es notwendig, dass Sie ein Tempel für Maria werden: rein, heilig, still, besinnlich und ehrerbietig. In dem Maße, wie Maria Sich Selbst in Ihnen wiederfindet, wird Sie augenfälliger in Ihnen anwesend sein. Ihre Ausstrahlung wird Marias Ausstrahlung sein, und wird die Seelen zu Ihnen ziehen, die Sich Gott Selbst durch Sie zu gewinnen wünscht.

Die Kräfte, die diese sieben notwendigen Eigenschaften zusammenhalten müssen, sind die Beharrlichkeit und der Wille, mit Maria (und also mit Gott) in Taten, Worten, Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Bestrebungen eins zu sein. Sobald sich eine dieser sieben Eigenschaften schwächen lässt, wird das ganze Bauwerk Ihrer Weihe unstabil. Bedenken Sie übrigens, dass auch Maria Selbst Sich in jeder dieser Eigenschaften auszeichnete. Sie gab Sich Selbst bedingungslos, vollkommen und ewig dauernd Gott hin und war vollendet in Ihrer Weihe an Seine Pläne. Dies hat sich in Ihrem ganzen Leben erwiesen. Sonst könnte Sie niemals die Miterlöserin geworden sein.

Auch Sie müssen ein(e) Miterlöser(in) werden. Sie können dies nicht alleine tun, Sie brauchen die Führung einer vollkommen heiligen Seele, die diesen Weg vor Ihnen beschritten und üppig Frucht getragen hat. Gott will Sein Reich auf Erden gründen und kann dies nur tun, indem Er die Herzen der Menschen für dieses Reich gewinnt. Die Seelen müssen auf das Kommen von Gottes Reich vorbereitet werden. Sie müssen derart bearbeitet und gereinigt werden, dass die Einflüsse der Welt auf ein Mindestmaβ reduziert werden, das erforderlich ist, um noch in einem Körper auf dieser Welt zu leben. Die Seele muss Gottes Wirken in sich zulassen, um vergeistigt zu werden.

Darin liegt der Kern von Marias Berufung den Menschenseelen gegenüber: die Seelen nach Ihrem eigenen Bild umzugestalten, damit sie Ihre Heiligkeit und Ihre Macht über Gottes Herz in sich aufsaugen können, um die Fundamente von Gottes Reich in sich selbst vollziehen zu lassen. Es ist der Heilige Geist, der dieses große Werk vollziehen wird, durch Marias Einwirkung und aufgrund der Verdienste Jesu Christi. Die Seele, die sich für die Vollziehung dieses großen Mysteriums aufschlieβt, nimmt bereits hier auf Erden an der Glorie der Auferstehung für das ewige Leben Teil, und kann auch in anderen Seelen den Boden für das Fundament des Ewigen Reiches bereiten.

Gott hat den Menschen mit einem Ziel geschaffen. Ihre erste Aufgabe besteht darin, dass Sie Ihm die Gelegenheit bieten, dieses Ziel in Ihnen zu verwirklichen. Auch der Weg ist Ihnen bekanntgemacht worden: Geben Sie sich Maria hin, um in Ihr vollkommen Gott zu gehören.

In Voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN – 60. Teil

WENN IHR NICHT WIEDER GEBOREN WERDET...

Über Frohmut als Saat für Wiedergeburt

Myriam van Nazareth

Als Jesus sagte: "Wenn jemand nicht wiedergeboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen", verwies Er eigentlich bereits auf das Sakrament der Taufe. Die Heilige Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ruft den Heiligen Geist über die junge Seele herab und macht für sie den Weg frei, das Kreuzesopfer Jesu in sich zur Frucht bringen zu lassen. Das Taufwasser ist wie das Wasser, das aus dem Herzen Jesu strömte, als Seine Seite nach Seinem Tod am Kreuz mit einer Lanze durchstochen wurde. Aus dem Göttlichen Herzen Jesu wurde die Kirche geboren und wurde durch die Taufe auch die Seele für das Ewige Leben geboren, nachdem sie in einem physischen Körper das vergängliche Leben auf Erden begonnen hat. Die Kinderseele empfängt also bei ihrer Taufe den Schlüssel zum wahren Leben. Es lieβe sich sagen, dass die Taufe in die Seele das Zeichen des Kreuzes der Erlösung brennt, als Gegenstück für das Brandmal der Erbsünde.

Die Seele muss durch ihren Lebenswandel bestimmen, welchem der beiden Merkmale sie die meiste Nahrung geben wird: Wird sie sich durch das Merkmal des Bösen vergiften (und eventuell töten) oder aber das Merkmal des Kreuzes in sich strahlen lassen, sodass für sie der Weg der Heiligkeit erschlossen wird? Das Merkzeichen des Bösen entfernt die Seele vom wahren Leben, vom Licht, von der Liebe. Die Seele wird von den zarten Kinderjahren an auf unzählige Weisen angegriffen und verwundet durch die unterschiedlichsten Einflüsse aus der Welt, welche nicht dem Weg Christi folgt, sondern dem Weg des Verderbens. Solange die junge Seele dem Programm treu bleibt, das ihr bei ihrer Schöpfung eingeprägt worden ist, lebt sie im Licht. Dies kommt durch die kindliche Unschuld (eine natürlichen Neigung, in der Tugend zu bleiben) zum Ausdruck, die an erster Stelle durch die Freude und en Frohmut spürbar wird, die für Kinder kennzeichnend sind, die sich gegen die verunreinigenden Einflüsse um sich herum zu wehren wissen. Die kindliche Unschuld wird bei den meisten Menschen früher oder später unter der Bürde der Prüfungen des Lebens aufgerieben: Die Seele wird unter dem Knetwerk von allem, was sie sieht, hört, liest, erfährt und lernt, umgestaltet. Sie zieht Schlüsse, die von weltlichen Auffassungen gefärbt sind. Sie passt sich an, 'um dazuzugehören': Seelen mit einem Verhalten, das von der Norm abweicht, werden nicht einfach angenommen und sind deswegen oft geneigt, ihr Verhalten und ihre Auffassungen zu ändern, sogar dann, wenn die Anpassungen bedeuten, dass sie dadurch von Gottes Wegen abweichen. So öffnet sich die Seele für die Abweichung, für die Sünde.

Der Übergang der Seele aus dem wahren Leben zum Leben der Welt vollzieht sich in zwei Phasen: Zuerst unterzieht sie sich den krank machenden Einflüssen einer Gesellschaft, die immer gottloser wird. Die Seele muss dann eine Wahl treffen: Entweder passt sie sich an, indem sie die Gewohnheiten, Verhaltensweisen und Normen der Gesellschaft annimmt und diese in sich aktiv zur Anwendung bringt, oder aber sie bleibt ihrer ursprünglichen Heiligkeit treu, indem sie den Weg von Christus geht. Das Annehmen der Gewohnheiten und Normen der Welt ist die zweite Phase, nämlich die freie Wahl, nicht mehr Gottes Werke zu tun, sondern den vergänglichen Interessen des irdischen Lebens nachzustreben (Geld, Besitz, Genuss, Macht, Ansehen).

In Sturmschrift Nr. 45 wies ich bereits darauf hin, dass die Seele, die von der Welt 'angefressen' wird, zu ihrem ursprünglichen Wesen zurückkehren muss: zur Schlichtheit des Kindes, solange es in Reinheit von Herz, Geist, Körper und Mund zu leben weiß. Die Rückkehr kann jeden Augenblick erfolgen, es ist niemals zu spät. Für Gott macht es einen unendlich großen Unterschied, ob Sie diesen Schritt am letzten Tag Ihres Lebens getan oder ihn niemals getan haben: Im ersten Fall sterben Sie im Sehnen danach, aufs Neue so zu werden, wie Gott Sie bestimmt hat, im zweiten Fall sterben Sie mit einer Seele, die in der Gleichgültigkeit verharrt hat und sich nicht die Mühe gegeben hat, sich vom Schlamm der weltlichen Einflüsse zu befreien.

Die Rückkehr der Seele in ihren ursprünglichen Stand heißt Bekehrung, und diese kann jederzeit erfolgen. Sie muss sich sogar jeden Tag aufs Neue vollziehen, um in der Seele festen Boden zu finden, der bleibende Früchte hervorbringt.

Was beinhaltet die Rückkehr der Seele in den Stand der Unschuld? Sie bedeutet, so zu werden wie ein Kind, zu denken und zu fühlen wie ein Kind. Solange ein Kind die Reinheit des Herzens und des Geistes bewahrt, ist es einfach, vertraut es in allem auf seine Eltern, fühlt es sich in Harmonie mit der Schöpfung (mit den Tieren, Pflanzen, Blumen) und mit Gott Selbst und übt es 'von Natur aus' die Tugenden. Das Maß, in dem ein Kind diese Phase wirklich lebt, zeigt die Verfassung von Frieden, Freude und Frohmut. Frohmut ist die Fähigkeit, allem, was auf Ihren Lebensweg kommt, mit großem inneren Frieden entgegenzutreten. Ein Kind in der Phase der Reinheit macht sich keine Sorgen, es fühlt sich von kräftigen Händen getragen (Händen von Menschen, in welche es Vertrauen setzt, aber noch mehr — wenn auch manchmal unbewusst — von Gott: Nicht selten lässt sich in einem Kind noch ein Kern tiefen religiösen Gefühls vorfinden).

Frohmut ist der größte Ehrerweis, die größte Verherrlichung an Gott. Lernen Sie deshalb, sich aufs Neue zu freuen über die Schönheiten der Natur und über andere Dinge um sich herum, die keinen unmittelbaren materiellen Wert für Ihr Leben haben. Tatsächlich: Der Erwachsene freut sich oft nur noch über Dinge, die ihm materiellen Vorteil bringen können. Wie vergänglich ist doch dieser Reichtum, denn derjenige, der sich über seine reiche Ernte an Früchten der Erde freut, kann noch zur selben Stunde vor Gottes Antlitz zurückgerufen werden. Ein Kinderherz erfreut sich über so viele Dinge, die in den Augen vieler Erwachsenen unbedeutend oder gewöhnlich erscheinen, die aber von der jungen Seele als Geschenke Gottes erkannt werden. Deswegen ist der Frohmut ein großes Element von Reinheit und Frieden im Herzen und somit des Hinüberfließens von Gefühlen (eigentlich von Liebe) zwischen Gott und der Seele. Die Beeinflussung durch die Dinge und Interessen der Welt töten in vielen Herzen den Frohmut und damit das Strömen von Liebe zwischen Gott und der Seele.

Zur Verfassung tiefer Freude und tiefen Frohmuts zurückzukehren, ist die Brücke zur Reinigung Ihres Herzens und Ihrer Seele. Diese Rückkehr ist erst in dem Maße möglich, in dem Sie alles weltliche Denken, Fühlen und Sehnen von sich abzuschütteln lernen. Wenn Ihnen das gelingt, erfährt Ihre Seele eine neue Verfassung, die sie unbewusst an den Zustand erinnert, in den Gott sie bei ihrer Schöpfung gebracht hatte. Es ist gleichsam die Rede von einer Wiedergeburt aus Gottes Herzen, einer Erneuerung, die auf einer tiefgehenden Reinigung basiert, einer erneuten Reinheit durch einen intensiven und engen Kontakt mit dem Dreieinen Gott durch die tiefste und heiligste Emotion, die von Seinem Herzen geschaffen ist: die Liebe.

Betrachten Sie das Bild einer Apfelsine an einem Baum, die von der Sonne beschienen wird. Die Apfelsine ist hier wie die Seele. Wenn die Seele die Welt zu sehr hegt, wird ihre Schale (alles, was ihr zartes Inneres bedeckt) immer dicker, auf Kosten des Fruchtfleisches. Dadurch wird es immer weniger möglich, dass die Schale noch die Wärme der Sonnenstrahlen (die Inspirationen des Heiligen Geistes) an das Fruchtfleisch weitergibt. Wie kann diesem Zustand abgeholfen werden? Dadurch, dass Sie den Ballast des weltlichen Denkens und Sehnens von sich abwerfen. Die Schale wird dann nicht mehr genährt und wird dünn, und die Strahlen von Gottes Geist dringen aufs Neue besser zum Fruchtfleisch durch.

Wer seine Seele in den Stand der Kindheit zurückbringen möchte, muss sein Herz für dasjenige öffnen, was wirklich zählt: für die Bedürfnisse der Seele. Sie sind nicht in die Welt gesandt worden, um die vergänglichen Dingen des irdischen Lebens als einem Ziel an sich anzustreben. Sobald Sie dies verstanden haben, beginnt die Schale weltlicher Einflüsse abzubröckeln und Sie werden sich immer freier fühlen. In dem Maße, wie Ihr Herz dadurch leichter wird, unterzieht es sich immer mehr den Einflüssen der Heiligung, die Gott wie einen neuen Mantel um Sie herum legt. Die Schale der Welt ist wie ein dicker Mantel, der eine Scheinwärme, eine Scheingeborgenheit gewährt, der allerdings die Seele erstickt und sie daran hindert, Gottes Duft einzuatmen. Der Mantel der Heiligkeit dahingegen ist leicht und nährt die Seele mit allem, was aus Gottes Herzen kommt.

Wie können Sie den Frohmut in Ihrer Seele ansiedeln?

Im Grunde genommen müssen dazu drei Voraussetzungen erfüllt werden:

1. Sie müssen sich selbst ganz bewusst vor Augen halten, dass dieses Leben nur eine Vorbereitung auf das wahre Leben ist, das nachher kommt. Das Leben auf Erden ist kein Ziel an sich und darf niemals als solches betrachtet und erfahren werden. Wenn Sie das dennoch tun, werden Sie leicht durch die vielen Prüfungen jedes Tages überrumpelt werden.

2. Sie müssen sich selbst angewöhnen, alles, was Ihren Lebensweg kreuzt, sowohl das Angenehme als auch das weniger Angenehme, Maria zu weihen. Sie macht aus allem eine wertvolle Quelle von Heil für die Seelen, auch für die eigene Seele. So geht nichts verloren und hat auch alles Negative einen großen Nutzen. Sich dessen bewusst zu werden, wird automatisch die Tür zu einem größeren Frohmut öffnen.

3. Sie müssen sich des erlösenden Wertes des Frohmuts bewusst werden, ebenso wie der Tatsache, dass diese Verfassung die Grundlage des wahren Glücks auf Erden bildet. Das wahre Glück kann bereits in hohem Maße vom Herzen erfahren werden, das durch den Frohmut wahrlich in Verbindung mit Gott lebt.

Frohmut legt gleichsam eine duftende Wolke von Schutz gegen die Sünde um die Seele herum, denn er hält das Herz mit Gott verbunden und verhindert, dass sich im Herzen Unfrieden fest einnistet. Es ist der Unfrieden im Herzen, der die Tür öffnet zur Kritiksucht, Unverträglichkeit, Verbitterung, Jähzorn, Ungeduld, Unzufriedenheit über alles und jeden (sogar über sich selbst), Sarkasmus, Unfreundlichkeit und zu allen möglichen Unzulänglichkeiten in der Nächstenliebe, aber auch zu selbstzerstörerischen Verfassungen wie anhaltender Trübseligkeit, Abkehr von sich selbst, Aggressivität durch Unfrieden... Alle diese Untugenden und negativen Verfassungen sind in hohem Maße Äußerungen von Unfrieden im Herzen und führen ihrerseits noch mehr Unfrieden und Mangel an Frohmut herbei. Alle diese Äußerungen machen deutlich, was in einer Seele vorgeht, die den Kontakt mit Gottes Geist verliert: Sie verliert den Frohmut und fällt bald einer Reihe von Untugenden anheim, mit der Folge, dass sie kein Glück, keinen Frieden oder keine Freude mehr findet und das Leben als sinnlos zu betrachten beginnt.

Frohmut bringt in das Herz eine Frische und eine Energie, die Ihr ganzes Leben mit neuem Leben durchströmen lässt. Dies ist es wesentlich, was als 'Lebenslust' bezeichnet wird. In diesem Sinn erfährt die frohgemute Seele das Leben wie eine sich selbst ständig wiederholende Wiedergeburt, als ob jeder neue Tag, sogar jede neue Erfahrung, ein vollkommen neues Leben öffnet. Dies kommt dadurch, dass der Frohmut das Herz unaufhörlich von allem Ballast des Lebens reinigt. Dadurch kann die frohgmute Seele das Gefühl bekommen, dass sie aller negativen, schmerzlichen, quälenden und verletzenden Erfahrungen und Erinnerungen aus der Vergangenheit vollkommen entledigt ist. Wer wenig Frohmut erfährt, hat bald unter der Bürde von allem, was er weiterhin mit sich trägt, zu leiden und es gelingt ihm nicht, alles zu relativieren, mit anderen Worten: Er neigt dazu, alles aufzubauschen und Rückschlägen und Prüfungen eine viel größere Wichtigkeit beizumessen, als sie in Wirklichkeit haben.

Die Befreiung von allen unangenehmen und erdrückenden Erfahrungen und Erinnerungen schafft in der Seele die Leichtigkeit, welche die wahre Basis für den Flug zur Heiligkeit bildet. Die Heiligkeit ist die wahre Freiheit und das wahre Leben in und mit Gott. Der Weg zu diesem wahren Leben, das bereits hier auf Erden in der Seele gegründet werden muss, ist die Heiligung, die als eine Wiedergeburt betrachtet werden darf, die auf einer beharrlichen Bekehrung nach jedem Fehler oder jeder Sünde gegründet ist. Die immer wiederholte Bekehrung (d.h., das Sich-vom-Bösen-Abkehren) ist also für die Wiedergeburt zum wahren Leben für das Ewige Reich notwendig. Ich habe nachgewiesen, welch unübertroffene Rolle der Frohmut dabei spielt. Die frohgemute Seele ist wie ein Sonnenstrahl für ihr Umfeld. Sie wärmt Herzen und erleuchtet den Geist. Genau wie die Sonne bringt sie Fruchtbarkeit und Leben in die Geschöpfe, denn wie sie sich selbst unaufhörlich reinigt, so reinigt sie ebenfalls ihre Mitgeschöpfe durch die Macht ihrer Ausstrahlung. In jedem Mitmenschen guten Willens weckt die frohgemute Seele die Liebe zum Leben. Da die Liebe die schöpfende, erlösende, heiligende und lenkende Kraft von allem ist, was lebt, darf der Frohmut als die größte Quelle der Verherrlichung und Anbetung Gottes betrachtet werden, als eine heilige Quelle der Befreiung für die leidende Menschheit und als eine geistige Taufe, welche die Seele für das Eintreten in das Reich Gottes bereitmacht.

