TOTUS TUUS, MARIA !

DIE SAAT DER ERLÖSUNG

Belehrung seitens der Heiligen Jungfrau Maria an die Seelen

unter Bezugnahme auf Gebet 1274 –
Gebet vollkommener Hingabe an den gekreuzigten Jesus

durch Myriam van Nazareth

Am Karfreitag 2013 schenkten die Herrin aller Seelen und Jesus Myriam das Gebet 1274 mit dem Versprechen, die Seelen würden später eine ausführliche Erläuterung erhalten, damit sie sich den einzigartigen Reichtum dieses Gebets voll zunutze machen können. Diese Belehrung seitens der Himmelskönigin darf ich nunmehr in den Seelengärten aussäen. Im Gehorsam der Herrin unserer Seelen gegenüber bringe ich als Einführung noch einmal den Aufruf vom Karfreitag 2013 und das Gebet selbst vor. Die auβergewöhnlich wertvolle Belehrung seitens der Himmelskönigin folgt nach dem Gebet.

In der Karwoche 2019 verordnete die Himmelskönigin die Eingliederung einer neuen Offenbarung als Einführung auf die Inspiration aus dem Jahr 2013. Die heutige Offfenbarung folgt somit gleich an dieser Stelle und wird vom ursprünglichen Text gefolgt.

Offenbarung seitens der Herrin aller Seelen an Myriam am Mittwoch der Karwoche, 17. April 2019, bezüglich der Gebetsblume Nr. 1274.

"In Meiner Eigenschaft als von Gott vorgesehene Führerin im Kampf des Lichts gegen die Finsternis habe Ich auch die Aufgabe, das Gleichgewicht innerhalb des Netzes der Schöpfung instand halten zu helfen. Im Rahmen dieser Aufgabe gewähre Ich denjenigen, die sich kraft des heiligen Bundes der vollkommenen Weihe mit Mir verbunden haben, innere Führung mit Bezug auf Handlungen, die zu jedem Zeitpunkt die gröβten Früchte bzw. den gröβten Schaden einbringen können zur Vorbereitung auf den endgültigen Triumph der Frau (Maria) über Satan und seine Werke von Finsternis. Diese innere Führung kann Ich in einer Seele in dem Maβe auswirken, wie sie ihr Herz wahrhaftig vollkommen und bedingungslos an Mir und dadurch an der Vollbringung von Gottes Werken und Plänen orientiert hat. Deswegen sage Ich dir in Wahrheit:

Ich habe dir an Karfreitag 2013 das auβerordentlich machtvolle Gebet 1274 geschenkt mit der Anweisung, bekannt zu geben, dass die Seele, die Mir und Jesus dieses Gebet an Karfreitag und bzw. oder an Karsamstag 33 Mal schenkt, dadurch sehr groβe Gnaden der Reinigung und Vergebung für sich erhalten kann.

Ich soll mit gröβter Betonung darauf hinweisen, dass die auβerordentliche Macht dieses Gebets mit der Tatsache im Zusammenhang steht, dass es unmittelbar den Mittelpunkt Unserer Vereinten Herzen berührt und an die nie versiegenden Erlösungswerke Christi appelliert. Vorausgesetzt, dass es Uns aus einem Herzen angeboten wird, das vom Feuer der wahren Liebe und der aufrichtigen Reue angetrieben wird, entwickelt es in Unseren Herzen ein wahres Feuer und setzt gewaltige Ströme von Gnaden frei, Ströme glühender Lava aus dem Vulkan von Gottes Herzen. Gott überschüttet diejenigen, die Ihn aufrichtig lieben.

Es lieβe sich in einem Göttlichen Gesetz ausdrücken: Dort, wo ein wahrlich liebendes Herz Heirat mit dem Feuerofen von Gottes Herzen schlieβt, wird der Vulkan der Gnaden aktiv um Täler von Finsternis mit Strömen brennender Lava auszufüllen, welche den Boden sehr fruchtbar für Himmlische Blumen macht. Du sollst wissen, dass die Früchte von Gottes Liebe so reich sind, dass sie nur von den Herzen voll genutzt werden können, welche die Kraft der wahren Liebe deswegen in sich tragen, dass sie diese lange Zeit sehr intensiv in sich eingebaut haben.

Ich lade deshalb die Seelen dazu ein, das auβerordentlich machtvolle Gebet 1274 unbedingt aus einer Verfassung aufrichtiger wahrer Liebe und Reue und in innigster Einheit des Herzens mit dem leidenden Jesus vorzubringen".

Karfreitag – Sonderaufruf

TOTUS TUUS, MARIA !

Während der Karfreitagsbetrachtung spricht Maria die nachfolgenden Worte:

MARIA: "Betrachte den gekreuzigten Jesus. Auf dem Gipfel des Berges der Sünden schenke Ich dir dieses Gebet, das von dem Göttlichen Erlöser mit auβerordentlichen Gnaden bekleidet worden ist.

Die Seele, die sich Mir weiht, diese Weihe mit Herz und Seele in Anwendung bringt, und das nachfolgende Gebet regelmäβig durch Mich an Jesus gibt, soll eine gründliche Reinigung und eine umfassende Befreiung von den Spuren aller Sünden und Fehler ihres ganzen Lebens bekommen.

Auβerordentliche Gnaden werden der Seele gewährt, die dieses Gebet
33 mal betet am Karfreitag.

Es kann ebenfalls mit Frucht für die Bekehrung eines Mitmenschen gebetet werden".

Während ich anschlieβend das Gebet 33 mal vor Jesus bringe, spricht der Erlöser in mir die nachfolgenden Worte:

JESUS: "Betrachte dieses Gebet als das machtvollste Gebet, das Meine und deine Mutter und deine Herrin dir je geschenkt hat. Deine Herrin wird dir bald eine Belehrung schenken, in welcher der einzigartige Reichtum dieses Gebetes für die Seelen ausführlich erläutert werden soll. Eine vollkommene Erkenntnis von der auβergewöhnlichen Bedeutung desselben hast du jetzt bereits in deinem Herzen erhalten. Du wirst dieses Gebet anschlieβend zusammen mit der Belehrung verbreiten. Das Ganze ist auβerordentlich gesegnet und mit einer einmaligen Macht zur Vollendung Unseres Heilsplans für die Seelen bekleidet.