Als Christ sind Sie berufen, das Reich Christi auf Erden vorzubereiten. Sie können dies nur dadurch vollbringen, dass Sie Seelen mit dem wahren Leben befruchten. Ihrem Mitmenschen das wahre Leben mitteilen, können Sie nur in dem Maße tun, wie Sie selber dieses Leben in sich tragen. Frohmut kann die matte Seele zum Leben erwecken, weil sie diese aufs Neue mit Demjenigen in Berührung bringt, welcher der Ursprung allen Lebens ist.

In Voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN – 62. Teil

NEHMET DIESEN KELCH UND TRINKET ALLE DARAUS

Über Ihren Anteil am Neuen Bund

Myriam van Nazareth

Am Abend vor Seinem großen Leiden setzte Jesus die Heilige Eucharistie als ein Zeichen für den Neuen Bund ein, den Gott mit der Menschheit geschlossen hatte. Den Neuen Bund müssen wir als ein heiliges Abkommen zwischen Gott und dem Menschengeschlecht betrachten. In einem Abkommen obliegen allen beteiligten Parteien bestimmte Verpflichtungen. Das ist auch so im Neuen Bund: Gott hat Sich dazu verpflichtet, den Himmel aufs Neue zu öffnen, und Er hat gezeigt, wie diese Chance genutzt werden muss, in Christus, Seinem Sohn, unserem Erlöser. Von dem Menschen wird erwartet, dass er dem ihm gegebenen Vorbild von Christus nachfolgt und sein Kreuz auf sich nimmt, jeden Tag wieder. Was gewinnen beide Parteien bei diesem Bund? Für Gott bedeutet die Erfüllung des Neuen Bundes die einzige Gelegenheit, Sein Reich für immer auf Erden zu gründen, denn dies war die letztendliche Zielsetzung der Schöpfung. Für den Menschen bedeutet die Erfüllung des Neuen Bundes die einzige Gelegenheit, die ewige Glückseligkeit im Himmel zu erwerben.

Der Neue Bund ist ein Geschenk, dessen voller Wert vom Menschengeist nie eingeschätzt werden kann. Den Bund annehmen, bedeutet, alle Leiden und Bürden des Lebens auf Erden anzunehmen. Wer das Kreuz seines Lebens nicht annimmt, nimmt auch den Neuen Bund nicht an und verkennt somit das Geschenk der ewigen Glückseligkeit nach dem irdischen Leben.

Als Jesus am Abend vor dem Leiden in Gegenwart Seiner Apostel den Kelch zum Himmel hob, sprach Er: "Nehmet diesen Kelch und trinket alle daraus, denn dies ist der Kelch des Neuen, immerwährenden Bundes. Dies ist Mein Blut, das für euch und viele Menschen vergossen wird zur Vergebung der Sünden (…)". So wie jedes Wort, das Jesus einst gesprochen hat, enthält auch dieses einen Schatz von übernatürlicher Bedeutung. Betrachten wir den tiefen Sinn, wie dieser mir offenbart wurde:

Der Kelch selbst ist aus Gold und kann als das Symbol für Gottes Herz betrachtet werden. Eine vollkommene Erfüllung des Bundes zwischen Gott und einer heiligen Menschheit können Sie sich als einen goldenen Kelch vorstellen, der mit süßem Wein gefüllt ist. Dieser Wein ist eine Mischung, die sich aus dem heiligen Blut Jesu, den Tränen Mariä und den Aufopferungen, Gebeten und geweihten Bürden von Menschenseelen zusammensetzt. In Wirklichkeit allerdings wird der Wein ständig verbittert, und zwar durch die unzähligen Sünden, die Gottes Herz verbittern.

Damit die Menschheit ihrem Anteil am Bund nachkommt, muss sie den Kelch (also Gottes Herz) von der Bitterkeit der Sünde befreien und muss also der Kelch geleert werden. Jesus hat dies vollbracht, als Gottmensch, durch Seine vollkommenen Leiden. Die noch anwachsende Sünde hat den Kelch allerdings mehr und mehr bis zum Rand mit Flüssigkeit gefüllt, die nicht mehr wie Wein sondern wie Galle schmeckt. Jesus trinkt ihn immer noch jeden Tag aus, in allen Heiligen Messen auf der ganzen Welt, aber sogar dies verhindert nicht, dass der Kelch mit der bittersten Galle überläuft, weil:

  1. die Menschheit weiterhin uneingeschränkt hemmungslos und sehr schwer sündigt;
  2. sehr viele Menschenseelen nicht aus dem Kelch trinken (wollen);
  3. sehr viele Menschenseelen zu wenig, gar nicht oder auf unangemessene Weise am Heiligen Messopfer teilnehmen.

Der Kelch muss bis zum Boden geleert werden. Auf keine andere Weise kann Gottes Herz von der Menschheit her die wahre Liebe kosten, von der Er den Keim in die Seelen gelegt hat, und auf keine andere Weise kann die Menschheit ihren Teil des Bundes vollbringen. Das Glück und der Friede können nur in dem Maße auf diese Welt kommen, in dem der Kelch von seiner Bitterkeit befreit wird, sodass die ewig dauernden Opfer Christi und Mariä und die Opfer von Menschenseelen ihn aufs Neue mit Süße füllen. Um dies zu verwirklichen, muss jede Seele bereit sein, den Schluck zu nehmen, den Gott für sie vorgesehen hat.

Wie trinken Sie aus dem Kelch des Bundes?

In diesen finsteren Zeiten besteht jeder Tropfen im Kelch aus Sünde. Dennoch trägt jeder Tropfen ebenfalls die unsichtbare Kraft der Heiligung für die Seele, die ihn zu sich nimmt, denn auch das Blut Jesu, Marias Tränen und die Liebe der Gebete und Aufopferungen der Gemeinschaft der Heiligen (im Himmel und auf Erden) sind immer im Kelch zugegen. Wer aus dem Kelch trinkt, wird also Bitterkeit im Körper und Geist schmecken (wird körperlichen und geistigen Leiden standhalten müssen), aber Süße im Herzen und in der Seele (die höheren Ebenen seines Wesens werden das Licht von Gottes Geist empfangen, um die heiligende Kraft der Leiden zu spüren).

Aus dem Kelch des Bundes trinken, bedeutet also: das Leiden, die Bürden, die Qualen und Ermüdungen Ihres täglichen Lebens mit Liebe und Annahme zu tragen und bewusst aufzuopfern (zu weihen), um dadurch die Bitterkeit der noch nicht abgebüßten oder abbezahlten Sünden aller Zeiten im Feuer der Liebe zu 'verzehren', das von Ihrem Herzen ausgeht, sobald es die Bereitschaft und den Willen zeigt, im eigenen Wesen zu leiden, um dem Kelch (Gottes Herzen) einen süßeren Inhalt bereiten zu helfen. Jesus musste den Kelch bis zur Neige trinken und hat dies ab Seinen ersten Lebensstunden in der Kälte von Bethlehem bis zu Seinem letzten Atemzug am Kreuz getan. Kein Mensch kann dies wiederholen, denn kein Mensch besitzt die vollkommene Einheit mit Gottes Willen, die notwendig ist als Fundament für die Kraft, alle Sünden der Welt abzubüßen. Gott erwartet allerdings von Ihnen, dass Sie die Kraft, die Ihnen als Menschenseele bereitet worden ist, voll und ganz in den Dienst der Verwirklichung Seines Heilsplans stellen, den Er durch den Neuen Bund zur Vollendung bringen will.

Sie können diese Kraft vergrößern, indem Sie die Heiligkeit anstreben. Je heiliger Ihre Seele ist, desto größer ist Ihre Fähigkeit, aus dem Kelch des Bundes zu trinken, ohne von seinem Inhalt vergiftet zu werden. Hat Jesus nicht gesagt, dass eines der Zeichen, um Seine Jünger zu erkennen, jenes sein wird, dass sie Gift werden trinken können, ohne daran zu sterben? Seien Sie ein wahrer Christ und trinken Sie unerschrocken aus dem Kelch, den Er Ihnen reicht. Das einzige, was in Ihnen sterben wird, wird die Welt sein. Bedenken Sie, dass jeder Schluck in diesem Leben, der nicht in Ihrem Körper oder Geist bitter schmeckt, in Ihrer Seele bitter werden kann, aber dass jeder Schluck, der in Ihrem Körper oder Geist bitter schmeckt, den Honig der Heiligkeit in Ihrer Seele bereitet und Sie würdig macht, die Ernte des Neuen Bundes zu empfangen.

In Voluntate Dei, Myriam


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STURMSCHRIFTEN - 65. Teil

SIEHE, VON NUN AN PREISEN MICH SELIG ALLE GESCHLECHTER

Über die vollkommene Weihe an Maria als Saat von Heiligkeit

Myriam van Nazareth

Während der Verzückung, in der die Allerheiligste Jungfrau Maria anlässlich Ihres Besuches bei Ihrer Verwandten Elisabeth Ihren Lobpreis an Gott, das Magnifikat, aussprach, offenbarte Sie, wie sehr Gott an Ihr Seine Wunder vollzogen hatte und wie sehr die Menschheit aller Jahrhunderte Sie deswegen verherrlichen wird. Gott hat Maria unendlich hoch über das gewöhnliche Menschsein erhoben. In allen Göttlichen Mysterien hat Gott Maria zu einer Schlüsselrolle berufen. Sie ist als Einzige frei von der Erbsünde empfangen, Sie hat die Menschwerdung Jesu Christi und dadurch auch die Erlösung möglich gemacht, Sie hat durch Ihre Rolle als Mittlerin aller Gnaden und als Fürsprecherin einen beträchtlichen Anteil an der praktischen Ausführung von Gottes Barmherzigkeit, Sie besitzt eine unübertroffene Macht, die Ausübung der Göttlichen Gerechtigkeit abzubremsen, usw. Der ultimative Beweis für Marias Größe und Macht liegt, wie mir offenbart wurde, im System, das Gott rund um die vollkommene, bedingungslose und ewig dauernde Weihe des Menschen an Maria aufgebaut hat.

Gott hat es so verfügt, dass Maria die Brücke zwischen Himmel und Erden sein soll. Sie wird dieser Eigenschaft in vielerlei Hinsicht gerecht. In Gottes Vorsehung der Weihe an Maria liegt ohne jeden Zweifel der goldene Schlüssel zum ewigen Heil. Ich erinnere Sie daran, dass vollkommene Weihe an Maria der Akt ist, durch den Sie Ihr ganzes Wesen (Seele, Geist, Herz und Körper), alle Ihre Handlungen, Worte, Gedanken, Gefühle, Wünsche und Bestrebungen, jede Einzelheit Ihres ganzen Lebens und alles, was mit Ihnen zu tun hat, einschließlich Ihrer Beziehungen, Begegnungen und Ihres Besitzes an Maria verschenken, damit Sie im absolutesten Sinne, ohne jegliche Einschränkung, darüber verfügen und herrschen kann.

Es ist eine unermessliche Verfügung von Gottes Güte und Liebe, die dieses System als eine Möglichkeit vorgesehen hat, die Erfüllung von Gottes Heilsplan für ewig dauernden Frieden und Liebe auf der Welt zu beschleunigen. Gottes Heilsplan hat als letztendliche Zielsetzung: die Gründung von Gottes Reich auf Erden für eine Welt von Glück und Frieden und das endgültige Ende allen Elends, aller Leiden und von allem Bösen. Alles Leid, das die Menschheit trifft, trägt die Kraft in sich, die Menschheit aus der Macht des Bösen zu befreien. Leiden, Bürden, Krankheit, Qual und Schmerz enthalten den Schlüssel zur Vernichtung von demjenigen, was diesem Leid zugrunde liegt: der Sünde.

Um diese Kraft zur Wirkung zu bringen, muss dieses Leid geweiht (aufgeopfert und in Liebe angenommen) werden. Alles, was nicht geweiht wird, geht für Gottes Heilsplan für die Menschheit verloren (ich verweise diesbezüglich auf die Erläuterung in der Sturmschrift 59). Sie können dies alles selbstverständlich unmittelbar Gott geben, aber Gott bevorzugt es, dass Sie es über Maria tun, weil Sie bei Ihm die Menschheit vertritt und Sie aufgrund Ihrer vollkommenen Heiligkeit die Opfergabe von allem, was Sie weihen, unermesslich verstärken kann. Marias Macht bei Gott ist so groß, dass alles, was aus Ihren Händen und Ihrem Mund kommt, in Gottes Augen wie Gold ist. Weshalb? Weil Maria niemals versagt hat und Sie immer unermesslich viel reiner gewesen ist als alles, was mit Ihr in Berührung kam. Maria war die einzige Menschenseele, welche die Fülle der Gottheit Jesu Christi in Sich empfangen und tragen konnte, weil Ihre Heiligkeit vollendet war. So ist Sie auch die Einzige, die alles Menschliche auf vollkommene Weise mit dem Göttlichen verbinden kann, so dass es einen absoluten und ewig dauernden Wert bekommt.

Worin liegt nun das tiefste Wesen der vollkommenen Weihe an Maria?

Was Marias Größe für den Menschen unschätzbar macht, ist die Macht, die Sie über den Menschen aufgrund Ihrer Fähigkeit besitzt, der ewigen Bestimmung der Seele eine vollkommen andere Richtung zu geben. Was bestimmt die ewige Bestimmung, das Heil, der Menschenseele? Der Stand der Gnade, in dem sich diese Seele befindet. Dieser wird durch das Maß bestimmt, in dem sie in Sündhaftigkeit oder aber in Heiligkeit lebt. Maria ist aber von Gott mit der Fähigkeit ausgestattet, ein goldenes Tor des Heils für die Seele zu sein, die aufgrund der Sünde keine Aussicht auf die ewige Glückseligkeit haben wird, und die ewige Glückseligkeit für die Seele zu beschleunigen, die diese aufgrund der Spuren der Sünde erst nach einer längeren Zeit der Gutmachung im Fegefeuer verdienen würde.

Es werden Unmengen von Sünden begangen. Milliarden von Menschen in der ganzen Welt versündigen sich täglich, viele von ihnen sogar hunderte Male am Tag. Dies bedeutet, dass die Sündenbürde eines einzigen Tages auf der ganzen Welt von keinem Menschen abgeschätzt werden kann. Seit dem Kreuzestod Jesu Christi sind fast zweitausend Jahre, also mehr als siebenhunderttausend Tage verstrichen. Bedenken wir somit kurz, welche Gräuel an Sünden die Menschenseelen zusammen bereits hervorgebracht haben, seit Jesus die verheerenden Folgen der Sünde für jene Seelen zunichtegemacht hat, welche diese Himmlische Frucht durch ihren guten Willen in sich zur Reifung kommen lassen.

Alle Sünden schaffen zusammen eine Schuld gegenüber der Göttlichen Gerechtigkeit (dem System, gemäß welchem Gott als ewiger Richter über den letztendlichen Wert aller Taten, Worte, Gedanken, Wünsche und Versäumnisse des ganzen Lebens eines jeden Menschen urteilt). Diese Schuld muss ausgeglichen werden, und das kann nur durch Weihe von allem Negativen geschehen, das Ihnen widerfährt (Prüfungen, Leiden, Lasten, Krankheit, Qualen, Schmerzen). Negative Dinge zerstören viele Leben. Das wäre niemals der Fall, wenn sie geweiht würden. Die goldene Regel lautet: die Prüfung, Last, Qual usw. erdulden, sie als ein Geschenk Gottes betrachten, das viel Heil in Ihre Seele und in andere Seelen gießen kann, sie daher mit Liebe annehmen und aus der Tiefe Ihres Herzens zu Maria sagen: "Himmlische Mutter, ich ertrage dieses Leid für Dich und lege es in Deine Hände zur Wiedergutmachung an Gottes Gerechtigkeit für das Heil der Seelen und das Kommen von Gottes Reich auf Erden".

Dies ist ein Akt wahrer Weihe, ein tatsächliches Opfer an Gott durch Maria. Wiederholen Sie dies bei allem, was Sie als unangenehm empfinden, so dass Weihe Ihre zweite Natur wird. Je schlimmer die Dinge sind, die Ihnen widerfahren (oder je mehr Sie diese als schlimm empfinden), umso schwerer wiegt die Opfergabe, die Sie daraus machen können, oder anders gesagt: umso größer ist die Summe, die Sie in die Schatztruhe des Heils ausschütten, die Schatzkiste, in der alle Gutmachungen gesammelt werden, woraus Maria als die Mittlerin aller Gnaden schöpft, um Dinge auf Erden zu ändern: einen Sünder bekehren, eine Krankheit heilen, einem Obdachlosen Unterkunft erwirken und letztendlich die Herzen für das große Licht bereitmachen, das sie dazu anregen soll, das Reich Gottes auf Erden gründen zu helfen. Dies ist es, worauf Gott wartet: Opfergaben, welche die Schuld der Menschheit gegenüber Seiner Gerechtigkeit (dem Gesetz der Liebe) wiedergutmachen helfen. Aus diesem Grund werden negative Dinge nicht immer aufgrund von Gebet unmittelbar weggenommen: Es sind zu viele Aufopferungen notwendig. Diese Aufopferungen werden allerdings nur dadurch vor Gott gebracht (oder in die Schatztruhe der Gnaden ausgeschüttet), dass sie Maria geweiht werden.

Um was geht es bei der Weihe wirklich?

Das Wesen, der Kern der vollkommenen, bedingungslosen und ewig währenden Weihe an Maria ist das Abtreten Ihres freien Willens, denn es ist Ihr freier Wille, der die Saat der Sünde in sich trägt. Gott hat dem Menschen einen freien Willen gegeben und respektiert diesen jederzeit. Aufgrund des falschen Gebrauchs dieses freien Willens, d.h. aufgrund eines Gebrauchs desselben, der nicht im Einklang mit Gottes Erwartungen ist, wird jede Sünde begangen und entsteht alles Elend auf dieser Welt. Nicht Gott hat Schuld an dem Elend der Welt, sondern einzig und allein der Mensch, der sich durch einen unheiligen Gebrauch seines freien Willens versündigt: Bei unzähligen Gelegenheiten gebraucht der Mensch seinen freien Willen dazu, falsche Dinge zu tun und diesen nachzustreben.

Gott schreitet nicht ein, weil Er in Seiner grenzenlosen Liebe davon ausgeht, dass der Mensch diese Dinge tut, weil Er an Gottes Liebe nicht interessiert ist. Sollte jeder falsche Gebrauch des menschlichen Willens gleich berichtigt werden, so hätte der Mensch keinen einzigen Verdienst von Heiligung, denn dann würde alles Gute, das er tut, nur deswegen vollbracht werden, weil Gott es ihm ausdrücklich vorschreibt. Ihr freier Wille ist ein Instrument, das zur gleichen Zeit sehr verwundbar ist und ganz schlimm verwunden kann. Dies bedeutet, dass Ihr freier Wille Sie dadurch leicht zum Untergang führen kann, dass er durch alles, was weltlich und heillos ist, sehr beeinflussbar ist und sowohl in Ihrer eigenen Seele als auch in den Seelen Ihrer Mitmenschen viel Schaden anrichten kann. Dies kommt dadurch, dass der Mensch für viele gute Dinge blind ist und schneller die Dinge der Welt sieht und ihnen folgt als den Dingen des Himmels.

Dies alles ist jedoch nicht aussichtslos, dadurch dass Ihnen durch die vollkommene Weihe Ihrer selbst die Möglichkeit geboten wird, Ihren freien Willen, diesen Brutherd von Sünde, an Maria zu verschenken und Sie zu bitten, Sie möge diesen gegen den Willen von Gott Selbst austauschen. Dies geschieht, sobald Sie Ihr durch Ihren Akt der Weihe und durch die Beweise Ihrer Bereitschaft und Ihres Sehnens danach, strikt nach den Regeln und Versprechen Ihrer Weihe zu leben, zeigen, dass Sie Ihr ganzes Wesen und Ihr ganzes Leben Ihr vollkommen ausliefern und dass Maria ungehindert in Ihnen herrschen kann.

Sobald Maria im wahrsten Sinne des Wortes Ihre Herrin geworden ist, wird da nur ein einziger zum Sklaven: Ihr freier Wille. Sie selbst, Ihre Seele, der ewige Kern Ihres Wesens, gewinnt unter Marias Regierung die vollkommene und absolute Freiheit, denn Sie macht Sie frei von allem, was Sie zum Sklaven der Sünde macht. Vollkommene Weihe an Maria, die tatsächlich in allen Einzelheiten Ihres Lebens gelebt wird, ist die ausschlaggebende Waffe gegen alle Versuchung und der königliche Weg zur Heiligkeit.

Damit sie die von Gott beabsichtigte Wirkung bekommt, muss Weihe an Maria wirklich gelebt werden. Das Aussprechen eines Aktes der Weihe hat an sich nur den Wert einer Einladung an Maria in Ihr Herz und des Ausrichtens Ihres eigenen Herzens und Geistes auf die Zielsetzungen, die Sie bezwecken. Um diese Zielsetzungen wirklich zu erreichen, müssen Sie ab diesem Augenblick beharrlich und unentwegt an sich selbst arbeiten. Vollkommene und bedingungslose Weihe an die Allerheiligste Jungfrau ist ein Weg von Heiligung und daher zugleich ein Weg ununterbrochenen Krieges gegen sich selbst. Die Heiligkeit wird nur durch eine nahezu endlose Reihe von Überwindungen Ihrer eigenen Schwächen erreicht.

Eine Schwachheit ist jede Gewohnheit oder Neigung in sich, die über Ihr Verhalten, Denken, Fühlen oder Wünschen Macht ausübt. Sie ist eine festgefahrene Weise des Reagierens, die Ihr Verhalten, Fühlen oder Wünschen derart beherrscht, dass Sie wenig Widerstand dagegen aufbringen können. Sie könnten eine Schwachheit somit als eine 'Öffnung' in Ihrer Abwehrlinie gegen Versuchungen betrachten, gegen Angriffe und Listen, wodurch Satan versucht, Ihr Verhalten in eine Richtung zu manövrieren, die Sie von Gottes Wegen wegführt.

Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihre eigenen Schwächen kennenlernen und sich ihrer bewusst werden. Sie können diese niemals besiegen, wenn Sie ihre Existenz nicht sich selbst gegenüber zugeben. Eine Schwäche kann 'angeboren' sein (gleichsam eine vererbte Neigung) oder erworben, angelernt und so im Laufe Ihres Lebens entstanden sein. Sobald Sie sie kennen, kennen Sie mithin die Punkte, an denen Sie in sich selbst arbeiten müssen, um den Weg zur wahren Heiligung hinaufzusteigen.

Es ist von größter Wichtigkeit, dass Sie diesen ganzen Vorgang an Selbstentdeckung, Selbstbewusstsein, Selbsterkenntnis und Arbeiten an sich selbst täglich ausdrücklich Maria weihen: Sie bitten Maria, Sie möge Sie mit Ihren eigenen Tugenden, Ihrer Persönlichkeit, Ihren vollkommenen Eigenschaften befruchten, Sie mit den Gaben des Heiligen Geistes beseelen, und Ihnen Engel zur Verfügung stellen, um Ihr hartes Arbeiten an sich selbst gegen das Dynamit zu beschützen, das Satan bei jeder Gelegenheit, die er bekommt, versucht darunterzulegen, vor allem in Augenblicken, in denen Sie müde, enttäuscht, verbittert, betrübt, niedergeschlagen oder krank sind.

Es ist gut möglich, dass sich herausstellt, dass Sie nicht dazu imstande sind, Ihre eigenen Schwächen zu überwinden. Dies kommt dadurch, dass Schwächen unaufhörlich durch Ihre Bedürfnisse genährt werden. Jeder Wunsch, der von Ihnen als ein großes Bedürfnis empfunden wird, kann eine Schwäche entstehen lassen. Sie sehnen sich derart danach, dass Sie das Gefühl bekommen, es nicht entbehren zu können. Dadurch erhält dieses Sehnen Macht über Sie, Sie werden Sklave dieses Sehnens.

Ein Kernelement Ihrer Weihe muss somit daraus bestehen, dass Sie täglich um Kraft zur Beherrschung Ihrer Bedürfnisse beten. Letztendlich läuft dies auf Gebet um Vergeistigung hinaus: immer mehr von all demjenigen loskommen, was Sie an die Welt bindet. Aus eigener Kraft ist dies sehr schwer, aber in dem Maße, wie Maria Ihr Wesen mehr beherrscht, wird Sie Selbst in Ihnen diesen Kampf führen. Nichts kann Marias Macht widerstehen, aber die Grundregel lautet auch hier: Ihrem eigenen freien Willen muss das Schweigen auferlegt werden, sonst kann Maria Ihre alles besiegende Macht in Ihnen nicht uneingeschränkt entfalten. Sobald Sie dies tun kann, liegt der Weg zur wahren Heiligkeit für Sie offen.

Der größte Nachweis für den Fortschritt Ihrer Weihe an Maria ist jener, bei dem Sie sich als letztendliche Zielsetzung Ihres Lebens danach sehnen und es anstreben, am Tag Ihres Lebensgerichts hören zu dürfen, wie Gott Maria um das preist, was Sie aus Ihnen gemacht hat. Lassen Sie Sie alles mit Ihnen machen, was Sie will und wie Sie es will, unterziehen Sie sich Ihrem Wirken in Ihnen ohne irgendeinen Widerstand, in der demütigsten Dankbarkeit und mit unendlicher Liebe, und am Tag Ihres Gerichts werden Sie Sie selig preisen, weil Sie Ihren freien Willen zu Ihrem (d.h. Marias) Gefangenen gemacht hat.

In Voluntate Dei, Myriam


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STURMSCHRIFTEN – 66. Teil

IHR SEID MEHR WERT ALS EINE HANDVOLL SPATZEN

Offenbarungen über den unendlichen Wert der Seele

Myriam van Nazareth

In der Sturmschrift 47 habe ich nachweisen dürfen, wie unendlich wertvoll die Seele in Gottes Augen ist. In diesen neuen Offenbarungen verweist die Königin des Himmels auf die Gründe dafür.

Jesus verwies darauf im Gleichnis über den Hirten der Himmel und Erde in Bewegung setzte, um ein einziges verirrtes Schaf zu suchen und zum Stall zurückzubringen, und wiederholt ließ Er erkennen, dass Gott keine einzige Seele vernachlässigt, sondern ständig mit jeder von ihnen beschäftigt ist. Keine Anstrengung ist Jesus zu viel, um eine einzige Seele für das Ewige Leben zu gewinnen. Für Ihre Seele allein schon würde Er Sein Leiden ohne Zögern neu beginnen. Warum? Mir sind, auβer der grenzenlosen Liebe Gottes für die Seelen, drei Gründe offenbart worden, wieso der Wert einer einzigen Menschenseele für Gott unendlich und unschätzbar ist:

1. Weil Gott einen Teil von Sich Selbst in jeder Menschenseele, die Er erschafft, reproduziert. Jedes kleine Element der Gottheit trägt in sich die Fülle der Gottheit (genau so, wie zum Beispiel auch jedes winzig kleine Partikelchen der konsekrierten Heiligen Hostie die Fülle der Gottheit beinhaltet). Aus diesem Grund ist jede Menschenseele Trägerin der Gottheit. Die Seele enthält Gott, sie ist nicht Gott, weil die Gottheit in ihr niemals völlig zur Entwicklung kommt.

Dies lieβe sich mit Wasser aus einer Quelle vergleichen: Das Wasser kommt aus der Quelle hervor und trägt in sich eine Anzahl von Eigenschaften, die mit der Beschaffenheit und dem Zustand der Quelle in Zusammenhang stehen, aber das Wasser ist niemals die Quelle selbst. So kommt auch die Menschenseele aus Gott hervor und trägt in ihrem Wesen eine Anzahl Seiner Eigenschaften, aber sie ist niemals Gott Selbst. Das Maß, in dem die Seele sich der Gottheit und Seinen Eigenschaften nähert, wird von dem Maß bestimmt, in dem sie die heilige Saat in sich zur Entwicklung zu bringen weiß. Die Göttliche Saat ist zugegen, aber die Heiligkeit des Gartens, der Ihre Seele ist, wird durch das Maß bestimmt, in dem diese Saat zu Blumen (= Leben in Tugend und Heiligkeit) ausreift, und im Übrigen durch die Qualität und Lebensdauer dieser Blumen (= Beharrlichkeit in der Tugend).

Dazu ist es notwendig, dass die Göttliche Saat in Wechselwirkung tritt mit dem Boden der Seele (d. h. mit den Talenten und Gaben, die sie mitbekommen hat), mit dem Wasser der Gnaden, mit den Strahlen des Göttlichen Lichts (d. h. mit den Inspirationen und mit der Führung des Heiligen Geistes) und mit dem unfehlbaren Pflug, um den Boden zu bearbeiten (d. h. mit der Heiligen Jungfrau, wenn sich die Seele Ihr vollkommen weiht und sich Ihr ohne jegliche Hemmung ausliefert).

Gott reproduziert Sich Selbst in jeder Menschenseele wie die Kopie eines Bildes. Diese Kopie muss allerdings entwickelt werden, um ein feststellbar ähnliches Bild zu bekommen. Trotzdem liegt der Wert einer jeden Seele für Gott bereits in der einfachen Tatsache, dass sie Sein Material in sich trägt. Als Werk von Gottes Händen, als Krone der Schöpfung bestimmt, trägt die Menschenseele eine Anzahl der wertvollsten Schätze Gottes. Aus diesem Grund ist ihr Preis unbezahlbar, sogar in ihrem 'unbearbeiteten', unentwickelten Zustand. Halten Sie sich dies in Ihrem Umgang mit Ihrem Mitmenschen vor Augen: Wie sündhaft oder schwach er auch sein mag, seine Seele trägt in sich Edelsteine aus der Schatzkammer von Gott Selbst, auch wenn Sie diese nicht sehen und sie unter dem Staub der Welt oder dem Schlamm der Sünde begraben sind.

2. Weil die Seele für das ewige Leben erschaffen worden ist: Sie stirbt niemals im wirklichen Sinne, so wie ein Körper stirbt. Dadurch übt jede Menschenseele einen zeitlosen Einfluss auf den Stand des Heils der ganzen Schöpfung in allen Jahrhunderten aus. Die Schöpfung jeder Menschenseele ist eine Äußerung von Gottes Willen. Dadurch ist die Seele mit der Kraft geladen, die aus dieser Göttlichen Willensentscheidung strömt: mit der Liebe. Das Wesen des Lebens ist ein Göttliches Mysterium, der letztendliche Motor des Lebens allerdings ist die Liebe, welche die eigentliche Lebensenergie bildet.

Der Göttliche Wille und die Liebe besitzen beide eine absolute Heiligkeit, die eine vollkommene und ewig dauernde Wirkung entfalten: Durch ein Göttliches Mysterium wirken sie gleichzeitig in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, im Unendlichen, und vollkommen von der Zeit losgelöst, so wie wir diese als Mensch kennen. Aufgrund dieses vollkommenen und ununterbrochenen Einflusses jeder Seele auf den vollständigen Heilsplan Gottes ist der Wert jeder Seele für Gott unbegrenzt.

Genauso wie für den obengenannten ersten Grund gilt auch hier, dass Gott die Seele als unendlich kostbar betrachtet wegen der Tatsache, dass sie in sich die Möglichkeit trägt, ein zeitloses, ewig dauerndes Wirken zu entfalten. In Wirklichkeit entfaltet sich diese Wirkung nur dann uneingeschränkt, wenn Sie Ihr ganzes Leben und alle Ihre Werke bis in die kleinsten Einzelheiten der Heiligen Jungfrau weihen. Durch ein Göttliches Mysterium besitzt Sie die Macht und die Fähigkeit, sämtliche Handlungen, Worte, Gedanken und Gefühle der Seele mit Ihren eigenen zeitlosen Handlungen, Worten, Gedanken und Gefühlen zu verbinden, so dass auch jene der Seele in allen Jahrhunderten weiterwirken und mit der Macht der wahren Heiligkeit bekleidet werden.

Aufgrund dieses Mysteriums wird es möglich, zum Beispiel in diesem Augenblick Wiedergutmachung zu leisten für Sakrilegien, die vor vielen Jahrhunderten begangen worden sind oder die in der Zukunft begangen werden sollen. Durch vollkommene, bedingungslose und ewig dauernde Weihe Ihres ganzen Wesens und Ihres ganzen Lebens an Maria kommt alles, was von Ihrer Seele ausgeht, zur vollen Blüte im endlosen, ewigen Strom von Verdiensten und Gnaden, welche durch alle Jahrhunderte hindurch von allen Seelen zusammen angesammelt worden sind, heute angesammelt werden und künftighin angesammelt werden sollen, in Verbindung mit den allerheiligsten Opfern Jesu und Mariä.

3. Weil jede Menschenseele Trägerin ganz bestimmter Gnaden ist. Wenn eine Seele durch ein Übermaß an Sünde immer weniger für das wahre Leben in Gott lebensfähig ist, sterben diese Gnaden gleichsam zusammen mit dieser Seele: Sie werfen keinen Gewinn mehr ab. Gnaden sind allerdings Gaben, die aus der Schatzkammer Gottes geschenkt werden, die gleichsam jedes Mal aufs Neue 'nachgefüllt' werden muss, damit der Stand des Heils der Schöpfung als Ganze im Gleichgewicht bleibt. Dieser Ausgleich erfolgt schon, wenn eine Seele eine Gnade richtig und gemäβ Gottes Plänen benutzt: Sie heiligt sich und bringt dadurch größere Verdienste hervor, die den Stand des Heils der ganzen Menschheit verbessern.

Wenn eine Seele die erhaltenen Gnaden nicht benutzt oder diese missbraucht, vermindert sie den Stand des Heils der Menschheit als Ganze. Für die geschenkten Gnaden kommt nichts an deren Stelle, ganz im Gegenteil. Eine 'sterbende' Seele plündert somit gleichsam die Schatzkammern von Gottes Gnaden aus. Aus diesem Grund ist es für Gott von größter Wichtigkeit, dass jede Seele im Stand der Gnade bleibt, und Er scheut keine Anstrengung, auch nur eine einzige Seele vor dem Verderben zu retten.

Gott greift nicht in Ihren freien Willen ein, sondern geht bis zum Äußersten, damit Ihre Seele auf dem Weg des Heils bleibt. Er tut dies durch Inspirationen (von denen Sie die meisten nicht einmal bewusst bemerken, weil Ihr Herz zu sehr in die Dinge der Welt vertieft ist), durch das Wirken Seiner Vorsehung, durch Beeinflussung Ihres Lebens und Ihrer Handlungen durch andere Seelen, usw. Wenn Ihre Seele ein Motor wäre, könnte man die Gnaden aus Gottes Hand als Benzin betrachten, durch welches es diesem Motor ermöglicht wird, gebührend zu funktionieren. Wie könnten Sie erwarten, dass Ihr Motor ständig läuft, wenn Sie das Benzin wegwerfen oder den Motor so falsch gebrauchen, dass er nicht mehr das gewünschte Ergebnis bringen kann? Die Tatsache, dass dieser Göttliche Kraftstoff Ihrem Motor anvertraut worden ist, macht Ihre Seele in Gottes Augen unendlich wertvoll, sogar wenn Ihre Seele diesen Kraftstoff (die Gnaden) nicht wirklich genutzt hat.

Gott sieht eine Seele anders als Menschenaugen sie sehen. Eine Seele im Stand der Heiligkeit ist das Allerschönste unter allem Erschaffenen. Sogar die Engel, die ununterbrochen Gott schauen, sind beim Anblick einer heiligen Menschenseele verzückt. Körperliche Schönheit eines Menschen ist vergänglich und nur ein ganz bestimmter Eindruck, den Ihre Augen von einer stofflichen Form mit allen ihren typischen Einzelheiten wahrnehmen. Die wahre Schönheit eines Menschen, so wie Gott diese wahrnimmt, wird durch die Verfassung der Seele bestimmt. Gott sieht Sie nicht an erster Stelle als einen Körper, sondern als eine Seele, denn Sie haben keine Seele, Sie sind eine Seele. Er sieht dabei, in welchem Maße all dasjenige, was Er in diese Seele gelegt hat, zum Blühen gebracht worden ist, mit anderen Worten: Er sieht, in welchem Maße sich die Göttlichen Samenkörner in Blumen verwandelt haben und von welcher Art diese Blumen sind.