Der Seele, die dieses Gebet
33 mal zu Mir spricht am Karsamstag
in einem tiefen Glauben an Meine Mutter als Miterlöserin der Seelen,
gewähre Ich dieselben Gnaden als am Karfreitag".

1274. GEBET VOLLKOMMENER HINGABE AN DEN GEKREUZIGTEN JESUS

(Myriam van Nazareth)

Jesus Christus, Gottes Messias, Erlöser der Seelen,
Durch die makellose Liebe Mariä, Deiner und meiner Schmerzensreichen Mutter und Miterlöserin der Seelen:

  • vertraue ich sämtliche Fehler, Versäumnisse, Verstöβe und Augenblicke der Lieblosigkeit meines Lebens der reinigenden Wirkung Deines Heiligen Blutes an,
  • vertraue ich sämtliche Verletzungen und alles Leid meines ganzen Lebens der heilenden Wirkung Deiner Heiligen Wunden an, und
  • vertraue ich alles, was meinen Eintritt in die Ewige Glückseligkeit des Himmels verhindern kann, Deinem Heiligen Kreuz an.

O Jesus, am Fuβ des Kreuzes will ich allen Seelen vergeben, die mir Unrecht oder Leid zugefügt haben. Geruhe, mir zu vergeben, wecke in mir eine lebenslängliche bedingungslose Liebe, und gewähre mir eine bleibende Wiedergeburt aus Maria.

DIE SAAT DER ERLÖSUNG

Belehrung zur Weihe am Karfreitag

Die Herrin aller Seelen hat Sich mit dem Ganzen Ihrer auβerordentlichen Belehrungen in der Wissenschaft des Göttlichen Lebens zum Ziel gesetzt, die Seelen derart zu gestalten, dass diese in den best möglichen Stand versetzt werden, die Erlösung, die Jesus für sie am Kreuz erwirkt hat, wirklich für sich selbst zu erschlieβen. Gott verlangt für jeden Aspekt der seelischen Blüte die aktive Mitwirkung der Seele: Sollte Gott alle Seine Gnaden automatisch in jeder Seele voll zum Blühen bringen, so würden Seine ganzen Wohltaten der Seele aufgenötigt und hätte diese Letztere keinen einzigen Verdienst vorzuweisen.

Jede Seele wird dazu in die Welt gesandt, den von ihr verlangten Beitrag zur Verwirklichung von Gottes Heilsplan für die ganze Schöpfung zu leisten. Zu dem Zweck soll sie ein Leben führen, dass im Rahmen von Gottes Gesetz fruchtbar ist. Dies heiβt, dass die Seele durch ihre inneren Verfassungen, ihre Handlungen, Worte, Gedanken, Gefühle und Bestrebungen möglichst vollkommen mit allem in Übereinstimmung leben soll, was in Gottes Herzen lebt und was Seinen groβen Heilsplan zur Vollendung zu führen vermag. Für sich selbst erntet die Seele durch ein fruchtbares Leben die Vollendung der Erlösung.

Wegen der Erbsünde war allen Seelen der Eintritt in die Ewige Glückseligkeit verwehrt worden. Gott sandte deshalb Seinen Messias, Jesus Christus, den Sohn Gottes, in die Welt, um durch ein Leben in einem stofflichen Körper sämtliche Prüfungen, die zum Mensch-Sein gehören können, zu heiligen und ihnen die Fülle ihrer erlösenden Macht zu erwirken. Von jeder Menschenseele wird ja ein tugendhafter Umgang mit sämtlichen Prüfungen des Lebens erwartet. Ein 'fruchtbarer Umgang' heiβt konkret 'Vervollkommnung in der wahren Liebe', also: mit jeder Lebenssituation derart umzugehen, dass die Herzensverfassung der Seele während diese die Situation erlebt, Gottes Plan dient. Die Menschenseele brauchte das Vorbild des leidenden Christus um sich selbst unter dem Einfluss der Gnadenwirkung solchermaβen umgestalten zu helfen, dass sie dazu imstande ist, ein Leben mit einem wahrlich erlösenden Wert zu führen, sowohl zu ihrem eigenen Gunsten als auch zugunsten der ganzen Menschheit.

Die Herrin aller Seelen will genau dies ermöglichen: die Seelen so weitgehend auszubilden, zu kneten und umzugestalten, dass diese selber die Motivation, den Willen und die Fähigkeit entwickeln, die Saat, die Jesus vom Kreuzbaum herab in die Menschheit gesät hat, in sich zum Blühen zu bringen. 'Erlösung' ist kein Geschenk, das sich selber passiv verwirklicht, sondern eine Himmlische Saat, die alles enthält, was Gott für das ewige Heil der Seele vorgesehen hat, aus welcher allerdings die Himmlischen Blumen nur in dem Maβe blühen, in welchem der Boden, in dem die Saat ausgestreut worden ist, sich selbst empfänglich und fruchtbar machen hilft. Für Gott muss die nachfolgende Bedingung als Erste erfüllt werden: Die Seele muss ihren freien Willen vollkommen eins mit Gottes Willen machen. Aus dieser Einheit bereitet Gott alle Seine Wunder.

Die Saat der Erlösung ist eine Goldgrube von Gnaden, die nichts weniger als den Schlüssel zur Ewigen Glückseligkeit in sich tragen. Diese Saat ist ein Gottesgeschenk, und ist als solche vollendet und unveränderlich. Das schwache Glied in der Vollendung der Erlösung ist die Menschenseele, die durch die Erbsünde unvollkommen und unbeständig geworden ist. In wenigen Worten weiβ die Herrin aller Seelen in Ihrem Aufruf zum Karfreitag den Weg zu einer wachsenden Fruchtbarkeit folgendermaβen zu definieren:

Die Seele, die sich Mir weiht, diese Weihe mit Herz und Seele in Anwendung bringt, und das nachfolgende Gebet regelmäβig durch Mich an Jesus gibt, soll eine gründliche Reinigung und eine umfassende Befreiung von den Spuren aller Sünden und Fehler ihres ganzen Lebens bekommen.