Was macht eine Seele schön? Das Maß, in dem sie die wahre Liebe ausstrahlt. Liebe ist die Königin der Tugenden, die alles Leben 'beseelt' (Lebenskraft schenkt). Die Liebe ist wie die Sonne von Gottes Wesen. Sie strahlt ihr Licht hauptsächlich durch den Frohmut aus. Sie gibt ihre Wärme vor allen Dingen durch die Sanftmut, und ihre Strahlung tritt ungehindert in dem Maße nach außen, in dem sich die Seele im Stand der Reinheit befindet. Die Standfestigkeit der Sonne Ihrer Seele wird durch Ihren Gleichmut geregelt: Jede Launenhaftigkeit in Ihrem Gemüt ist wie eine Wolke, die sich vor die Sonne schiebt.

Ihre Sonne nährt sich durch den Gehorsam, denn die Seele empfängt nur die Göttliche Kraft, um weiterhin als eine Sonne zu strahlen in dem Maβe, wie sie im Einklang mit Gottes Willen, Seinen Werken und Plänen lebt. Die Nachhaltigkeit der Wirkung Ihrer Sonne wird durch die Demut bestimmt: Eine hochmütige Seele versucht so sehr aus eigener Kraft zu strahlen, dass sie gleichsam 'explodiert' und sehr bald erlischt. Aus allen diesen Gründen wird die Schönheit Ihrer Seele bestimmt durch das Maß Ihrer Entwicklung in der Liebe, in der Reinheit, im Frohmut, in der Sanftmut, im Gleichmut, im Gehorsam und in der Demut.

Diese Offenbarung möge Sie begreifen lassen, warum Maria, die vollkommene Herrin aller dieser Tugenden, die schönste Menschenseele aller Zeiten ist. Marias Schönheit ist atemberaubend, weil Ihr Anblick die Augen der Seele mit der absoluten Pracht der Göttlichen Sonne erfüllt, vollkommen in allen ihren Aspekten: Licht, Wärme, reine und ungehinderte Strahlung, vollkommen und in unerschöpflichem Maße durch die Kraft von Gott Selbst genährt, und nachhaltig und unvergänglich in ihrer Wirkung.

Wer Maria sieht, fühlt, dass in Ihr die Eigenschaften der Gottheit eine unvergleichliche Entwicklung erreicht haben und dass die Macht von Gott Selbst aus Ihrem ganzen Wesen strahlt. Marias Schönheit ist wie jene eines Paradieses vollendeter, duftender Blumen in allen von Gott gemachten Farben, durch welche hindurch eine Sonne strahlt, die alle Kälte und Finsternis vertreibt und die aus den Blumen alles löst, was andere Seelen heilt und in Verzückung bringt. Marias Schönheit ist bezaubernd, blendend und bringt die Seele des Betrachters in glückselige Verzückung, weil Maria alle Gaben und Gnaden aus Gottes Hand vollkommen in Sich eingebaut und genutzt hat, und alle Göttlichen Samenkörner in einer solchen Vollkommenheit in Ihrer Seele zu den schönsten Blumen hat ausreifen lassen, dass Sie auf die betrachtende Seele wie die vollendete Schönheit von Gott Selbst wirkt.

In der Schöpfung strahlen zwei vollkommene Lichter: der Dreifaltige Gott als die Sonne allen Lebens und Maria als der Mond, der auf vollkommene Weise das Göttliche Licht widerspiegelt (so wie der Mond das Sonnenlicht widerspiegelt). Der Anblick Mariä in der mystischen Betrachtung oder Erscheinung ist der Anblick, nach dem Sich Gott sehnt, wenn Er auf Ihre Seele schaut.

Maria muss Ihr Vorbild sein, denn Sie ist die vollkommenste Menschenseele und die Seele, welche auf die vollkommenste Weise Gottes Wünsche und Pläne eingelöst hat. Mit anderen Worten: Sie ist die Seele, die auf die vollkommenste Weise alle Göttlichen Elemente in Sich zur äußersten Reifung gebracht hat und dadurch so stark Gott ähnlich geworden ist, wie es für eine Menschenseele überhaupt möglich ist. In diesem Sinn müssen Sie es verstehen wenn gesagt wird, Maria ist 'vergöttlicht'. Dies ist der Grund, warum Sie unendlich weit über alle Seelen erhaben ist.

Wie können Sie die Schönheit Ihrer eigenen Seele vergrößern?

Dadurch, dass Sie die Göttliche Saat, welche die Grundlage des unendlichen Wertes der Seele bildet, in sich zur Blüte kommen lassen. Welche Mittel stehen Ihnen dazu zur Verfügung? Die Antwort verbirgt sich in den nachfolgend beschriebenen drei Elementen, welche die Seele in Gottes Augen unendlich wertvoll machen:

1. Gott reproduziert in jeder Seele einen Teil von Sich Selbst. Sie können die Fülle dieses unschätzbaren Geschenkes dadurch nutzen, dass Sie die Heiligung und eine wahre Nahrung für Ihre Seele anstreben. Heiligung ist der Vorgang, durch den Ihre Seele zu Gott hin wächst, indem sie in allen Tugenden stark wird und sich vollkommen reinigen lässt. Ihre Seele nähren, erfolgt dadurch, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Dinge richten, die Ihre Seele lehren, an Heiligkeit und an Wissen von Gottes Wahrheit zu wachsen, zum Beispiel durch häufige hochwertige geistige Lektüre.

2. Gott befähigt die Seele dazu, Werke zu vollbringen, die eine ewig dauernde Wirkung erhalten. Dieses Geschenk wird nur durch vollkommene Weihe an Maria voll genutzt. Nur durch vollkommene Weihe Ihres ganzen Lebens und durch die beharrliche tägliche Anwendung dieser Weihe geht nichts verloren und verwandeln sich alle Ihre Bürden in Gold für Gottes Heilsplan.

3. Gott schenkt Ihnen unaufhörlich Gnaden. Sie können diese vollkommen nutzen durch tiefgreifende Selbstprüfung um Ihre wahre Berufung zu entdecken, und dadurch, dass Sie ein Höchstmaβ an Verdiensten für Gottes Heilsplan erstreben. Sobald Sie Ihre wahre Berufung im Leben gefunden haben, können Sie die erhaltenen Gnaden ihren vollen Nutzen einbringen lassen, Gott in Ihrem ganzen Tun und Lassen verherrlichen und Ihre Seele optimal entfalten.

Jede Menschenseele hat für Gott einen unschätzbaren Wert. Ziehen Sie daraus die richtige Lehre: dass Sie mit Ihrem Mitmenschen wie mit einem Kristall umgehen sollen, der faszinierend schön sein kann, wenn er sich ganz von seiner besten Seite zeigen kann, aber auch zerbrechlich ist. Behandeln Sie die Seelen mit Sanftmut (denn sie sind zerbrechlich), mit Respekt (denn sie tragen Elemente der Gottheit in sich) und scheuen Sie weder Opfer noch Anstrengungen, um eine Seele zu retten, denn dadurch tragen Sie dazu bei, dass die Göttlichen Eigenschaften in ihrem vollen Wert glänzen können, zur Verherrlichung von Demjenigen, der die Seelen macht.

In voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN - 71. Teil

DEINE SÜNDEN SIND DIR VERGEBEN

Offenbarungen über den Erlass von Strafen und das Ewige Heil

Myriam van Nazareth

Bei Seiner ersten Erscheinung bei den Aposteln nach Seiner Auferstehung setzte Jesus das Sakrament der Versöhnung ein mit den Worten: "Welchen ihr die Sünden nachlasst, denen sind sie nachgelassen, und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten". Gott versöhnt Sich mit der reumütigen Seele, wenn diese nach der Sünde in einer individuellen Beichte dem Priester gegenüber ihren Fehltritt bekennt.

Die Vergebung von Sünden ist eine große Äußerung von Gottes Allmacht. Niemand kann Sünden vergeben auβer Gott Selbst, und Er tut dies durch Vermittlung Seines Priesters, der bei der Spendung der Sakramente als wahrnehmbarer Stellvertreter Gottes auftritt. Wenn der Priester zum Abschluss der Beichte den Beichtling von seinen Sünden freispricht, vollzieht sich in jenem Augenblick das erste Entgegenkommen seitens der Barmherzigkeit Gottes zur Gutmachung der Schuld, die der Sünder dadurch der Göttlichen Gerechtigkeit gegenüber auf sich gezogen hat, dass er gegen Gottes Gesetz verstoßen hat.

Jede Sünde verringert den Stand der Gnade der ganzen Menschheit und erschwert dadurch die Strömung der Liebe durch die ganze Schöpfung hindurch. Indem Er Ihnen Vergebung schenkt, nimmt Gott 'nur so' einen Teil Ihrer persönlichen Schuld gegenüber Seiner Gerechtigkeit weg. Dies ist nicht selbstverständlich, denn es ist ein Grundgesetz der Schöpfung, dass die Menschheit selbst gutmachen soll, was sie der Schöpfung nimmt. Tatsächlich, jede Sünde muss als Diebstahl zum Nachteil der Schöpfung betrachtet werden, denn die Sünde raubt auch dem Mitmenschen und anderen Geschöpfen die Fülle der Gnade. Wenn Gott Ihnen eine Sünde vergibt, heiβt dies, dass Er durch das Eingreifen Seiner Barmherzigkeit Selbst dieses Hindernis im Strom der Gnade wegräumt. Seien Sie sich jedes Mal, wenn Sie beichten, dessen bewusst, denn die Absolution zum Abschluss der Beichte ist ein Wunder, das den Himmel bewegt.

Das Sakrament der Beichte bietet Ihnen Vergebung der Sünden, aber damit endet es nicht. Gottes Gerechtigkeit würde nicht auf vollkommener Rechtfertigkeit beruhen, wenn dies doch so wäre. Die Vergebung nimmt nicht Ihre ganze Schuld gegenüber der Gerechtigkeit weg. Die Vergebung schafft für Sie eine moralische Verpflichtung zur Gutmachung. Wenn nicht, so würden Sie keinen einzigen Verdienst erwerben und würde jede Absolution letztendlich eine negative Bilanz schaffen: Der Sünder würde auβer seiner Reumütigkeit (die bis zu einem gewissen Grad die Verletzung der Liebe zu Gott gutmacht), keinen Beitrag zum Wiederherstellen des Ungleichgewichts der Schöpfung leisten, das er durch seine Sünde hervorgerufen hat. Welches Recht auf Lohn im ewigen Leben hätten wir, wenn wir nur dank Gottes Barmherzigkeit von Schulden befreit würden?

Betrachten Sie Folgendes: Durch jede Sünde fügen Sie Ihrer Seele eine Wunde zu. Durch die Vergebung nach der Beichte wird diese Wunde gesalbt und verbunden, allerdings bleibt sie noch bestehen und lässt auch nach Wiederherstellung gleichsam eine Narbe zurück. Außerdem fügen Sie durch jede Sünde auch der Schöpfung außerhalb Ihrer Seele einen gewissen Schaden zu: sei es Ihrem Mitmenschen, sei es zumindest dem Strom der Göttlichen Liebe, die alle Elemente in der Schöpfung untereinander wie ein vollkommenes Netzwerk Göttlicher Lebenskraft verbindet. Dieser Schaden muss wieder gutgemacht werden. Dies kann nur durch Handlungen, Worte, Gedanken und Gefühle wahrer Liebe erfolgen: eine gutmachende Tat der Nächstenliebe, aufrichtige, ermutigende und liebevolle Worte für Ihren Mitmenschen, inbrünstiges Gebet, Buße, Aufopferungen, Taten der Wiedergutmachung. Dies alles bildet einen Ausgleich für den Schaden, den Ihre Sünde dem Gleichgewicht der Schöpfung dadurch zugefügt hat, dass es hilft, die Störung des Liebesstroms zu beheben.

Ohne Vergebung der Sünden gäbe es kein ewiges Heil. Das Tor zum ewigen Heil war für den Menschen durch die Erbsünde geschlossen, ist aber durch das Erlösende Leiden und den Kreuzestod Jesu aufs Neue zugänglich geworden. Aus dem Blut der Wunden Christi und aus dem Wasser, das aus Seinem Herzen floss, nachdem dies auf Kalvaria von einer römischen Lanze durchstochen worden war, ist die Quelle der Vergebung der Sünde hervorgegangen.

Um die Früchte der Erlösung zu pflücken, muss die Seele die vollkommene Nachfolge Christi durch ein Leben gemäβ Gottes Gesetz erstreben. Dies bedeutet das Fliehen vor jeglicher Versuchung und jedem Anlass zur Sünde. Gott kennt die menschliche Natur und ihre Schwächen. Aus diesem Grunde ist für den reumütigen Sünder das Entgegenkommen von Gottes Barmherzigkeit in der Vergebung nach der Beichte vorgesehen. So kann man sagen, dass der Weg aus der Sünde zum ewigen Heil über eine Treppe führt, die sich aus fünf Stufen zusammensetzt, deren Namen jedes Mal mit dem Buchstaben 'B' beginnt:

Bewusstwerdung – Bereuen – Beichte – Buße – Befreiung

Beim Besteigen dieser Treppe erfährt die Seele eine ständige Ausgießung von Gnaden seitens der Barmherzigkeit Gottes, wobei eine ununterbrochene Wechselwirkung zwischen Gott (Einwirkungen und Gaben des Heiligen Geistes) und der Seele (Streben nach Einförmigkeit mit Christus) stattfindet. In dem Maße, wie die Seele die Stufen besteigt, gewinnt die Kraft der Gnade in ihr Boden und wird ein immer größerer Teil der Strafe erlassen, die aufgrund des unentrinnbaren Gesetzes von Gottes Gerechtigkeit mit der begangenen Sünde verbunden ist. Sobald die Strafe vollständig aufgehoben ist, hat die betreffende Sünde keine Auswirkung mehr und bildet nicht länger ein Hindernis, das Tor des ewigen Heils zu öffnen. Der Erlass der Strafe ist erst auf der fünften Stufe vollkommen: auf der Stufe der Befreiung. So wird deutlich, weshalb die Vergebung in der Beichte (der dritten Stufe) nicht das Ende ist und die Seele nach dem Beichten einer Sünde noch eine läuternde Leistung erbringen muss, bevor die Göttliche Gerechtigkeit vollkommen befriedigt ist.

Die Läuterung bekommt ihre größte Wirkung auf der vierten Stufe: der Stufe des Bußetuns, wobei die Nachwirkung der Sünde durch Befriedigung des Gesetzes der Liebe gutgemacht wird. Gott hat es so verfügt, dass Sie für jede Sünde Ihres Lebens diese Stufe überschreiten müssen, um gänzliche Befreiung zu erhalten, die Sie für das ewige Heil bereit macht. Gerade auf dieser Stufe können Sie einen großen Teil der Verdienste Ihres Lebens sammeln. Sollte Gott Ihnen in allem entgegenkommen, so könnten Sie bei Ihrem Lebensgericht keine Verdienste vorzeigen. Daher bringt das Erlassen von Strafen kein ewiges Heil, wenn es nicht durch Ihre eigenen Anstrengungen ergänzt wird.

In Voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN – 77. Teil

DAMIT IHR DORT SEIN WERDET, WO ICH BIN...

Offenbarungen über das Wesen der ewigen Glückseligkeit

Myriam van Nazareth

Ihre Erfahrungswelt als Mensch ist normalerweise auf die Dinge beschränkt, die Sie um sich herum mit Ihren fünf Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten) wahrnehmen. Ihre Denk- und Gefühlserfahrung wirkt hauptsächlich aufgrund der Informationen, die Sie durch Ihre Sinne in sich aufnehmen, ergänzt mit verschiedenen unsichtbaren Elementen wie Intuition, Vorahnungen, logischem Denken, Eindrücken aus Ihrer Vergangenheit, die in Ihrem Gedächtnis gespeichert sind, und den verschiedenen Formen des Denkens, die sich alle im Verborgenen Ihres Geistes abspielen.

Bei einer kleinen Minderheit der Menschen kommen noch die Informationen hinzu, welche diese Seelen durch mystische Erfahrung in sich aufnehmen und die somit unmittelbar in ihre Seele, ihr Herz, ihren Geist und ihren Körper von Gott oder von einer Intelligenz, die Gott vertritt (vor allem von der Allerheiligsten Jungfrau Maria) übertragen wird. Dennoch liegen der Ursprung und die Bestimmung der Seele nicht in der Welt, sondern im Himmel. Sie sind von Gottes Händen erschaffen worden und in Ihre Seele ist ein tiefes Sehnen danach gelegt worden, zu Gott zurückzukehren sobald Ihre Aufgabe auf dieser Welt vollbracht ist.

Sie könnten sich dies gewissermaßen dadurch vorstellen, dass Sie Gott als einen riesengroßen Magneten betrachten und Ihre Seele als einen Tempel, in dem ein wunderbares kleines Stück Metall eingebaut ist, das ständig zu diesem Magneten hingezogen wird, egal wo Sie sich auf der Welt befinden. Bedenken Sie dies wohl: Nicht Ihr Körper wird zu Gott hingezogen, sondern Ihre Seele. Dies bedeutet mithin, dass der wahre Kern Ihres Lebens und Ihrer Empfindung nicht Ihr Körper ist, sondern Ihre Seele.

Da Ihre Seele Ihr wahres Lebensprinzip ist, die Kraft, die Sie am Leben hält und Sie mit Gott in Berührung hält, ist es kurzsichtig, wenn der Mensch davon ausgeht, dass seine Lebenswelt mit demjenigen aufhört, was er mit seinen Sinnen wahrnimmt. Es ist dem Menschen nicht gegeben, es mit seinem Verstand uneingeschränkt zu begreifen, aber er besitzt schon die ihm von Gott eingegossene Fähigkeit, tief in seiner Seele zu empfinden, was sich außerhalb des Wahrnehmbaren abspielt. Dieses Letztere ist das Gebiet der Mystik. Der nichtwahrnehmbare Teil der Wirklichkeit ist unvorstellbar viel größer als der wahrnehmbare Teil. So ist dem Menschen auch wenig über das Wesen seiner Bestimmung bekannt.

Dem Christen ist bekannt, dass der Himmel seine Bestimmung ist. Jesus verhieß Seinen Aposteln, dass Er zum Himmel gehe, um ihnen dort einen Platz zu bereiten, damit auch sie dort sind, wo Er ist. Aber was kann der Mensch sich unter der ewigen Glückseligkeit vorstellen, die ihm in Aussicht gestellt wird? Wo Ihr Schatz ist, dort wird auch Ihr Herz sein. Die ewige Glückseligkeit im Himmel ist wie eine Schatzkammer, deren Geheimnisse dem Menschen nicht bekannt gemacht werden, solange er auf Erden lebt.

Maria hat mir Elemente offenbart, die einen Teil des Wesens der ewigen Glückseligkeit bilden. Möge diese Offenbarung Ihnen dabei helfen, im Kampf auf Ihrem Lebensweg motiviert zu bleiben, in Erwartung der Schätze, die über Sie ausgegossen werden sollen, wenn Sie die wahre Nachfolge Christi und die Beharrlichkeit in einem tugendhaften Leben anstreben. Bedenken Sie dabei, dass die volle Wirklichkeit des Himmels alle Beschreibungen übersteigt.

Was ist eigentlich Glückseligkeit? Was ist ihr Wesen, woraus besteht sie?

Glückseligkeit ist die Verfassung, in welcher die Seele sich in einem solchen Maße in Gott aufgenommen fühlt, dass sie alle ihre Bedürfnisse als befriedigt empfindet. Es ist ein Zustand, in dem die Seele das Gefühl hat, dass es ihr an nichts mehr mangelt. Diesen Zustand empfindet die Seele in einem unterschiedlichen Maße während der Verzückung oder der Ekstase der mystischen Erfahrung, aber der Zustand der Glückseligkeit kommt in ihrer Vollkommenheit und als ununterbrochene Erfahrung ausschließlich im Himmel vor. In der Glückseligkeit hat die Seele das Gefühl, dass der tiefste Kern ihres Wesens die vollendete Blüte erreicht hat und dass in ihr die Frucht, deren Saat Gott bei ihrer Schöpfung in sie gelegt hat, vollkommen ausgereift ist. So kann Glückseligkeit als die Fülle der Freude der Seele über das Erreichen des Seinszustandes betrachtet werden, den sie (in den meisten Fällen unbewusst) ihr ganzes Leben lang als ihre letztendliche Bestimmung empfunden hat.

Aus welchen Bausteinen setzt sich die Glückseligkeit zusammen?

Der Gefühlszustand, den wir als 'Glückseligkeit' bezeichnen, kann nicht vollkommen analysiert werden, weil er in sich die Fülle eines Herzensfriedens trägt, der während des Lebens in einem stofflichen Körper nicht vollkommen und nicht dauerhaft erfahren und ebenso wenig völlig ergründet werden kann wie Gott, dessen Gefühle im Zustand der Glückseligkeit in die Seele hinüberfließen. Zwei große Bausteine der Verfassung der Glückseligkeit können aus der mystischen Erfahrung abgeleitet werden, die der dazu berufenen Seele einen Vorgeschmack vom Leben der Seele im nichtstofflichen Zustand (also ohne einen Körper) geben kann:

1. Eine außergewöhnliche Liebe, die als eine Verschmelzung mit dem Wesen von Gott Selbst (oder von Maria) empfunden wird. Diese Empfindung weckt Gefühle, völlig verzehrt zu werden oder völlig zu verbrennen (als ob das ganze Wesen eine Kerze wäre, die in der Flamme, die Gottes versengende Liebe ist, vollkommen wegschmilzt). Diese Liebe ist so überwältigend, dass jegliche andere Wahrnehmung vollkommen ausfällt. In diesem Sinn lässt sich somit sagen, dass die Göttliche Liebe im Zustand der Glückseligkeit ein Eigenleben zu führen beginnt.

2. Eine bis ins Tiefste erlebte, vollkommene Hingabe. Die Verfassung der Glückseligkeit reißt die Mauern aller Beschränkungen nieder, welche sich die Seele im 'nüchternen', bewussten Zustand vorschreiben lässt. Die Seele in Glückseligkeit lässt sich ohne irgendeine Hemmung in das Wesen der Gottheit (oder von Maria) hinüberflieβen. Sie sehnt sich nach nichts anderem mehr als nach der vollkommenen Einswerdung mit Gott (Maria) und widmet sich der Verwirklichung dieses Sehnens mit allen Kräften, die sie in sich hat. Die Hingabe ist so vollkommen, dass die Seele inständig darum bittet, in Gott (Maria) aufgenommen und verzehrt zu werden. Sie liefert sich vollkommen und willenlos Gott (Maria) aus und will nur noch von Ihm (Ihr) beherrscht und 'gelebt' werden. Diese vollkommene Hingabe hängt ganz eng mit der Erfahrung der vollendeten Liebe zusammen. Dieser Zustand zeigt, dass die wahre Liebe und der Wille zur vollkommenen Hingabe eigentlich Verfassungen sind, die sehr tief in das Wesen der Seele gebrannt sind.

Zwölf der Quellen der ewigen Glückseligkeit im Himmel sind:

1. Die Anschauung von Gott und von Elementen Seiner unendlichen Schönheit, Vollkommenheit, Weisheit und Macht. Die Anschauung Gottes 'von Angesicht zu Angesicht' und die damit einhergehende innere Erfahrung von Elementen des Wesens der Gottheit beginnt im Augenblick des Gerichts nach Ihrem irdischen Leben. Sie wird nach jenem Gericht eingestellt für jede Seele, die entweder verdammt ist oder eine Läuterungsperiode im Fegefeuer durchmachen muss. Für die Seele, die zur ewigen Glückseligkeit zugelassen wird, setzt sich diese Anschauung und Erfahrung für die Ewigkeit fort.

In dieser Erfahrung gibt es Unterschiede, Abstufungen, je nach dem Grad der Verdienste, durch welche sich die Seele auf Erden ausgezeichnet hat. Die Seele, die sich im Stand der Gnade ihrem Gericht unterzieht, wird in den Himmel zugelassen. Dasselbe gilt für die Seele, welche die für sie notwendige Läuterung im Fegefeuer durchgemacht hat, denn sie erreicht dadurch ebenfalls den Stand der Gnade. Die Seele, die sich während ihres irdischen Lebens jedoch durch eine Heiligkeit auszeichnet, die 'über das Gewöhnliche hinaussteigt', wird höhere Grade der Anschauung der Gottheit erreichen und eine tiefere Erkenntnis vom Wesen der Gottheit bekommen.

Eins der Elemente von Glückseligkeit durch die Erfahrung bestimmter Wesensmerkmale Gottes ist jenes, wobei die Seele auf ungehinderte Weise Bekanntschaft mit dem wahren Wesen der Göttlichen Gerechtigkeit machen darf und dadurch im Himmel die Vollkommenheit Gottes zu verstehen beginnt, indem sie feststellt, wie sehr alle guten Dinge, sogar die scheinbar unbedeutendsten, welche sie als Mensch auf Erden verwirklicht hat, von Gott berücksichtigt worden sind, um ihr ihre ewige Belohnung zu bereiten, und wie sehr alle Ungerechtigkeit, die ihr als Mensch angetan worden ist, ebenfalls von Gott vergolten und von Ihm in gute Wirkungen für das Ganze Seiner Schöpfung umgelenkt wird.

2. Die Einheit mit oder die Rückkehr zu Gott. Von Gott ist die Seele ausgegangen, zu Gott möchte sie zurückkehren. In vielen Fällen ist dieses Sehnen nicht bewusst zugegen oder wirksam. Der Unfriede, welchem viele Menschen zum Opfer fallen, ist eine Folge der Tatsache, dass ihre Seele auf der Suche nach dem ultimativen Frieden ist, nach dem höchsten Glück, nach der letztendlichen Bestimmung, ohne überhaupt zu wissen, was das bedeutet. Aus diesem Grund scheinen diese Seelen ständig dahingetrieben zu werden, als ob sie kein Lebensziel finden. Viele Seelen scheinen ihr Lebensziel gefunden zu haben, während dies aber ganz und gar nicht der Fall ist. Dies gilt für diejenigen, die sich tief in die Dinge der Welt eingegraben haben und diese als die einzige Realität betrachten. Ihr Verhalten beweist, dass sie gleichsam ziellos umher treiben: Sie führen ein hektisches Leben, sehr unruhig mit den unterschiedlichsten Äußerungen von Unzufriedenheit, ständig damit beschäftigt, die Befriedigung ihrer endlosen materiellen Bedürfnisse anzustreben. Sie verbannen alle christlichen Werte so viel wie möglich aus ihrem Leben, weil sie damit in ihrer Scheinwelt nicht zurecht kommen können. In diesem Zustand der Verwirrung findet alles Böse, jede Untugend und Kriminalität einen geeigneten Nährboden. Die Seele in der ewigen Glückseligkeit erfährt plötzlich den vollkommenen, ungeteilten Frieden der Einheit mit Gott, in vollkommener Befreiung aus der Gefangenschaft weltlicher Bedürfnisse.

3. Die Anschauung des tiefen Wesens aller Dinge. Alles, was während Ihres irdischen Lebens Ihren Augen entzogen ist, weil ihre Wahrnehmung durch die alles überwältigenden Eindrücke der Dinge der Welt verschleiert wurde, wird Ihnen in einem größeren oder geringeren Maße im Himmel enthüllt. Es handelt sich da um die Geheimnisse der Schöpfung und der Geschöpfe, und um die Göttliche Intelligenz, die hinter dem Leben verborgen ist.

So wird Ihnen zum Beispiel offenbart werden, wie eine Blume aufgebaut ist, warum sie so oder so wächst, aus welchen Elementen sie sich zusammensetzt und weshalb, welche Kraft sie zum Blühen bringt und wie sie mit allen anderen Geschöpfen in Wechselwirkung steht. Bedenken Sie, wie unzählig viele unterschiedliche Arten von Geschöpfen (Blumen, Bäume, Pflanzen, Tiere, einzelne Menschenseelen) es gibt und es je gegeben hat, und Sie können anfangen zu verstehen, welch unendliches Staunen in Ihrer Seele geweckt werden wird, wenn Ihnen in dieses ganze übernatürliche Wissen Einblick vergönnt werden soll. Was Sie jetzt von der Welt um sich herum wahrnehmen, liefert Ihnen oberflächliche Informationen. Was Sie im Himmel erfahren werden, ist Wissen in der Tiefe.

Möge diese Erwägung Ihnen helfen, in der Tugend der Bescheidenheit zu wachsen, in der Erkenntnis, wie gering alles menschliche Wissen ist im Vergleich mit der Fülle des Wissens über die Schöpfung und alle ihre Elemente und die Beziehungen dieser Elemente untereinander. Dieses Wissen weckt in der Seele einen nie mehr endenden Antrieb zur Verherrlichung von Gottes Größe.

4. Das Wissen über Göttliche Mysterien. Die Seele in der ewigen Glückseligkeit darf sich an den unerschöpflichen Quellen des Wissens der Göttlichen Mysterien laben. Es gibt aber aufgrund des Grades ihrer Heiligkeit Unterschiede in dem Maße, in dem die Seele in diese vordringen darf. Die Göttlichen Mysterien sind die großen Geheimnisse mit Bezug auf besondere Elemente des Vorgehens, durch welches Gott versucht, Seinen Heilsplan für die Menschenseelen zu verwirklichen, unter anderem die Schöpfung, die Erlösung und Heiligung von Seelen, Marias Unbefleckte Empfängnis und die Menschwerdung Christi.

Seit der Erbsünde steht die Menschheit stark unter der Beeinflussung Satans. Aus diesem Grunde ist das Wissen über die Göttlichen Mysterien dem Menschen nahezu völlig und ganz entzogen. Dieses Wissen kann unter besonderen Umständen, wie zum Beispiel in der mystischen Berufung und der Heiligkeit, der Seele in unterschiedlichem Maße offenbart werden. Tieferes Wissen von den Mysterien macht einen Teil der ewigen Glückseligkeit der Seelen im Himmel aus. Der Grund, warum ein solches Wissen und solche Erkenntnisse die Seele in Verzückung bringen kann, beruht darauf, dass die Seele, der Gottes Wahrheit in einem gröβeren Maße so offenbart wird, wie sie wirklich ist, von der unfassbaren und endlosen Schönheit Gottes und der unergründlichen Vollkommenheit Seiner Werke und Pläne überflutet wird.

5. Ein völliges Verständnis von Gottes Wahrheit. Es ist eine unschätzbare Äußerung von Gottes Barmherzigkeit, dass der Seele in der Stunde ihres Gerichts Gottes Wahrheit enthüllt wird. Die Seele sieht plötzlich alle Dinge ebenso wie ihr ganzes vergangenes Leben so, wie Gott Selbst diese sieht. Für die Seele ist diese Offenbarung ein Geschenk, das sie befähigt, allen Schein aus den Ereignissen und Entwicklungen zu entfernen und dadurch viele Dinge zu sehen, die sie mit weltlichen Augen nicht hat ergründen können. In der ewigen Glückseligkeit erwirbt die Seele ein völliges Verständnis von Gottes Wahrheit und Tiefgang des diesbezüglichen Wissens, so wie dieses im Evangelium offenbart worden ist (und das auch das wahre Wesen der Sturmschriften bildet).

6. Die unendliche Freude über Gottes Liebe, Güte und Barmherzigkeit, welche es der Seele ermöglicht, die ewige Glückseligkeit zu erfahren. Die Seele wird von der Erfahrung der unendlichen, durch nichts eingeschränkten, vollkommenen Göttlichen Liebe überwältigt, in der sie aufgenommen und untergetaucht wird, wodurch sie eine nie gekannte Freiheit erfährt. Es ist größtenteils diese Erfahrung, welche die Grundlage der nie endenden Lobpreisungen ist, welche die Seelen in der Glückseligkeit an Gott als Schöpfer von allem richten, ebenso wie an Maria als Königin des Himmlischen Hofes und als Diejenige, welcher sie unsagbar viele Gnaden zu verdanken haben.

7. Ein höheres Verständnis von dem Wesen der Liebe als der treibenden, schöpfenden, erlösenden, heiligenden und heilenden Kraft hinter der ganzen Schöpfung. Die Liebe wird erst im Himmel auf vollkommene Weise als die treibende Emotion und die zentrale Kraft der ganzen Schöpfung erkannt und verstanden. Die Glückseligen verstehen, dass es die Liebe ist, welche für sie diesen Zustand unendlichen und vollkommenen Glücks möglich macht. Diese Erkenntnis bringt auch eine vollkommene Befreiung von der Wahnidee mit sich, welche die Seele auf Erden oft hegt: dass das Elend des Lebens auf dieser Welt nicht mit der Lenkung durch einen Gott der Liebe vereinbar sei. In der ewigen Glückseligkeit des Himmels versteht die Seele auf vollkommene Weise, wie sehr das Leiden und die Bürden des irdischen Lebens Beweise für die Göttliche Liebe sind, welche die Seele durch das Erwerben großer Verdienste zu einem möglichst hohen Grad der Glückseligkeit führen will.

8. Die unendliche Freude der ewig dauernden Nähe Mariä, der Engel und der Heiligen mit ihrem unendlich variierenden Reichtum an Vollkommenheiten und Schönheit, und der wunderbaren Ausstrahlung ihrer Liebe und ihrer Verdienste. Diese Ausstrahlung nimmt den Glückseligen in einen ständig stärker werdenden Wirbel von Verzückung und des allerreinsten Genusses auf, eine Erfahrung, welche die Seele in einem veränderlichen Maße an der unendlichen Glückseligkeit von Gott Selbst Anteil haben lässt. Die Seele in der ewigen Glückseligkeit empfindet die tiefe Freude des Wissens von allen Schönheiten der Seelen der Engel und der Heiligen und von den Zusammenhängen zwischen ihren jeweiligen Verdiensten und der Art ihrer Glückseligkeit. Allein schon Marias Nähe und Anschauung weckt in der Seele Gefühle von Genuss, die mit nichts zu vergleichen sind.

9. Die vollkommene Befreiung von körperlichen Empfindungen. Der Glückselige erfährt eine vollkommene Befreiung von allen Einschränkungen des körperlichen Lebens, was sich unter anderem in seiner Fähigkeit äußert, auf uneingeschränkte Weise mit Seelen in Kontakt zu sein, die noch in einem stofflichen Körper leben (in dem Maße, wie Gott dies erlaubt). Sie brauchen nur an die Tatsache zu denken, dass Heilige durch eine unbegrenzte Zahl von Menschen gleichzeitig angerufen werden können. Die vollkommene Befreiung von körperlichen Empfindungen bedeutet darüber hinaus, dass die glückselige Seele für ewig frei von den Schmerzen, Ermüdungen und Krankheiten ist, denen der Körper ausgesetzt ist.

10. Die völlige Kenntnis der Gründe, Ursachen, Zwecke und Hintergründe aller Prüfungen und Ereignisse des vergangenen Lebens. Diese Gunst wird jeder Seele am Tag ihres Gerichts nach dem leiblichen Tod geschenkt. Diese Kenntnis, diese Erkenntnis schafft vollkommenen Frieden im Herzen, wobei allerdings noch der Schmerz über etwaige nicht gebeichtete und nicht abgebüßte Sünden übrig bleibt. Gott wünscht Sich, dass Sie während Ihres Lebens auf Erden möglichst wenig bei dem Warum von allem, was Ihnen zustößt, verweilen. Der Grund, die Ursache, der Zweck und der Hintergrund von all dem ist größtenteils ein Göttliches Mysterium, durch Gottes Weisheit und Vorsehung auf Ihren Weg gebracht oder zugelassen, weil dies für die Heiligung Ihrer Seele von Nutzen ist, und auβerdem sind alle Ereignisse in Ihrem Leben mit diesem vergänglichen Leben verbunden und somit an sich weiter von keinerlei Wichtigkeit. In der Stunde Ihres Lebensgerichts wird Ihnen der wahre Sachverhalt offenbart und Sie werden damit vollkommenen Frieden haben, weil Sie dann dies alles aus der vollen Kenntnis von Gottes Wahrheit heraus werden betrachten können, die Ihnen ebenfalls offenbart werden soll.