Weihe ist ein auβerordentliches Phänomen. Gott hat die Weihe an Maria, die 'Königstochter' und Mutter des Messias, ins Leben gerufen als den fruchtbarsten und zweckmäβigsten Weg in ein Leben, das hinsichtlich der Verwirklichung Seines Heilsplans wahrlich fruchtbar ist. Weihe ist der Bund, durch welchen sich die Seele freiwillig vollkommen, mit ihren ganzen Lebenssituationen und mit allem, was in ihr lebt und was von ihr ausgeht, in den Dienst von Gottes Heilsplan stellt. Die Seele bestätigt dadurch mit ihrem freien Willen Gottes Wunsch und ihr eigenes wahres Lebensziel: Sie ist nur dazu auf der Welt, Gottes Heilsplan zu seiner Vollendung führen zu helfen. Gott hat jede Seele dazu berufen, aber durch die freiwillige Weihe bestätigt die Seele Gott gegenüber, dass sie diesem Göttlichen Wunsch vollkommen gerecht werden möchte.

Vorausgesetzt, dass die Weihe an Gottes Heilsplan in jeder Lebenssituation von Herzen und mit Liebe gelebt und angewandt wird, und ständig durch ein bewusstes Anstreben der Vollendung von Gottes Plan mit der Schöpfung (jenem der Gründung von Gottes Reich auf Erden) genährt wird, bekommt sie einen zusätzlichen Wert, eine absolute Krönung, wenn sich die Seele Gottes Plan durch eine vollkommene Selbsthingabe an Maria weiht. Die Gottesmutter ist das Vorbild schlechthin einer vollkommenen Fruchtbarkeit für Gottes Heilsplan, aufgrund des absolut heiligen Lebens, das sie geführt hat. Darüber hinaus hat Gott Sie dazu auserwählt, die Mächte des Lichtes im ständigen Kampf gegen die Finsternis zu führen. Dieser Kampf soll kraft einer Göttlichen Verheiβung mit dem endgültigen Sieg von Gottes Liebe und Licht über alle Sünde und Finsternis, und dadurch mit der Gründung von Gottes Reich auf Erden enden. Von jeder Seele wird allerdings erwartet, dass sie dadurch aktiv dabei mitwirkt, dass sie sich in jeder Situation ihres Lebens zugunsten dieses Sieges und zwecks Demütigung und Schwächung aller Finsternis in ihrem eigenen Herzen und in der ganzen Welt anstrengt.

Marias Aufgabe besteht darin, dass Sie die Seele, die sich Ihr dadurch vollkommen verschenkt, dass sie sich Ihr vollkommen zu Diensten stellt, auf jedem Meter ihres Lebensweges begleitet und Sich jeder Gelegenheit bedient, diese Seele innerlich vollkommen 'umzugestalten', das heiβt: in dieser Seele den guten Willen und sämtliche Anstrengungen mit der Gnadenwirkung, den notwendigen Inspirationen, und Führung bei der Belehrung zur Bildung der Seele zu einem wertvollen kämpfenden Element im ewigen Kampf gegen die Finsternis und für den Sieg des Lichtes zu bekleiden.

Die Himmelskönigin verspricht der Seele, die sich Ihr vollkommen, bedingungslos und ewig weiht und diese Weihe aktiv lebt, eine gründliche Reinigung und eine vollkommene Befreiung von den Spuren sämtlicher Sünden und Fehler ihres Lebens. Inständig gelebte Weihe an Maria reinigt die Seele dadurch, dass diese Lebenseinstellung die Seele Maria, der vollkommen heiligen Seele, immer ähnlicher machen kann. Ganz kurz ausgedrückt, kann die Reinheit der Seele als das Ausmaβ betrachtet werden, in welchem sie ein Spiegel von Gottes Verfassungen ist. Der Spiegel der Seele ist in dem Maβe desto besser dazu imstande, Gottes Licht einzufangen, wie die Seele von den Spritzern von Sünde und Untugend frei ist. Die Tiefe der Reinigung der Seele wird von dem Maβe bestimmt, in welchem sie von den Spuren aller Fehler und Sünden ihres ganzen Lebens befreit wird. Dies kann die Seele hauptsächlich durch die Beichte erreichen, ebenso wie durch inständig gelebte Weihe und durch das Streben danach, in sämtlichen Situationen des Lebens aus der wahren Liebe heraus zu handeln, mit anderen Worten: aus dem Streben danach, das Wohl der Mitgeschöpfe und Gottes Pläne und Werke zu fördern.

Jesus wurde dazu in die Welt gesandt, die Saat der Erlösung zu bereiten, die jede individuelle Seele durch freiwillige Bestätigung dieses Geschenkes in sich selbst zum Blühen bringen soll. Gott hat es so verfügt, dass die Heiligste aller Menschenseelen aller Zeiten, Maria, die Mutter des Erlösers, die Menschheit in einer vollkommenen Hingabe des ganzen Lebensweges an den Erlösungsplan für alle Menschenseelen vertreten sollte. Sie war für diese auβerordentliche Aufgabe gerüstet durch die Fähigkeit, auf mystische Weise sämtliche Leiden an Körper, Geist, Herz und Seele aller Geschöpfe in dem Maβe nachzuempfinden, wie dies Ihr von Gott – im Hinblick auf die Erfüllung Seiner Pläne – in jeder konkreten Lebenssituation vergönnt wurde. Diese Fähigkeit war in Ihr voll wirksam im Bereich sämtlicher Prüfungen und Leiden Ihres Göttlichen Sohnes während dessen ganzen Lebens auf Erden. Ganz konkret heiβt dies, dass die Gottesmutter sämtliche Leiden Jesu in Ihrem ganzen Wesen verspürte, ohne die äuβerlich sichtbaren Zeichen dieser Leiden aufzuweisen. Sie verarbeitete dies alles im Herzen und in der Seele, und auf unsichtbare Weise in einem Körper, der im Verborgenen unendlich schwer litt.