11. Die vollkommene Abwesenheit von allem Bösen in allen seinen Äußerungen. Keine Seele wird in den Himmel zugelassen, bevor jede Spur des Bösen und der Sünde aus ihr entfernt worden ist. Im Himmel ist die Herrschaft von Gottes Gesetz absolut. Gottes Gesetz ist die absolute Liebe, die alles Böse mit dem daraus hervorgehenden Elend unmöglich macht.

12. Das Bewusstsein, dass sich der Grad der Glückseligkeit niemals verringern wird. Sobald die Seele im Himmel in die Herrlichkeiten hineingeführt worden ist und sie begreift, dass diese ewig dauernd sein werden und sogar von Stunde zu Stunde noch intensiver und reicher variiert werden, wird sie in eine Verzückung aufgenommen, die keine Grenzen mehr kennt. Wenn Sie die unendliche Vielfalt der Schöpfung hier auf Erden berücksichtigen und verstehen, dass Gottes Liebeswerke auf Erden nur ein schwacher Abglanz von denjenigen sind, welche Er im Himmel erschaffen hat, werden Sie verstehen, dass die Entdeckungsreise der glückseligen Seele im Reich der Himmlischen Freuden endlos ist.

Wenn die Glückseligkeit im Himmel nicht ewig dauernd und unerschöpflich wäre, so wäre Gott nicht vollkommen. Das Bewusstsein von den Schätzen, die Er im Himmel für Sie bewahrt, müsste Ihnen helfen, zu einer vollkommenen Annahme der vergänglichen Bürden dieses Lebens zu wachsen. Die Tatsache, dass der Mensch in seiner Unvollkommenheit eine solche Bestimmung bekommen hat, darf als ein beispielloses Wunder betrachtet werden.

In voluntate Dei, Myriam


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TOTUS TUUS, MARIA !

STURMSCHRIFTEN - 78. Teil

FREUE DICH, BEGNADETE...

Offenbarungen über das Wesen von Marias Vollkommenheit

Myriam van Nazareth

Vollkommenheit ist der Zustand, in dem sich das Geschöpf den Eigenschaften des Schöpfers im höchsten Maße nähert, in dem dies für das Erschaffene möglich ist, unter Berücksichtigung der Begrenztheit des Lebens in einem stofflichen Körper. Unter allen Geschöpfen aller Zeiten hat die Allerheiligste Jungfrau Maria als einziges Wesen Anspruch auf die absolute Vollkommenheit erheben können. In Bezug auf die Menschenseelen kann Vollkommenheit auch als absolute Heiligkeit bezeichnet werden. In der Sturmschrift Nr. 64 habe ich bereits die Vollkommenheit oder Heiligkeit dargelegt als die gröβtmögliche Annäherung an das letztendliche Ziel, das Gott mit der Menschenseele bezweckt: sie nach Seinem Bild und Gleichnis zu formen.

Der höchste Grad der Heiligkeit wird hauptsächlich gekennzeichnet durch:

  1. Absolute Beherrschung aller Versuchungen, mit anderen Worten: ein vollkommenes Freisein von aller Sünde. Mit Ausnahme von Maria kann keine einzige Menschenseele sagen, sie sei während ihres Lebens keiner einzigen Versuchung erlegen. Dies gilt ebenfalls für die Heiligen. Von vielen großen Heiligen ist bekannt, dass sie Perioden durchgemacht haben, während welcher sie nicht in vollkommenem Stande der Gnade lebten. Der letztendliche Stand der Heiligkeit der Seele wird durch den Stand der Gnade bestimmt, den sie erreicht, wenn das für sie notwendige Wachsen sich in Gottes Augen und gemäß Seinen Erwartungen ihrer Vollendung nähert, und das Maß, in dem die Seele in diesem Stand verharrt.

    Ich erinnere hier an die Worte, die ich in diesem Zusammenhang in der Sturmschrift Nr. 3 geschrieben habe: Sich im Stand der Gnade befinden, bedeutet, dass Ihre Seele nicht mit Sünden belastet ist, die gemäß dem Gesetz von Gottes Gerechtigkeit in einem solchen Maße verurteilt werden, dass sie Ihnen den Zugang zur ewigen Glückseligkeit des Himmels aberkennen. Heiligkeit ist der Stand der Gnade, wozu jeder Christ berufen ist, dem allerdings nur sehr wenige wirklich entsprechen.

    Die erste Voraussetzung, um diesen Zustand zu erreichen, ist jener, dass Sie die Gnade der Selbstvervollkommnung im höchsten Maße in sich selbst aufnehmen und zur vollen Entfaltung zu bringen suchen, indem Sie mit allen Kräften Ihrer Seele, Ihres Herzens und Verstandes einen 'wasserdichten' Widerstand gegen alle Versuchungen anstreben.

    Versuchung ist jeder Versuch seitens der Kräfte des Bösen, Ihre Seele von Gott zu entfernen.
    Versuchung ist die Tür zur Sünde. Jede Schwachheit in Ihrer Natur ist wie ein Defekt im Schloss dieser Tür. Sobald Sie in Ihrem Schloss irgendeinen Defekt (eine Schwäche) feststellen, obliegt Ihnen die Pflicht, ihn zu reparieren. Solange Sie mit einem defekten Schloss durch das Leben gehen, gehen Sie ständig das Risiko ein, dass die Tür aufgeht und Sie das Territorium der Sünde betreten. Den heiligsten Seelen kann es gelingen, sogar eine aufspringende Tür noch rechtzeitig zu schließen, aber es gilt als ein Verstoß gegen die Vorsicht, wenn die Seele nur auf ihre eigene Kraft vertraut, indem sie davon ausgeht, dass sie die manchmal überwältigende Macht der Versuchung immer rechtzeitig wird beherrschen können.

    Dies alles bedeutet also, dass Schwachheit die Seele für die Versuchung anfällig macht und dass die Versuchung zur Sünde führt, es sei denn, die Seele verfügt über genügend Widerstand, die Versuchung zu besiegen. Absolute Herrschaft über die Versuchungen besteht also eigentlich aus vier Phasen:

    • aus dem Erkennen Ihrer Schwächen;
    • aus dem Bekämpfen Ihrer Schwächen;
    • wenn dennoch eine Versuchung in Ihr Herz hineinschleicht: diese zu erkennen;
    • aus dem Aufbau eines 'wasserdichten' Widerstandes gegen alle Versuchung.

    Betrachten wir jetzt Maria. Ihr ganzes Wesen war wie ein vollkommenes Spiegelbild von Gott Selbst. Aus diesem Grund hatte Sie keine Schwächen, denn Schwächen entstehen auf dem Boden der menschlichen Bedürfnisse, die ständig nach Befriedigung suchen. Maria war in so weitgehendem Maße von allen stofflichen Bedürfnissen losgelöst, dass Ihre einzige Schwäche jene der menschlichen Natur war, die am Leben gehalten werden muss: das Grundbedürfnis an Nahrung, Trinken, Kleidung und Ruhe. Sie gab diesen Bedürfnissen im absoluten Mindestmaß nach und fand darin den vollkommenen Frieden. Aus diesem Grund konnte Satan in Ihr keine Schwächen finden, die er zu seinem Vorteil hätte anwenden können.

    Dennoch ist Maria nicht frei von Versuchungen gewesen, die außerhalb des Bereichs der Befriedigung der stofflichen Bedürfnisse lagen: Satan griff Sie im Herzen an. Ihre Vollkommenheit bestand darin, dass Sie diese Angriffe unter Ihren Füßen zu halten wusste, so dass Sie in absoluter Vollkommenheit Herrin über Satan war, indem Sie an erster Stelle Sich Selbst vollkommen unter Kontrolle hatte.

    Hier wird die Vorstellung Mariä mit Ihrem Fuß auf der Schlange vollkommen gerechtfertigt: Die Schlange als Symbol für Satan, der im irdischen Paradies das erste Menschenpaar zur ersten Sünde inspiriert (in Versuchung führt!), liegt unter Marias Füßen. Dies bedeutet, dass Sie den Versucher vollkommen in Ihrer Macht hat, dass er sogar willenlos Ihr ausgeliefert ist und sogar keine Bewegung mehr machen kann, die Sie ihm nicht erlaubt. Maria mit der Schlange unter Ihren Füßen bedeutet auch, dass Sie die Welt (die stofflichen Bedürfnisse) Sich unterworfen hat, dass Sie nichts dazu veranlassen kann, Sich von Gottes Willen loszumachen. Und zum Schluss bedeutet dieses Bild, dass Maria die Macht besitzt, die Kraft Satans für alle Zeiten zu brechen.

    Wegen des freien Willens des Menschen verwirklicht sich dieser Effekt nur, wenn der Mensch dem Versucher keine Chance vergönnt, seine Listen aufzudrängen. Tatsächlich, sogar in seiner geschwächten und unterworfenen Position, unter Marias Füßen liegend, benutzt Satan jede Chance, den Menschen, der sich wehrlos aufstellt, 'in die Seele zu beißen'. Satan ist durch die vollendete Macht Mariä besiegt worden. Dies ist ein Vorrecht, das Gott ausschließlich der einzigen Menschenseele gegeben hat, welche die absolute Vollkommenheit besitzt.
  2. Vollkommene Beherrschung aller Tugenden. Tugenden sind die Eigenschaften einer Seele, die bestimmen, wie fruchtbar diese Seele für die Verwirklichung von Gottes Heilsplan mit allen Seelen und der Welt ist. Als größte unter den Tugenden, unter jenen, welche die Seele für Gottes Pläne und Werke am meisten fruchtbar machen, müssen betrachtet werden:

(1) Liebe. Liebe ist die Lebenskraft von Gott Selbst, die Leben in der eigenen Seele und in den Seelen jener weckt, welche die Taten und Worte unserer Liebe erfahren. Die Liebe ist innerhalb der Tugenden eine solch zentrale Kraft, dass Sie sich diese als eine Sonne vorstellen könnten, die in alle Richtungen strahlt und von der jeder Strahl eine andere Tugend ist: Jede Tugend hängt irgendwie fest an der Liebe und schöpft ihre Wirkungen aus der Quelle der Liebe. Vollkommenheit in der Liebe setzt daher Vervollkommnung in allen Tugenden voraus, ohne Ausnahme. Es braucht uns daher nicht zu wundern, dass die aufrichtige und bedingungslose praktische Anwendung der Tugend der Liebe als der wahre Maßstab gilt, nach welchem Gott die Seelen richtet. Maria zeichnete Sich in der Liebe aus und bekräftigte diese 'Meisterschaft', indem Sie Ihr ganzes Leben in den Dienst von Gottes Erlösungsplan stellte, der Sie zu der Größten unter den Märtyrern gemacht hat. Keine größere Liebe kann die Seele haben als jene, dass sie ihr Leben für den Mitmenschen und für Gott gibt. Maria hat dies dadurch getan, dass Sie Ihr ganzes Leben nicht für Sich Selbst, sondern nur für die Verwirklichung von Gottes Plan geführt hat.

(2) Reinheit. Wirklich rein ist die Seele, die in dem Maße glänzt, dass sie imstande ist, Gottes Licht so getreu wie möglich über ihre Umgebung auszubreiten. Daher ist Reinheit: so handeln, sprechen, denken, fühlen und wollen, wie Gott es von Ihnen erwartet, und somit alles vermeiden, was die Seele verschmutzt und Sie vom Zustand der Heiligkeit entfernt. Maria ist unbefleckt empfangen, also frei von der Erbsünde, und hat als einzige Menschenseele Ihr ganzes Leben lang keine einzige Sünde begangen. Sie gilt denn auch mit Recht als die allerreinste Lilie, denn die Reinheit einer Seele wird an erster Stelle durch das Maß bestimmt, in dem sie frei von Sünden und sündhaften Neigungen ist.

(3) Demut. Demut ist die Tugend, die Ihnen die Fähigkeit schenkt, sich selbst auf dem richtigen Platz innerhalb des Ganzen der Schöpfung und im Vergleich mit Gott zu sehen. Die demütige Seele erkennt ihre Kleinheit und Begrenztheit innerhalb von Gottes Plan. Wie groß war doch in Gottes Augen Maria, die Sich Selbst trotz Ihrer Erhabenheit, Schönheit und Vollkommenheit zur 'Magd des Herrn' erniedrigte. Sie hat deswegen eine zerschmetternde Macht über das Böse erhalten, denn Gott hat Sie über alles außer über Sich Selbst erhoben. Welcher Irrtum ist es doch, Marias Demut mit Kleinheit zu verwechseln: In Gottes Augen gab es niemals eine größere Seele als Sie, noch wird irgendwann eine größere kommen, denn Sie ist für alle Zeiten zur Königin von Himmel und Erden gemacht worden.

(4) Gehorsam. Das tiefe Wesen des Gehorsams ist eine vollkommene Einheit mit Gottes Willen. Ob diese Tugend den Grad der Vollkommenheit erreicht hat, lässt sich aus dem Maβe herleiten, wie die Seele imstande ist, ohne Zögern und in blinder Hingabe so wie Maria zu sagen: "Mir geschehe nach deinem Wort". Wahrer Gehorsam ist Abwesenheit der Neigung zum Widerstand und Protest. Die beste Schule im Gehorsam ist die vollkommene, bedingungslose und ewig dauernde Weihe an Maria, wobei die an Maria geweihte Seele ihr ganzes Leben und ihr ganzes Wesen in Marias Hände legt. Sobald Sie sich Maria weihen, sollen Sie alles, was Ihren Lebensweg kreuzt, so annehmen, als käme es aus den Händen Derjenigen, die Herrin über Ihr Leben und Ihr ganzes Wesen ist. Für die Maria geweihte Seele vergegenwärtigt Maria in allem Gott im absolutesten und umfassendsten Sinne: Die Ihr geweihte Seele ist Ihr absoluten und blinden Gehorsam schuldig, wie Maria Selbst ihr dies Gott gegenüber vorgelebt hat.

  1. Vollkommene Loslösung von der Welt. Vollkommen von der Welt loskommen, heiβt: leben wie ein Engel, in weitgehender Vergeistigung. Die Seele, die den vergänglichen Dingen der Welt nicht mehr erlaubt, von vorherrschendem Interesse für den Lauf ihres Lebens und für die Richtung und die Art ihrer Handlungen zu sein, lebt immer mehr so, als ob sie nur Geist wäre: Der Körper und seine Bedürfnisse sind nicht länger Herr, sondern, wie Gott es von dem Heiligen erwartet, nur Diener im Tempel der Seele. Die Bedürfnisse der Seele erlassen das Gesetz im Verhalten des Menschen, der sich von der Welt loslöst (sich aus den Ketten der Gefangenschaft gegenüber den unterschiedlichsten Bedürfnissen befreit, die vom weltlichen Leben aufgebürdet und hervorgerufen werden). Maria war voll und ganz Geist, Ihr Leben spielte sich viel mehr auf der übernatürlichen Ebene als auf der Ebene der normal wahrnehmbaren Welt ab.

Marias Seele war von Ihrer Empfängnis an in vollkommener Einheit mit Gott, und Ihr ganzes Leben vollzog sich in Gleichförmigkeit mit Gottes Willen. Dadurch war Sie ein vollkommener Spiegel von Gottes Eigenschaften. Durch Ihre Fülle an Gnade hat Maria von Ihrer Empfängnis an im höchst möglichen Maße an der Göttlichen Macht, Schönheit und Weisheit Anteil gehabt:

  1. Marias Anteil an der Göttlichen Macht. Maria hat von Gott die vollkommene, souveräne (unbestreitbare) Macht erhalten, Seelen zu führen, zu heiligen, mit Gnaden und Fähigkeiten zu versehen und ihrem Lebensweg Richtung zu geben. Sie hat die Verfügungsmacht über Seelen in dem Sinne, dass Sie aus eigener Macht bestimmte Seelen für Ihren 'persönlichen' Dienst aussuchen kann (d.h. als Ihre persönlichen Diener, Apostel oder, in manchen Fällen, Instrumente). Diese Seelen werden dann von Maria Selbst berufen (sei es im Verborgenen ihres Herzens, sei es durch den mystischen Weg), und diese Berufung gilt als Berufung von Gott Selbst.

    Durch diese Macht entscheidet Maria also über die Richtung des Lebensweges dieser Seelen, eine Macht, die normalerweise ausschließlich Gott Selbst zukommt. Wenn Maria von dieser Macht Gebrauch macht, ist die Rede von einer Berufung zur vollkommenen Weihe an Maria. Marias einmaliger Anteil an der Göttlichen Macht geht aus der souveränen Verfügung hervor, die Sie über die Göttlichen Gnaden erhalten hat, und aus der Entscheidungsmacht über die Bestimmung dieser Gnaden: Sie bestimmt, welche Seele welche Gnaden, wann, in welchem Maße, wie lange und in welcher Form erhält.

    Diese Macht ist so sehr mitbestimmend für den Verlauf von Gottes Plänen und Werken, dass Er sie unmöglich einer Seele anvertrauen kann, die nicht vollkommen ist. Deshalb weist der Besitz dieser Macht nach, dass Maria von Gott mit der Vollkommenheit ausgestattet ist. Marias Vollkommenheit ergibt sich noch stärker aus Ihrer vollkommenen Demut. Je größer die Macht ist, mit der eine Seele ausgerüstet ist, desto größer ist die Versuchung, in Hochmut zu verfallen. Bedenken Sie nun, dass Maria Ihre unvergleichlich große Macht während Ihres irdischen Lebens niemals ausgeübt hat. Ab Ihrer Unbefleckten Empfängnis war die ganze Schöpfung Ihrem Willen unterworfen, dennoch kannte keiner Sie anders als die in sich gekehrte, demütige 'Dienstmagd'.

  2. Marias Anteil an der Göttlichen Schönheit. Aufgrund Ihrer makellosen Reinheit war Maria die makellose Widerspiegelung und Ausstrahlung der Eigenschaften von Gott Selbst. Die Schönheit einer Seele wird durch die Abwesenheit der Sünde bestimmt. In Maria ist niemals eine einzige Sünde gewesen, sogar nicht die Erbsünde. Daher ist Ihre Schönheit vollkommen, ja Göttlich. Kein Geschöpf könnte jemals Gott mehr gleichen als Maria. Eine Seele strahlt das Göttliche Licht in dem Maβe desto reiner aus, wie sie heiliger ist. Marias Ausstrahlung ist heller als die Mittagssonne.