Für Gott ist es von unabschätzbar groβem Interesse, dass die Menschenseelen erkennen und glauben, dass Maria im tiefsten Sinne des Wortes die Miterlöserin der Menschheit ist, und dass sie erkennen, wie wichtig es für die Vollendung des endgültigen Sieges des Lichtes über die Finsternis ist, dass die Gottesmutter den Titel der Miterlöserin trägt. Die Erlösung konnte nur dadurch erfolgen, dass Sie Ihr Ja-Wort gab. Jesus betonte Gottes diesbezüglichen Wunsch, indem Er in Seinem Aufruf vom Karfreitag 2013 den Seelen auβerordentliche Gnaden verspricht, und zwar in dem Maβe, wie sie das Gebet 1274 am Karsamstag 33 Mal "in einem tiefen Glauben an Meine Mutter als Miterlöserin der Seelen" spricht.

Gebet Nr. 1274 – Gebet vollkommener Hingabe an den gekreuzigten Jesus – wird vom Erlöser bezeichnet als: "das machtvollste Gebet, das Meine und deine Mutter und deine Herrin dir je geschenkt hat". Dies enthüllt bereits den immensen Wert der vollkommenen Hingabe an den gekreuzigten Erlöser für die Fruchtbarkeit der Seele innerhalb von Gottes Heilsplan. Gottes Heilsplan kann nur in dem Maβe vollendet werden, wie möglichst viele Seelen aktiv bei ihrer Erlösung mitwirken.

Im Grunde genommen ist dieses Gebet eine Weihe des ganzen Lebens der Seele an Gott, und zwar aufgrund eines vollkommenen Glaubens an die wahren Eigenschaften Jesu und Mariä, wie sich aus den einführenden Worten des Gebets ergibt:
Jesus Christus, Gottes Messias, Erlöser der Seelen, durch Marias makellose Liebe, Deiner und meiner Schmerzensreichen Mutter und Miterlöserin der Seelen (…)

Die Seele kann nur in dem Maβe erlöst werden, wie sie glaubt, dass Jesus Christus der Messias ist, der von Gott dazu in die Welt gesandt wurde, die Saat der Erlösung auszustreuen. Jede Seele soll diese Saat dadurch in sich zum Blühen bringen, dass sie ihr Leben freiwillig in den Dienst von Gottes Plänen und Werken stellt. Wenn sie nicht felsenfest daran glaubt, dass Jesus der Erlöser ist, glaubt sie auch nicht an den Göttlichen Ursprung des Erlösungswerkes, noch an die Tatsache, dass Gott verfügt hat, dass Leiden, die in Hingabe und Liebe getragen werden, die Finsternis ausgleichen und sie letztendlich besiegen werden. Jeder Mangel an Glauben an dies alles hindert die Seele daran, die Saat der Erlösung in sich aufzunehmen.

Der Kanal, der dieses Gebet inspiriert hat (Maria), und dadurch ebenfalls die Quelle, aus welcher es hervorgekommen ist (Gottes Geist), mit welcher der Kanal kraft eines Göttlichen Mysteriums vollkommen eins ist, laden die Seele betont dazu ein, ihre Weihe ebenfalls auf einen Glauben an Maria als Schmerzensreiche Mutter und Miterlöserin zu gründen, das heiβt: auf einen Glauben an die Macht dieser Eigenschaften um die Erlösung der Seele vollenden zu helfen. Auβerdem tätigt die Seele ihre Weihe an den gekreuzigten Erlöser durch Marias unbefleckte Liebe. Durch diese Formel lässt die Seele ihre Weihe zum Erlöser hin flieβen durch den Filter der absolut vollendeten Liebe Mariä, die ohne Sünde ist und aufgrund Ihrer Unbefleckten Empfängnis eigentlich bereits vor Ihrem Leben auf Erden einen Vorschuss auf die Erlösung erhalten hatte. Alles, was zu Gott flieβt – d.h.: Ihm angeboten wird – durch Marias Herz, erreicht Sein Herz in vollkommen gewaschenem Zustand und gleichsam mit dem Parfüm der vollendeten Heiligkeit besprengt. Bedenken wir dabei, dass die Herrin aller Seelen 'Heiligkeit' definiert als 'die Fähigkeit besitzend, Heil über die Schöpfung zu bringen'. Dort liegt letzten Endes die einzige Zielsetzung einer jeden Weihe.

Auf der Grundlage des Bekenntnisses ihres Glaubens daran, dass Jesus der Messias und Erlöser ist, dass Maria die Schmerzensreiche Mutter und Miterlöserin ist, und dass jede Weihe dann geheiligt wird (d.h.: ihre volle Kraft und Fruchtbarkeit innerhalb von Gottes Heilsplan erhält), wenn sie durch die unbefleckte Liebe vorgenommen wird – mit anderen Worten: durch die vollkommene, wahre, uneigennützige und von nichts verunreinigte Liebe – vertraut die Seele nun drei groβe Dinge jeweils einem von drei wichtigen Faktoren der Erlösung an:

1. Die Seele vertraut sämtliche Fehler, Versäumnisse, Verstöβe und Augenblicke der Lieblosigkeit ihres Lebens der reinigenden Wirkung des Heiligen Blutes Christi an.

Das Heiligste Blut Christi gilt als Faktor, der alles mit Göttlichem Leben bekleidet. Blut ist im Körper der Träger der Nährstoffe und des Sauerstoffs, und ebenfalls der Träger von allem, was aus den Geweben entfernt werden muss weil es Schaden zufügen kann. Auf der seelischen Ebene lässt sich das Blut Christi (des Gott-Menschen!) betrachten als den Träger der Nahrung und des Sauerstoffs, die jede Seele für ihre Blüte braucht, und… der 'Abfälle' – der Spuren von Sünde und Untugend – die ihre Erlösung gefährden. Gerade deswegen vertraut die Seele durch dieses auβerordentlich machtvolle Gebet all dasjenige, wodurch sie in ihrem Leben durch ihre eigenen Verfassungen und ihr eigenes Tun und Lassen von Gottes Gesetz abgewichen ist, dem Blut Christi an. Dieses Blut ist als Zeichen dafür geflossen, dass Gott alle Finsternis in dem absolut vollendeten Träger Göttlichen Lebens hat ertränken wollen. Während der Leiden Jesu lieβ Er gleichsam unaufhörlich Göttliches Leben über die sündhaften Seelen flieβen. Wenn die Seele in tiefem Glauben und tiefer Liebe ihre eigenen Fehler, Versäumnisse, Verstöβe und Augenblicke der Lieblosigkeit im Heiligsten Blut Christi untertaucht, bringt sie dadurch den Willen zum Ausdruck:

  • dass alle Finsternis, an welcher sie in ihrem Leben Schuld hatte, durch die heiligenden Wirkungen der Leiden des Erlösers ausgeglichen werden möge, und
  • dass in ihr diese ganze Finsternis gegen Göttliches Leben ausgetauscht werden möge.

Die Tatsache, dass eine Weihe der ganzen Schuld, die sich die Seele im Laufe ihres Lebens auf Erden aktiv angesammelt hat, unbedingt notwendig ist, liegt darin, dass keine Seele nach diesem Leben bei Gott leben kann solange sie nicht vollkommen von aller Finsternis befreit worden ist, die sie aufgrund ihres eigenen Verhaltens und ihrer eigenen Gesinnungen und Verfassungen über die Schöpfung hat bringen helfen. Die Befreiung von dieser Finsternis bezeichnen wir als 'sich mit Gott versöhnen'. Dies erfolgt durch die sakramentale Beichte, kann allerdings in Erwartung der Beichte durch Weihe vorbereitet werden, indem sich die Seele durch die Weihe bereits aktiv, bewusst und freiwillig Gott gegenüber zu ihren Schulden bekennt, Ihm ein Zeichen dafür setzt, dass sie sich danach sehnt, sich vollkommen mit Ihm zu versöhnen, und die Weihe die Wirkungen ihres schuldhaften Verhaltens und ihrer schuldhaften Verfassungen ausgleichen helfen kann, weil diese Spuren von Finsternis bewusst dem Licht anvertraut werden. So kann die Seele erwirken, dass ihre Schulden nicht länger der Finsternis dienen und den Gnadenstand der ganzen Menschheit negativ beeinflussen, sondern dass diese im Gegenteil in Gottes Heilsplan eingeschaltet werden und dadurch gleichsam gegen die Finsternis benutzt werden. Dies wird dadurch ermöglicht, dass aufrichtige Weihe immer eine Frucht aufrichtiger Liebe ist.

Jede Seele leidet nicht nur unter der Finsternis, die sie selbst herbeiführt oder zu der sie selbst beiträgt, sie ist ebenfalls Trägerin von Schätzen, die sie allerdings durchwegs nicht als solche erkennt und von denen sie oft nicht den Wert für ihre eigene Erlösung erkennt. Viele Bürden des Alltags werden unter Einfluss der üblichen weltlichen Betrachtungsweise gewöhnlich als Finsternis betrachtet oder empfunden, während sie durch Weihe in viel Licht für das Ewige Leben der Seele umgestaltet werden können:

2. Die Seele vertraut sämtliche Verletzungen und alles Leid ihres ganzen Lebens der heilenden Wirkung der Heiligen Wunden Christi an.

Sämtliche Verletzungen und alles Leid des ganzen Lebens sind die Prüfungen und die Leiden an Seele, Herz, Geist und Körper, sämtliche Krankheiten, Rückschläge, alles Herzeleid, sämtliche inneren Qualen, sämtliche Augenblicke, die in der Erinnerung oder in der Empfindung der Seele gleichsam mit Finsternis bzw. mit Wolken bedeckt sind. Es sind gerade jene Erfahrungen, welche die Seele mit dem leidenden Christus eins machen können und die für die Seele "dasjenige ergänzen können, was noch an den Leiden Christi fehlt", mit anderen Worten: welche die Seele in den Stand versetzen, die erlösenden Werke Christi in ihrem eigenen Leben fruchtbar zu machen. Damit sich dies vollzieht, müssen sämtliche Prüfungen in Verfassungen getragen werden, welche jenen des leidenden Christus möglichst ähnlich sind. Die Herrin aller Seelen lässt diesbezüglich unter anderem auf Die Ernte der Ewigen Liebe verweisen.

Sämtliche Prüfungen des Lebens können durch die Wunden Christi symbolisiert werden. Wunden sind Schäden, die einem Körper unter Einflüssen zugefügt werden, welche dessen Integrität und Gesundheit gefährden. Etwas Ähnliches kann auch in der Seele erfolgen. Wenn die Prüfungen des Lebens nicht in der richtigen Einstellung getragen werden – nämlich nicht in Annahme und aufrichtiger Liebe – können sie der Seele schaden. Eine geprüfte Seele, die nicht die richtige Liebe aufbringt, noch den Glauben an den tiefen Sinn und Wert ihrer Prüfungen, macht sich selbst innerhalb von Gottes Heilsplan unfruchtbar und bringt nicht selten zusätzliche Finsternis über die Schöpfung.

Die Wunden Jesu können die wahrhaftig gläubige und liebende Seele von den negativen Einflüssen der Schläge des Lebens heilen (Entmutigung, beeinträchtigtem Glauben, Widerstand gegen Gottes Vorsehung, Verbitterung, usw.). In der Weihe an die Heiligen Wunden Christi drückt die Seele aus, sich eins mit dem leidenden Jesus zu machen, und lernt sie, die Wolken über ihrem eigenen Lebensweg zu relativieren in der Erkenntnis, dass diese in Licht umgewandelt werden können, das die Wolkendecke über der ganzen Schöpfung aufreiβen hilft.