    Vollkommene Schönheit geht aus einem vollkommenen Freisein von aller Sünde hervor. Vollkommen von Sünde frei sein, ist aber ebenfalls vollkommene Liebe, denn alle Sünde ist Äußerung einer Unvollkommenheit in der Liebe gegenüber Gott und dem Nächsten. Die Seele, die vollkommen in der Liebe ist, ist ohne weiteres vollkommen in allem, denn die Liebe ist die zentrale, treibende, Göttliche Kraft in der ganzen Schöpfung. Wie hätte Gott übrigens die Mutterschaft über Seinen eigenen Göttlichen Sohn einem Geschöpf anvertrauen können, das nicht vollkommen war?

  3. Marias Anteil an der Göttlichen Weisheit. Maria besaß ein vollendetes Wissen von allen Göttlichen Mysterien. Gott hat Ihr dieses Wissen gewährt, weil Sie Ihn vollkommen und uneingeschränkt in der Verwirklichung des Göttlichen Heilsplans, als Brücke zwischen Gott und den Seelen und als Mittlerin aller Gnaden vertritt. Hätte Maria kein vollkommenes Wissen besessen, noch die vollkommene Weisheit, um dieses Wissen mit einer unfehlbaren Erkenntnis, einem unfehlbaren Verständnis und urteilsfähig anzuwenden, so hätte Sie keine vollkommenen Früchte hervorbringen können. Eine Seele, die vollkommene Macht besitzt, jedoch nicht die vollkommene Weisheit, um diese Macht so anzuwenden, dass dies Gott nützt, wird vielmehr Schaden anrichten als Heil bringen. Ich schrieb früher bereits, dass Maria allmächtig in der Ordnung der Gnade ist, so wie Gott es von Natur aus ist. So ist Sie ebenfalls allwissend und vollkommen weise in der Ordnung der Gnade.

Maria war bereits als Mensch auf Erden in jedem der drei oben angeführten Merkmale von der vollkommenen Heiligkeit überragend (sie besaβ die absolute Herrschaft über alle Versuchungen, eine vollkommene Beherrschung aller Tugenden, und war vollkommen von der Welt losgelöst). Im Punkt 3 (vollkommene Loslösung von der Welt) habe ich verständlich gemacht, dass Maria eigentlich mehr Engel als Mensch war. Der Engel gilt als die Galionsfigur absoluter Tugend und Vollkommenheit. Gott hat Maria zur Herrin der Engel gemacht, und sie erkannten ohne weiteres in Ihr ihre Herrin an, weil Sie tatsächlich noch heiliger war als sie.

Worin unterscheidet Sich Maria von den Engeln?

Maria besaß dieselbe Vollkommenheit in den Tugenden wie die Engel, aber Marias Verdienste sind unendlich über jenen der Engel erhaben, indem Sie in der Praxis eines Lebens auf Erden Ihre 'Herrschaft' über alle Tugenden bewiesen hat, in einem Körper, der für Leiden anfällig und unaufhörlichen Versuchungen und Einflüssen ausgeliefert war, welche auf die Entfernung der Seelen von Gott gerichtet sind. Eine Seele, die auch nur einer einzigen Versuchung nachgibt, verliert bereits die Vollkommenheit in der Tugend. Maria war die einzige Menschenseele, die in keinem einzigen Punkt und keinen Augenblick lang von der Tugend abgewichen ist. Deshalb vereinigt Sie als einzige Seele die Vollkommenheit in der Tugend mit der Fülle der Verdienste einer makellosen Beharrlichkeit in der Tugend.

Die Tugendhaftigkeit ist den Engeln als ein Geschenk gegeben, sie ist als ein Wesenszug in ihre Natur eingebaut. Die Menschenseele dahingegen hat zwar ebenfalls den Keim der Tugendhaftigkeit eingegossen bekommen, aber im Gegensatz zu den Engeln fällt sie täglich den Einflüssen der Welt und den Bedürfnissen des Körpers anheim, die sie für endlose Versuchungen empfänglich machen. In dieser Schwachheit liegt aber die große Kraft des Menschen: Die Seele, die ihre Schwächen und Versuchungen durch ständigen Kampf gegen sich selbst zu überwinden weiß, erwirbt dadurch die Verdienste, die ihr als Schlüssel zur Heiligkeit dienen.

Darin liegt das große Vorrecht des Menschen über den Engeln: Der Mensch bekommt die Heiligkeit nicht wie die Engel geschenkt; von ihm wird erwartet, er soll sie durch einen beharrlichen Kampf gegen das Böse in sich selbst erwerben. Die Saat der Heiligkeit wird in die Menschenseele gegossen, aber diese Saat kann nur aufkeimen und aufblühen unter Einwirkung der Sonne und des Wassers der Gnade und dem Pflug der Anwendung der Tugend, womit sie ständig ihren Boden bearbeiten muss. Dies bedeutet, dass die Menschenseele sich darin vom Engel unterscheidet, dass:

  • der Engel die Heiligkeit von Natur besitzt;
  • die Menschenseele versuchen muss, die Heiligkeit durch die kombinierte Wirkung von Gottes Gnade und seinen eigenen beharrlichen Anstrengungen in der Tugend in sich zur Reifung zu bringen. Diese Anstrengungen werden ihr durch die Göttliche Gerechtigkeit als Verdienste angerechnet, die als das 'Zugangsgeld' zum Himmel betrachtet werden können.

Das Wesen von Marias absoluter Vollkommenheit und Ihrer Überlegenheit über allen Geschöpfen, einschließlich der Engel, verbirgt sich darin, dass Sie:

  • aufgrund Ihrer Unbefleckten Empfängnis von Natur aus eine absolute Heiligkeit besaß;

  • die absolute Fülle der Gnade besaß;

  • aufgrund einer vollkommenen Selbsthingabe und Hingabe Ihres ganzen Lebens an Gottes Heilsplan unvergleichlich große Verdienste erworben hat;

  • alle Versuchungen auf vollkommene und uneingeschränkte Weise überwunden hat, so dass Sie keine einzige Sünde begangen hat.

Jede Seele ist dazu berufen, die Vollkommenheit anzustreben (siehe Sturmschrift Nr. 64). Marias Vollkommenheit im absoluten Sinne gleichzukommen, ist unmöglich, weil es jeder Seele außer Ihr am Vorrecht der Unbefleckten Empfängnis mangelt. Sie werden allerdings nach den Verdiensten gerichtet, die Sie durch die Anstrengung und durch den Willen, sich Marias Vollkommenheit zu nähern, erwerben, unter Berücksichtigung der Einschränkungen, die Sie daran hindern, Ihr gleich zu sein. Der einzige Weg, der Sie zu diesem Ideal führen kann, ist jener des Strebens nach der Vergeistigung: das Streben, 'immer weniger Mensch und immer mehr Engel zu werden'.

Der notwendige erste Schritt dazu ist die vollkommene, bedingungslose und ewig dauernde Weihe an Maria. Sie wird Sie durch eine Umgestaltungsperiode führen, während welcher Sie Sie auch Prüfungen unterwerfen wird, um festzustellen, inwieweit Sie sich Maria tatsächlich mit Ihrem ganzen Wesen und Ihrem ganzen Leben hingeben. Sobald sich herausstellt, dass Sie (= Maria) wirklich nach Ihrem Willen und Ihren Erkenntnissen und zu Ihrer Zeit über Sie verfügen kann, wird Sie Sie nach Ihrem Muster umwandeln und kneten, so dass Ihre Eigenschaften immer mehr in Ihr Wesen hinüberfließen und Ihre eigenen Gedanken, Gefühle, Wünsche, Bestrebungen, Ihr eigener Wille und Ihr eigenes Verhalten immer mehr für jene der Gottesmutter Platz machen.

Bei Ihren Instrumenten will Maria noch einen Schritt weiter gehen: Von ihnen erwartet Sie, dass sie sich willenlos, in vollkommener Hingabe, zu Ihrem Spiegelbild umgestalten lassen. Es ist gerade dieser Vorgang, der Sie zu den höchsten Stufen der Vollkommenheit führen kann, und zwar in dem Maße, in dem Sie diese Gnade beantworten.

Das Wesen von Marias Vollkommenheit besteht auch darin, dass Sie als einzige erschaffene Seele die Fähigkeit besitzt, in Nachfolge von Gott Selbst Seelen gleichsam neu zu gestalten, indem Sie diese vollkommen umwandelt. Sie tut dies dadurch, dass Sie die Möglichkeiten, die Gott in eine Seele gelegt hat, derart mit besonderen Gnaden durchknetet, dass diese Seele die Fähigkeit bekommt, ganz andere Früchte hervorzubringen als die Seele, die nicht Marias Händen anvertraut worden ist.

Diese Fähigkeit, Seelen neu zu gestalten, ist das ausschließliche Vorrecht von Ihr, die über die Vollkommenheiten von Gott Selbst verfügt. Die Seele ist Gottes Eigentum. Keine anderen Hände dürfen sie berühren als Er Selbst und Jene, welcher Er die absolute Vollkommenheit geschenkt hat, um Sie zur Herrin und Königin der Seelen zu machen. Marias Größe ist nicht annähernd zu erreichen, weil Sie in der Ordnung der Gnade 'vergöttlicht' ist. Sie können in dem Maße Anteil an Ihrer Vollkommenheit bekommen, wie Sie sich selbst Ihr hingeben.

In Voluntate Dei, Myriam


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STURMSCHRIFTEN - 86. Teil

WENN DU VOR MIR NIEDERFÄLLST UND MICH ANBETEST...

Offenbarungen über das Wesen der Macht Satans

Myriam van Nazareth

Seit in Satan (der damals noch den Namen 'Luzifer' trug) der Hochmut entstand, der ihn zum Aufstand gegen Gott anregte, ist er immer ausschließlich auf Macht erpicht gewesen. Er war der Höchstrangige der Engel und strebte danach, sogar größer als Gott Selbst zu sein. Es gelang ihm, eine große Schar von Engeln für den verlockenden Plan einer 'Machtergreifung' zu gewinnen, aber alle rebellischen Engel wurden von der Gefolgschaft des Heiligen Erzengels Michael aus dem Himmel verstoßen. Gott wies ihnen die Hölle zu und gab ihnen die Erlaubnis, den Menschen zu prüfen. Die Erde sollte der große Wirkungsbereich der Teufel werden, der Ort, wo Satan für alle Jahrhunderte seinen Machtkampf mit Gott führen sollte.

Weil der Mensch dazu gemacht worden ist, um in einem Leben nach Gottes Bild und Gleichnis heilig zu sein, ist für Satan der Mensch das große Objekt seiner Eroberungen. Über den Menschen kann er Gott treffen. Jede Menschenseele, die er in das Verderben der Sünde fallen lassen kann, bietet ihm die Chance, Gott zu verletzen, denn jede Menschenseele ist Trägerin des heiligen Lebenskeims, der Göttlichen Ursprungs ist.

Der Hass des Teufels gegen den Menschen stieg zum Höhepunkt an, als Gott einen Menschen, Maria, auserkor, Mutter Seines Mensch gewordenen Sohnes zu werden, und Ihr bei jener Gelegenheit Elemente der Göttlichen Macht über alle Menschen und alle Teufel in die Hände gab. Satan hat diese Demütigung, der Macht und Herrschaft einer menschlichen Frau ausgeliefert zu werden, dadurch rächen wollen, dass er immer dreister am Verfall der ganzen Menschheit arbeitet.

Der einzige Antrieb Satans ist jener, Macht zu erwerben. Streben nach Macht und damit einhergehend der Geltungsdrang und die Herrschsucht entsprechen nicht der heiligen Tugend. Macht kommt nur Gott zu, und auf Seine Anordnung hin kommt sie auch Maria zu, die von Gott zu Seiner Vertreterin und Schatzbewahrerin und Spenderin Seiner Gnaden erhoben worden ist. Außer dem Dreifaltigen Gott und Maria hat kein einziges Wesen ein Recht auf Macht. Aus diesem Grund ist es dem Menschen auch nicht erlaubt, sich jemand anderem zu weihen oder zu 'verschenken' als Gott und bzw. oder Maria. Die einzige erlaubte Abweichung von dieser Regel ist die Weihe an einen Heiligen oder an einen Engel, die dann eher die Form einer Weihe zum Schutz und zur Begleitung durch dieses verherrlichte Wesen annimmt, und nicht die Form einer Hingabe, sich ihm zu 'verschenken' oder sich unter seine bzw. ihre 'Herrschaft' zu stellen.

Im engen Sinn des Wortes kann nur Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) Ihr Herr und Maria Ihre Herrin sein. In dieser Regel liegt der Grund, weshalb es eine Sünde ist, dem Streben Satans nachzugeben, Macht über Sie zu erwerben. Jede Versuchung ist ein Versuch des Teufels, Sie in seine Macht zu bekommen. Einer Versuchung nachgeben, heiβt sich versündigen, und sich versündigen ist, dem Befehl zu gehorchen, den der Teufel Ihnen im Verborgenen Ihres Herzens gegeben hat. Sie können aber nicht zwei Herren zugleich dienen. Jedes Mal, wenn Sie sich versündigen (den Eingebungen Satans gehorchen), sind Sie Jenen gegenüber ungehorsam, die Ihre wahren Herren sind: Gott und Maria.

Gott hat durch keine einzige Verordnung den Teufel über den Menschen gestellt. Es besteht also kein einziger Grund, Satan durch ein Verhalten zu verehren, das seinen Plänen dient. Außerdem hat Satan auch seinen Status eines verherrlichten Wesens verloren: Ursprünglich war er ein Engel, allerdings ist er für ewig aus dem Himmel verbannt worden. Heiligen und Engeln ist es übrigens nicht im engeren Sinn erlaubt, Macht über Sie auszuüben, aber Sie sind trotzdem ihren Eingebungen Gehorsam schuldig, weil sie in ihrem Sprechen und Handeln Gott vertreten, auf vollkommene Weise mit Gottes Willen im Einklang sind, und Ihnen auf Marias Befehl zum Schutz und zur Begleitung zugeteilt werden können.

Wie geht Satan in seinem Machtkampf gegen den Menschen vor? Die Bibel kann darauf eine Antwort geben, und zwar bei der Beschreibung der Versuchung Jesu während Seines vierzigtägigen Fastens in der Wüste. Satan wollte Jesus von Seinem Vorhaben abbringen, zu fasten, indem er sich Seines Hungergefühls bediente: "Bist du Gottes Sohn, so befiehl diesem Stein, er solle Brot werden!" Hätte Jesus dieser Versuchung nachgegeben, so hätte Er der Befriedigung eines physischen Bedürfnisses (Nahrung) dem Bußetun vorgezogen, von dem Er wusste, dass es eine immense erlösende Kraft für viele Seelen bekommen und somit für die Verwirklichung von Gottes Heilsplan dienlich werden sollte.

Satan lieβ aber auch erkennen, wie sehr er sich selbst zum Herrn der Welt gemacht hatte, als er Jesus im Nu alle Königreiche der Erde zeigte und sprach: "Ich will Dir alle Macht und Herrlichkeit geben; mir ist sie ja übergeben, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn Du mich anbetest, soll sie ganz Dein Eigen sein!" Diese Aussage beinhaltet die ganze Denk- und Bestrebungswelt des Teufels. Gott hat ihm niemals alle Reiche der Erde gegeben, er hat sie sich dadurch angeeignet, dass er den Menschen derart für seine Pläne gewann, dass er (Satan) der wahre sichtbare Machthaber über die Welt geworden ist.

Der Teufel hat von Natur aus gar keine Macht über den Menschen, es ist der Mensch, der sich in Anbetung vor dem Teufel niederwirft und ihm eine vollkommene Macht über das menschliche Handeln, Denken und Fühlen erlaubt, indem er allem gehorcht, was der Teufel von ihm verlangt. Der Mensch fällt nicht nur dadurch in Anbetung vor Satan nieder, dass er förmlich Satansverehrung betreibt, wie dies im Satanismus sogar mit Ritualen erfolgt, die eine Art Gegenstück zur Heiligen Messe darstellen sollen. Anbetung von Satan geschieht in unvorstellbar groβem Umfang durch die unzähligen Sünden, die jeden Tag aufs Neue auf der ganzen Welt verübt werden. Zahllos sind die Seelen, die ihr ganzes Leben lang von den Teufeln irregeführt werden, im Irrtum gehalten und schamlos von ihm ausgebeutet werden in ihren ganzen Verhaltensweisen und Worten, dadurch dass sie Versuchungen, Verführungen und ihren eigenen Schwächen, die sie dazu anregen, jedem Impuls sofort nachzugeben, nicht den geringsten Widerstand zu bieten wissen.

Der Teufel beeinflusst die menschlichen Bedürfnisse und sucht seinen Plan (das Verderben der ganzen Menschheit zur Beschämung von Gott) vor allem dadurch zu verwirklichen, dass er den Menschen nach der Befriedigung von drei großen Bedürfnissen süchtig macht: Materialismus (die Hauptrolle dem Geld geben und allem, was durch Geld erhalten werden kann, und daher Habgier, Kauflust…), Sexualität (Befriedigung sexueller Bedürfnisse über immer größer werdende Kanäle, unter anderem Pornographie, Prostitution und alle Äußerungen von Erotik) und Hochmut (das Bedürfnis des Menschen, sich selbst über seine Mitmenschen zu stellen und sich selbst wichtig fühlen zu können).

Was heiβt es, zu sagen, dass Satan Macht über den Menschen ausübt? Macht ist die Fähigkeit, das Verhalten anderer so zu beeinflussen, dass diese verpflichtet werden oder sich dazu gezwungen sehen, bestimmte Dinge anders zu tun, als sie selbst es wollen, und ihr Verhalten dem Willen desjenigen anpassen müssen, der die Macht ausübt. Macht ist auch die Fähigkeit, wodurch das Schicksal anderer und die Entscheidungen, die sie treffen, auf die eine oder andere Weise durch den Willen desjenigen beeinflusst werden, der Macht ausübt. Wie gesagt, hat Satan von Natur aus keine Macht über den Menschen erhalten.