Jede Seele leidet unter eigenen Sünden und Fehlern, ebenso wie unter den finsteren Erfahrungen des Lebens, zu welchen sie nicht selbst aktiv oder bewusst beigetragen hat, die allerdings von Gottes Vorsehung für sie verfügt bzw. für ihre Heiligung zugelassen worden sind. Dieses irdische Leben ist aber kein Ziel an sich, es ist nichts mehr als ein Sprungbrett zum Ewigen Leben. Keine der Millionen von Einzelheiten im Rahmen sämtlicher Ereignisse und Situationen des Alltags einer Menschenseele hat einen Wert an sich; diese ganze Verkettung von Bausteinchen des Lebens ist nichts anderes als eine Lehrschule, die Gottes Vorsehung die Seele auf Erden durchlaufen lässt, mit diesem einzigen Ziel vor Augen: ihre Heiligung und Ewiges Leben in der Glückseligkeit des Himmels, und damit einhergehend, die Vollendung von Gottes Heilsplan für die ganze Schöpfung. Jedes menschliche Leben auf dieser Welt bezieht seinen einzigen Sinn tatsächlich nur daraus, dass ein gebührender Beitrag zur Vollendung von Gottes Plan zu leisten ist, und daraus, dass sich die Seele selbst heiligen muss um diesen Beitrag leisten zu können. Da liegt gerade die Grundlage für den dritten Teil dieser Weihe:

3. Die Seele vertraut alles, was ihren Eintritt in die Ewige Glückseligkeit des Himmels verhindern kann, dem Heiligen Kreuz Christi an.

Die Heiligung der Seele, mit anderen Worten die Verfassung, durch welche die Seele Heil über die Schöpfung bringen kann, ist ihr Schlüssel zur Ewigen Glückseligkeit im Himmel. Das Kreuz Christi ist das Symbol des Sieges über alles, was die Seelen daran hindern kann, in die Ewige Glückseligkeit einzutreten. Das Kreuz ist Gottes Zeichen Seines Sieges über das Böse, über Satan und seine Werke von Tod und Verderben, und Zeichen der Erlösung der Menschenseelen.

Durch diese Weihe schlägt die Seele gleichsam sämtliche Einflüsse, die ihr Ewiges Leben bedrohen, ans Kreuz, als Zeichen dafür, dass sie sich nach Erlösung sehnt. So kann sie helfen, sämtliche Werke der Finsternis in ihrem Leben unwirksam zu machen.

Was kann die Seele daran hindern, in die Ewige Glückseligkeit des Himmels einzutreten? Alles, was sie von Gott entfernt. Die Seele bleibt wahrlich mit Gott verbunden solange sie in sämtlichen Situationen ihres Lebens aufrichtig, spontan und freiwillig die Erfüllung Seines Gesetzes der Liebe anstrebt, und sie jede Einzelheit ihres Lebens an der Verwirklichung Seiner Werke des Heils für die ganze Schöpfung orientiert. Konkret heiβt dies, dass Gott von jeder Seele erwartet, dass sie beharrlich und vollkommen uneigennützig das Wohl aller ihrer Mitgeschöpfe ebenso wie die Vollendung von Gottes Heilsplan anstrebt, und zwar in jeder Einzelheit ihres Alltags. Die Seele kann ihren Alltag nur in dem Maβe zur höchsten Fruchtbarkeit für Gottes Pläne und Werke führen, wie sie jede Situation, ebenso wie die inneren Verfassungen, in welchen sie diese lebt, bewusst empfindet. Eine Situation wirklich bewusst zu leben, heiβt: sie derart in sich aufzunehmen und einbauen, dass es ihr so vorkommt, als gäbe es auβer dieser Situation gar nichts. Durch eine solche Art und Weise, an die Dinge heranzutreten, holt die Seele aus jeder Situation all dasjenige heraus, was Gottes Vorsehung für die Seele in dieser Situation hinterlegt hat, und benutzt sie diese voll und ganz für die Vervollkommnung ihrer inneren Verfassungen für die Blüte der wahren Liebe in sich.

Gottes Heilsplan bezweckt die Gründung von Gottes Reich auf Erden. Diese Gründung heiβt konkret, dass die wahre Liebe in möglichst vielen Menschenseelen zum Leben erweckt werden muss, wodurch den Werken der Finsternis auf dieser Welt jegliche Kraft geraubt werden soll und der wahre Friede Christi die Verfassungen aller Herzen beherrschen soll.

Die Sünde und alle Untugend, ebenso wie das Versäumen des Guten (das heiβt: die Nichterfüllung von Gottes Erwartungen der Seele gegenüber vor dem Hintergrund ihrer spezifischen Lebensaufgabe) entfernt die Seele von Gottes Herzen, dadurch, dass sie durch das alles nicht Gottes Werken dient, sondern den Werken der Finsternis, und dadurch die Gründung von Gottes Reich auf Erden aufhält oder aber diese aufschieben hilft. Die Seele hilft dadurch mithin, den eigenen Eintritt in das Himmelreich aufzuhalten oder aufzuschieben. Die Seele kann die Wirkungen von allem, was ihre Ewige Glückseligkeit nach diesem Leben gefährden kann, dadurch entkräften helfen, dass sie diese Einflüsse und Wirkungen dem Kreuz des Erlösers anvertraut, und dadurch, dass sie alles daran setzt, dass diese Einflüsse und Wirkungen künftighin in ihrem Leben keine Chance mehr bekommen. Sie soll, mit anderen Worten, ein Leben in der Nachfolge aller Tugenden anstreben. Tiefe Beschreibungen sämtlicher Tugenden und des Weges zur Heiligkeit hat die Herrin aller Seelen Ihre Myriam hauptsächlich in den Büchern Frühlingsblüten am Lebensbaum, Kreuzzug in die Seele, und Wiedergeburt des irdischen Paradieses vorbringen lassen.

Der Eintritt in die Ewige Glückseligkeit des Himmels ist für die Seele nur möglich wenn sie die Fülle der Liebe in sich aufgenommen und eingebaut hat. Unsere Lebensreise auf Erden ist im Grunde genommen ein Weg der Vervollkommnung der Empfindung und Anwendung der wahren Liebe. Die Himmelskönigin weist in Ihren Offenbarungen und Belehrungen darauf hin, dass die Seele nur in den Himmel eintreten kann sobald ihre Liebe vollkommen geworden ist, denn dass die Seele, in welcher noch Unvollkommenheiten wirksam sind, im Himmel gleichsam versengt werden sollte, indem sie die dort vorherrschende vollendete Liebe nicht ertragen könnte. Konkret heiβt dies, dass jede Einzelheit der Unvollkommenheit in der wahren Liebe ausgeglichen, beseitigt, 'abgebüβt' werden muss. Die Seele bekommt von Gottes wegen eine Menge von Chancen, dies während ihres irdischen Lebens zu tun. Da sie in der Welt jedoch mithin den unterschiedlichsten finsteren Einflüssen ausgesetzt ist, sieht sich die Seele einem sehr harten Kampf gegenüber, der keinen Augenblick lang aufhört und der nur in dem Maβe gewonnen werden kann, wie in der Seele der feste Wille vorherrscht, nichts zu tun, was nicht mit Gottes Heilsplan und Seinen Werken der Liebe vereinbar ist. Dieser Wille ist es, was wir als 'guten Willen' bezeichnen. Maria definiert 'guten Willen' folgendermaβen:

"Eine Seele guten Willens ist eine Seele, die ihren freien Willen voll und ganz an Gott orientiert, so dass ihre Handlungen, ihre Wünsche und Gedanken möglichst vollkommen eins mit jenen von Gott Selbst werden". (siehe Antwortbrief 131).

Jede Unvollkommenheit in der Verfassung der wahren Liebe in der Seele und in ihrem Willen, diese Verfassung in Verhalten umzusetzen, welches das Wohl eines jeden Mitgeschöpfes (Mensch oder Tier), das ihr auf den Lebensweg kommt, unabhängig davon, wie oft oder wie lange ihr Weg durch jenen dieses Mitgeschöpfes gekreuzt wird, muss während des Lebens der Seele auf Erden ausgeglichen werden. In dem Maβe, wie dies nicht der Fall ist, muss die Seele diese Wiedergutmachung im Fegefeuer leisten. Das Fegefeuer ist ein Seinszustand, der dazu vorgesehen worden ist, die Seele nach ihrem Leben auf Erden in den Stand zu versetzen, durch die Leiden (den Schlüsselfaktor zur Erlösung!) zur Wiedergutmachung sämtlicher Unvollkommenheiten ihres irdischen Lebens zu kommen. Im Fegefeuer leidet die Seele im 'Feuer' der Reue und einer tiefen und vollkommenen Erkenntnis von ihren Verstöβen gegen die Liebe und davon, was diese Verstöβe sowohl Gott als ihre Mitgeschöpfe gekostet haben.

In der Stunde ihres irdischen Todes erscheint die Seele vor Gott, der ihr wie in einem Blitz einen vollständigen und detaillierten Film ihres ganzen Lebens zeigt. Die Seele sieht dabei sich selbst durch die Augen Gottes. Sie sieht somit ihr vergangenes Leben aus der Sicht der vollendeten Liebe, und erkennt dadurch plötzlich voll und ganz, was jede ihrer Handlungen, Versäumnisse, Worte, Gedanken, Gefühle und Bestrebungen konkret für Gottes Heilsplan, für das Wohl jedes Mitgeschöpfes, mit dem sie in Berührung gewesen ist (und wenn es nur für wenige Augenblicke war) und für den Gnadenstand der ganzen Schöpfung bedeutet haben. Die Seele sieht jetzt jede Einzelheit ihres Lebens, frei von jeglicher Verschleierung von Seiten der Finsternis, aber im vollen Licht von Gottes Liebe und Weisheit. Die Seele sieht während ihres Lebensgerichtes die Folgen, die ihr ganzes Tun und Lassen und alle ihre inneren Verfassungen und Bestrebungen für Gottes Werke gehabt haben, zu welchen sie ihren persönlichen Beitrag in jeder Situation ihres Lebens zu leisten hatte. Die Feststellung des Kontrastes zwischen der Art und Weise, wie sie selbst die Einzelheiten ihres Lebens betrachtete, und der Art und Weise, wie Gott Selber dies tut, erweckt in der Seele das Feuer der Reue zum Leben, das die Wirkungen ihrer Verstöβe gegen die wahre Liebe allmählich verbrennen wird.

Reue ist Herzeleid wegen der Erkenntnis von demjenigen, was man Gott und seinen Mitgeschöpfen angetan hat. Zusammen mit der neu erworbenen Erkenntnis von der Natur der wahren Liebe von Gott Selbst erweckt dies in der Seele das inständige Sehnen nach Wiedergutmachung und einen erlösenden Schmerz über die eigenen Unvollkommenheiten und deren Folgen für Gottes Heilsplan und für die eigenen Mitgeschöpfe, die durch diese Unvollkommenheiten im Herzen verletzt worden sind. Selig die Seele, in der dieser ganze Vorgang bereits während des Lebens auf Erden die Chance bekommt, sich auszuwirken. In dem Maβe, wie die Seele nicht den Mut, den Willen oder die Liebe aufgebracht hat, damit anzufangen, diesen Vorgang der Läuterung und der Wiedergutmachung während ihres Lebens auf Erden zu vollziehen, muss sie es im Fegefeuer durchstehen, wo die Schmerzen noch heftiger sind, weil die Seele in der Stunde ihres Todes Gott begegnet ist und ihr Sein Urteil über ihr Leben ebenso wie die Empfindung der vollendeten Liebe eingegossen worden ist.

Wie die Herrin aller Seelen mit so viel Betonung in Ihrem Novembergebetsplan hat nachweisen lassen, bildet die Vergebungsbereitschaft einen der wichtigsten Schlüssel zur Erlösung der Seele. Aus diesem Grunde ist der nachfolgende Satz aus dem Gebet 1274 so auβerordentlich bedeutungsvoll:
O Jesus, am Fuβ des Kreuzes will ich allen Seelen vergeben, die mir Unrecht oder Leid zugefügt haben.