Wie können wir denn sagen, dass die Menschheit sich selbst unter die Macht des Teufels gestellt hat? Wie ist dieser Zustand zustande gekommen? Im Buch Genesis machen wir eine bemerkenswerte Feststellung. Als die ersten Menschen, Adam und Eva, im Irdischen Paradies die Erbsünde begangen hatten (Ungehorsam gegen das einzige Verbot, das Gott ihnen auferlegt hatte), entdeckten sie, dass sie nackt waren und sie schämten sich über ihre Nacktheit. Dies bedeutet im Grunde genommen, dass der Mensch in seinem ursprünglichen, von Gott beabsichtigten heiligen Stand mit seinem Herzen und Geist in der Sphäre des Nichtstofflichen leben sollte und eigentlich dem Weltlichen, dem Stofflichen, keine Aufmerksamkeit entgegenbringen sollte. Die Erbsünde wurde zur Ursache einer Verlagerung in der Betonung des Empfindens des Menschen in seinem Herzen und Geist. Durch alle weiteren Sünden hat der Mensch diese Verlagerung noch weiter durchgesetzt. Je schwerer die Seele mit Sünden belastet ist, desto mehr wird der Mensch an das Weltliche festgekettet. So ist die Knechtschaft des Menschen gegenüber Satan gewachsen.

Wie ist dies möglich gewesen? Dadurch, dass der Mensch in einem stofflichen Körper lebt, der Bedürfnisse hat, die wiederholt befriedigt werden müssen, die einen zwecks Instandhaltung des Lebens (Nahrung, Trinken, Kleidung, Unterkunft…), die anderen zwecks Instandhaltung des geistigen oder moralischen Wohlbefindens (Entspannung, Sexualität als Ziel an sich…). Im sexuellen Bedürfnis spielen sowohl eine relative Notwendigkeit der körperlichen Entladung als auch der Drang nach Wohlbefinden eine Rolle. Dadurch, dass alle diese Bedürfnisse ihre Befriedigung in der Welt des Materiellen finden müssen (unter anderem des Physischen), kann Satan auf die Weise und die Häufigkeit ihrer Befriedigung Einfluss nehmen, denn er hat von Gott die Erlaubnis bekommen, die Menschheit zu prüfen, und hat dadurch eine gewisse Freiheit des Handelns in der Welt bekommen, in welcher der Mensch sein Leben führen muss.

Aus diesem Grund stehen fast alle Versuchungen und Sünden mit Ihren Bedürfnissen im Zusammenhang: Ihr Körper macht diese Bedürfnisse spürbar, und solange Sie sie nicht befriedigen können, werden Sie ein gewisses Unbehagen fühlen, das zu einer Unzufriedenheit, zu Unfrieden im Herzen, zu Gefühlen der Frustration, Verbitterung, Trübseligkeit, Aufsässigkeit, Aggression, Wut, in bestimmten Fällen auch zur Krankheit oder zu körperlichen Unbequemlichkeiten auswachsen kann. Bei der Feststellung, dass Sie ein Bedürfnis nicht innerhalb der Zeit befriedigen können, die Sie selbst als erträglich empfinden (diese Zeit kann ganz kurz oder eher lang sein), macht sich bereits die erste Einwirkung Satans in Ihrem Gemüt spürbar.

Sie geraten dadurch in eine Art Spannung, die in Verhaltensänderungen und in einer Verengung Ihrer Gefühls- und Denkwelt zum Ausdruck kommt: Das Bedürfnis, das Befriedigung verlangt, fängt an, einen immer größeren Anteil Ihres Denkens, Fühlens, Strebens und Wünschens einzunehmen. Sie bekommen das Gefühl, dass es Sie 'nicht mehr loslässt'. Dies kann so weit gehen, dass sogar Ihre nächtlichen Träume dieses Bedürfnis zum Gegenstand bekommen. In dem Maße, wie dieses Bedürfnis Ihr Tun und Lassen, Sprechen, Denken, Fühlen und Wünschen mehr zu beherrschen beginnt, wächst die Macht Satans über Sie: Er fängt damit an, Ihr inneres Leben zu manipulieren, und macht Sie letztendlich zum Sklaven des nicht befriedigten Bedürfnisses. So versucht er, Ihre Gefühls-, Empfindungs- und Denkwelt auf diesen einen Punkt zu fixieren und Sie von all dem anderen wegzuführen (einschließlich vom Gebet und dem Dienst an Gott, der immer nichtstofflicher Natur ist).

Die Macht Satans über Ihr inneres Leben erreicht einen Höhepunkt, wenn Ihre Frustration über das unbefriedigt bleibende Bedürfnis so groß wird, dass Sie eine Sünde begehen, um es in einem Versuch, die Spannung wegzunehmen, zu befriedigen. Zum Beispiel: nicht befriedigter Hunger, der zum Diebstahl von Nahrung oder zu selbstsüchtiger Zueignung von Nahrung führt, die eigentlich für einen Mitmenschen bestimmt ist; nicht befriedigte Sexualität, die zur Vergewaltigung oder zur Hingabe an die Welt der Erotik führt; nicht befriedigtes Sehnen nach einem bestimmten Gut oder Gegenstand, das letztendlich zum Raubmord führt; unbefriedigter Wunsch nach Anerkennung, der zusammen mit allgemeiner Unzufriedenheit zur Ausbeutung und Misshandlung von Mitmenschen führt (eine oft vorkommende Erscheinung in Situationen wie jenen in Konzentrationslagern), usw.

Sind Sie Satan willenlos ausgeliefert? Nichts ist weniger wahr. Seine Macht ist erdrückend, das Elend in der Welt beweist dies durch die vielen Äußerungen von Gewalt, Unrecht, Unsittlichkeit, Materialismus, Habsucht, Hass, Geltungsdrang, usw. Diese Macht ist allerdings nicht absolut, sie ist relativ. Was heiβt das? Die Macht Satans ist nur so groß wie die Schwachheit des Menschen. Dies bedeutet, dass, je mehr Sie sich selbst beherrschen, also je stärker der Widerstand gegenüber Ihren eigenen Schwächen ist (eine Schwachheit ist eine Unfähigkeit, bei Nichtbefriedigung eines Bedürfnisses tugendhaft zu bleiben), umso weniger kann Satan Ihr Verhalten beeinflussen, also umso weniger kann er Sie für seine eigenen Zielsetzungen missbrauchen. Je gröβer Ihr Widerstand gegen die Gefühle von Unbehagen bei Nichtbefriedigung eines Bedürfnisses ist, desto größer wird Ihre Macht über Satan.

Aus diesem Grund ist Maria der einzige Mensch, der eine absolute Macht über den Teufel besessen hat: Ihre Selbstbeherrschung war vollkommen, und Sie hat Satan keinen einzigen Sieg über Ihr Wesen vergönnt. Niemals hat er Sie auch nur in einem einzigen Verhalten, Gedanken, Wort oder Wunsch für seine eigenen Bedürfnisse gebrauchen können. Deswegen ist die Macht Satans relativ (abhängig von der Nachgiebigkeit des Menschen gegenüber ihm), während die Macht Gottes und die Macht Mariä (denn Sie ist die grenzenlos Bevollmächtigte Gottes) absolut ist.

Satan kann Sie über zwei Kanäle angreifen: in Ihrem eigenen Herzen und durch Ihren Mitmenschen. In Ihr eigenes Herz legt er Eingebungen, die Sie durch listige Irreführungen zu sündhaften Handlungen, Gefühlen, Worten, Gedanken oder Wünschen führen wollen. Durch Mitmenschen kann er Ihnen das Leben erschweren, Sie misshandeln, Sie foltern, Sie entmutigen (Entmutigung lähmt die Schlagkraft beim Erfüllen Ihrer Lebensaufgabe), Sie verführen (Reizen des - besonders - sexuellen Bedürfnisses), usw., und Sie durch ihre Verhaltensweisen sogar körperlich vernichten (Totschlag, Folterung, Aushungern…). Der Teufel sät im großen Stil Verwirrung und Chaos in der Welt. Auch so greift er Sie durch Ihre Mitmenschen an. Verwirrung unterminiert Ihr Bedürfnis nach Halt und Ihren Glauben (Wenn Gott existiert, wieso gibt es denn keine Sicherheiten?). Aber auch in allen diesen letzteren Fällen ist seine wirkliche Macht über Sie nur so groß wie Ihre Schwachheit, in der Seele Widerstand zu bieten, dadurch dass Sie trotz der Prüfungen ein tugendhaftes Gemüt bewahren.

Der Mensch kann sich also auf viele Weisen in Anbetung vor dem Teufel niederwerfen. Oft erfolgt dies unbewusst. Der Mensch ist von Natur aus sündhaft, weil die meisten seiner bewusst empfundenen Bedürfnisse mit dem Stofflichen zusammenhängen (Befriedigung von Bedürfnissen, die direkt oder indirekt mit dem Körper zu tun haben). Er sucht unterschiedliche Ventile für die Spannung in seinem Körper, und zwar durch den Erwerb von Gütern, durch mannigfaltige Arten der Entspannung oder durch Handlungen, die den Körper in den Mittelpunkt stellen und die Bedürfnisse der Seele vernachlässigen oder sogar die Würde der Seele verletzen. Die Hauptschlüssel zu dieser Befriedigung findet er im Geld und in materiellen Besitztümern, in der Sexualität und im Geltungs- und Machtstreben (einschließlich aller Formen von Konkurrenz und Wettbewerb).

Die Befriedigung erfolgt in unzähligen Fällen nicht unter Berücksichtigung der Tugenden. Eine Befriedigung in Tugendhaftigkeit ist Gehorsam gegenüber Gottes Gesetz. Eine Befriedigung in einer Atmosphäre der Untugend ist Gehorsam gegenüber Satan. Im ersten Fall erkennen Sie Gott als Herrn und Maria als Herrin Ihres Lebens, Ihres Tun und Lassens an, im letzten Fall erlauben Sie Satan, Ihr Herr zu sein, denn Sie erlauben ihm, Ihre Bedürfnisse zu missbrauchen, um Sie vor demjenigen in die Knie zu zwingen, was er Sie tun sehen möchte. Er kann Sie dabei auch täuschen und seine eigene Rolle verbergen, wenn Sie zum Beispiel der Versuchung oder Verführung durch einen Mitmenschen erliegen (der dazu im Verborgenen vom Teufel angestiftet worden ist).

Ihre größte Waffe gegen die Sklaverei Satan gegenüber ist die Entsagung, das Verkleinern des Einflusses, den Ihre stofflichen Bedürfnisse auf Ihr Leben ausüben können. So nehmen Sie Satan den Schlüssel, mit dem er Sie in sein Gefängnis einsperren will. Der goldene Weg zu einem Leben in Entsagung auf die weitest mögliche Weise ist die vollkommene, bedingungslose und ewige Weihe an Maria.

Wenn Sie Ihr ganzes Leben, Ihr ganzes Tun und Lassen, Ihre Gedanken, Worte, Gefühle, Wünsche und Bestrebungen, Ihre Seele, Ihr Herz, Ihren Geist und Körper und Ihren Willen Maria vollkommen weihen, machen Sie Sie zur absoluten Herrin über Ihr ganzes Wesen und alle Einzelheiten Ihres Lebens. Sie hat alle Macht über Gottes Gnaden empfangen und wird Ihr Verhalten und Ihre Reaktionsmuster derart bearbeiten, dass Ihr Widerstand in Situationen unbefriedigter Bedürfnisse in dem Maße immer weiter zunehmen wird, wie Sie sich Maria hingeben.

Marias Macht über Sie ist absolut, die Ausübung Ihrer Macht wird allerdings erst in dem Maße Ihrer aktiven und freiwilligen Hingabe vollkommen spürbar. Maria kann Sie aus der Sklaverei gegenüber Ihren eigenen Bedürfnissen befreien, nicht indem Sie diese wegnimmt, sondern indem Sie Ihr Gefühl der Abhängigkeit (Versklavung) gegenüber ihrer Befriedigung immer kleiner macht. Dies ist eine große Gnade, denn es verringert die Gelegenheiten zu sündigen und erhöht das Maß, in dem Sie gemäβ Gottes Willen leben (Heiligkeit!). Daher werden auch von Ihnen selbst Anstrengungen und eine große Hingabe erwartet.

Maria befreit, Sie hilft Ihnen, die Macht Satans in Ihrem eigenen Leben zu brechen: In dem Maße, in dem Sie sich für Maria entscheiden, wird Sie Sie lehren, zu fasten (Entsagung von Nahrung und Scheinnahrung wie Süßigkeiten), Sie lehren, in sexueller Enthaltsamkeit zu leben, sich in der Demut zu üben (dem Streben nach Anerkennung, Geltung und Macht zu entsagen), usw. In dem Maße, wie Sie Maria über Ihr Leben regieren lassen, werden Sie den Kampf gegen Satan gewinnen und die wahre Freiheit erobern. Die wahre Freiheit ist die Heiligkeit, der Zustand von Heil für die Seele, in dem die Seele nicht länger willenlos Satan ausgeliefert ist.

Marias Macht über Satan ist absolut. Sie will Ihre Macht auch durch Sie über ihn ausüben. Um dies zu erlangen, müssen Sie bewusst dazu bereit sein, Ihre Schwächen zu bekämpfen, und schulden Sie Maria vollkommenen Gehorsam und Unterwerfung. Maria hat von Gott alle Macht erhalten, den Teufel endgültig zu besiegen. Die Zeit, die wir jetzt erleben, wird von einem Machtkampf zwischen Maria und Satan gekennzeichnet. Marias Macht ist absolut und unendlich viel größer als jene Satans, aber die relative Macht Satans scheint größer zu sein, weil seine Nachfolger viel zahlreicher sind als die echten Nachfolger Mariä. Als 'Nachfolger' Satans müssen Sie in diesem Zusammenhang betrachten: die Unzähligen, die weiterhin hartnäckig die prompte Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen und weiterhin ihr Leben auf einem Fundament materieller Bestrebungen aufbauen. Die wahren Nachfolger Mariä sind diejenigen, die ihr ganzes Leben bis in alle Einzelheiten tatsächlich Maria verschenken, sich selbst verleugnen und nur noch Maria zu Diensten und für die Befriedigung von Marias Bedürfnissen leben (die auch jene von Gott sind).

Der Machtkampf zwischen Maria und dem Teufel kommt auf unübertroffene Weise in der Darstellung Mariä mit der Schlange unter Ihren Füßen zum Ausdruck. Die Schlange ist Satan, der Seelen würgt und mit Gift erfüllt. Er schleicht nahezu unbemerkt über die Erde (Symbol für das Niedrig-Weltliche, dem alles fehlt, was erhaben ist), schlingt sich um die Seelen herum, um sie voll und ganz in seinen Griff zu bekommen (das Fieber der Versuchungen) und beißt sie (die Sünde, die wie Gift wirkt, das die Seele krank macht und zum Tode führt, wenn sich die Seele nicht durch die Sakramente, die Weihe an Maria und die Wiedergeburt in Tugendhaftigkeit reinigen lässt).

Maria setzt Ihren Fuß auf die Schlange als Symbol für Ihre unbesiegbare Macht: Unter jemandes Füßen liegen, ist Symbol für willenloses Ausgeliefertsein, Opfer der tiefsten Demütigung. Die Schlange wird unter Ihrem Fuß gelähmt, kann ihre Pläne nicht mehr vollziehen, erstickt unter dem Druck der Macht Jener, welche sie Ihrem Willen unterwirft, und kann nur ängstlich abwarten, wann es Maria, ganz nach Ihrem Willen, gefällt, Ihren Fuß die volle Kraft ausüben zu lassen. Die Schlange zappelt, windet sich und schlägt in Todesangst wild mit dem Schwanz. Dadurch richtet sie noch Schaden an, besonders weil sie weiß, dass es noch Unzählige gibt, die dem Schein erliegen, dass die Schlange die Erde besiegt hat.

Maria schaut jetzt auf Sie und fragt Sie, ob Sie sich danach sehnen, dass Ihr Fuß kräftiger drücken soll. Sie können die Schlange nicht zerschmettern, Sie (Maria) kann dies wohl. Der Druck von Marias Fuß wird größer mit jedem Gebet, mit jeder Bitte zu Ihr, mit jedem Opfer der Entsagung, das Sie für Sie bringen, und vor allem durch jede Seele, die sich vollkommen an Sie weiht und diese Weihe tatsächlich lebt. Vollkommene Weihe an Maria ist eine Verherrlichung Ihrer vollendeten Macht über Satan. Die größte Demütigung, die dem Teufel je angetan worden ist, ist jene, dass er Maria als seine Herrin anerkennen musste. Jede Menschenseele, die sich zu Marias Füßen niederwirft, statt Satan anzubeten, fügt ihm eine neue Demütigung zu. Das Leiden und der Tod Jesu am Kreuz hat Satan zu Marias Füßen gelegt. Maria wartet nur auf die Äußerung Ihres tiefen Sehnens danach, dass Sie den tödlichen Druck auf seinen Kopf ausübt.

Gott hat Sich Selbst verpflichtet, den freien Willen des Menschen zu respektieren. Damit Marias zerschmetternde Macht sichtbar gemacht wird, muss die Fülle der Zahl derjenigen erreicht werden, die Sie als Königin und Herrin anerkennen und Satan in ihrem eigenen Leben bis aufs Äußerste bekämpfen, indem sie sich vollkommen Marias Herrschaft über ihr ganzes Wesen hingeben.

"Wenn Du in Anbetung vor mir niederfällst...": Satan wiederholt es jeden Tag aufs Neue zu jedem von uns, und er verspricht noch immer jeder Menschenseele die Macht über die Welt, wie er selbst meint, sie zu besitzen. Der Mensch ist jahrhundertelang in immer höherem Maße durch Satan verblendet und zu der Überzeugung getäuscht worden, dass das Weltliche, das Stoffliche, das Materielle, dasjenige, was er mit seinen Sinnen wahrnehmen kann, die einzig existierende Wirklichkeit ist, und dass er somit alle seine Anstrengungen auf die Befriedigung seiner stofflichen Bedürfnisse richten muss, ungeachtet, welchen Schaden die Befriedigung seiner Seele zufügt. Es scheint ein verlorener Kampf zu sein, aber nichts ist weniger wahr. Das Fleisch ist schwach, aber die Seele kann unbesiegbar werden, wenn sie ihre Schwächen unter Marias Füße legt. Ich habe es vorher bereits geschrieben: Wer sich zu Marias Sklaven macht, gewinnt die wahre und vollkommene Freiheit, denn Sie unterwirft in Ihnen nur das Böse und befreit in Ihnen dasjenige, was im Verborgenen nach der Begegnung mit dem Licht strebt.

In Voluntate Dei, Myriam