"Am Fuβ des Kreuzes" ist mehr als eine Metapher. Die Himmelskönigin bezeichnete im Laufe der vergangenen Jahre Kalvaria wiederholt als 'den Berg der Sünden'. Das Kreuz Jesu stand gleichsam auf dem Schuldenberg der ganzen Menschheit aller Zeiten, als Zeichen des Sieges der Erlösung über die Finsternis, des Göttlichen Lebens über den Tod der Seelen wegen der Sünde. Das Leben der Seele kann als Kreuzweg von Leiden unter den unterschiedlichsten Prüfungen betrachtet werden, aber auch als einen ununterbrochenen Aufstieg auf den Berg der eigenen Unzulänglichkeiten in einem ständigen Versuch, diese zu überwinden. Oben auf diesem Berg liegt der Sieg über die eigene Finsternis, und somit die Erlösung. Die Seele nähert sich während dieses Aufstiegs immer mehr dem gekreuzigten Christus, mit dem sie im Herzen und in der Seele eins werden soll.

Die Seele soll jeden Tag wieder im Herzen den Fuβ des Kreuzes erreichen, eins mit den Einstellungen und Verfassungen des erlösenden Christus, die sich aus wahrer selbstverleugnender Liebe und dem alles beherrschenden Willen zusammensetzen, Gottes Plänen und Werken ebenso wie dem Wohl aller Geschöpfe zu dienen. Dieses 'Wohl' ist dabei nicht an erster Stelle als materielles Wohlergehen zu verstehen, sondern vor allem als die Empfindung der Geborgenheit in der wahren Liebe und der Empfindung von Gottes Gegenwart.

Am Fuβe des Kreuzes Jesu soll die Seele zur vollkommenen Vergebung allen Mitgeschöpfen gegenüber kommen, die ihr während ihres Lebens Unrecht oder Leid zugefügt haben, oder aber von denen sie meint, diese hätten ihr Unrecht oder Leid zugefügt. Solange die Seele nicht von ganzem Herzen vergeben kann, bleibt die Finsternis, die durch den Verstoβ geweckt worden ist, in Kraft. Sobald die Seele von Herzen vergibt, verliert die Finsternis in ihrem Leben ihre ganze Kraft, und geht für die Seele die Tür zur vollständigen Erlösung auf. In der von Herzen vergebenden Seele verliert die Finsternis einen Groβteil ihrer Nahrung. Sollten alle Seelen all dasjenige, was ihnen an Unrecht zugefügt worden ist bzw. von dem sie meinen, es wäre ihnen zugefügt worden, von Herzen vergeben, so wäre Gottes Reich tatsächlich auf Erden gekommen, denn dann würden die Wirkungen sämtlicher Sünden und Untugenden auf dieser Welt in allen Herzen zunichte getan werden. Der Mangel an Vergebungsbereitschaft hält die Macht Satans über diese Welt instand.

Gott vergibt Sünden. Trotzdem betrachtet Er diese Vergebung erst dann als vollkommen, sobald die Menschenseele sich dieser Vergebung von Herzen anschlieβt. Diese Einstellung Gottes ist keine Ausnahme. Wie sich herausstellt, handelt es sich da um eine feste Regel in der Anwendung Seiner Liebe: Er will die Menschenseele aktiv in Seine ganzen Handlungen einbeziehen, damit der Bund seine volle Auswirkung bekommt. Dieser Bund ist vom gekreuzigten Jesus besiegelt worden. Auch die Erlösung soll ja von jeder individuellen Seele freiwillig vollendet werden. Ebenso wie das Erlösungswerk Christi ist auch Gottes Vergebung ein Schlüssel, der durch Mitwirkung von Seiten der Menschenseele umgedreht werden soll, damit die Wirkungen sich in der Schöpfung auswirken können. Die Seele kann das alles nur in dem Maβe verwirklichen, wie sie in sich die Gnaden einzubauen versteht, die im letzten Satz des Gebetes 1274 herabgebeten werden

Geruhe, mir zu vergeben, wecke in mir eine
lebenslängliche bedingungslose Liebe,
und gewähre mir eine bleibende
Wiedergeburt aus Maria.

Geruhe, mir zu vergeben:

Die Seele soll sich danach sehnen, von Gott (und ebenfalls von ihren Mitgeschöpfen) vergeben zu werden. Indem er Vergebung schenkt, lässt der Vergebende den Verstoβ im Meer der Liebe versinken. Der Verstoβ wird nicht länger als etwas betrachtet, das verletzt, schmerzt oder schadet. Solange dies schon noch der Fall ist, entwickelt der Verstoβ – der letztendlich ein Werk der Finsternis war, da er nicht gemäβ Gottes Gesetz der Liebe erfolgt ist – nach wie vor seine finsteren Wirkungen. Er wird ja ständig von Gefühlen des 'Geschädigt-Seins' genährt. Sobald von Herzen Vergebung geschenkt wird, befreit sich der Vergebende selber von jenen Wirkungen, und befreit er mithin denjenigen, dem er Vergebung schenkt, von den Wirkungen seiner Schuld auf seine eigene Seele und befreit er die Schöpfung von der Finsternis, die infolge eines nicht vergebenen Verstoβes auf ihr lastet. Vergebung zu schenken, ist dadurch immer ein Sieg über die Finsternis und ein Schritt in Richtung der Vollendung von Gottes Heilsplan.

Wenn sich die Seele nach Vergebung sehnt, heiβt dies, vorausgesetzt, sie tut dies nicht eigennützig (zum Beispiel, damit sie nicht länger als 'Schuldige' angewiesen wird), dass sie sich mit demjenigen, dem sie Unrecht zugefügt hat, versöhnen möchte. Wenn dies aus den richtigen Gründen erfolgt, bringt dies somit der Erkenntnis der Seele zum Ausdruck, dass sie dadurch eine Schuld auf sich trägt, dass sie die Liebe in Gott und bzw. oder in ihrem Mitgeschöpf verletzt hat. Da keine einzige Seele ein Leben ohne die geringste Sünde, die geringste Untugend oder das geringste Versäumnis Gott und ihren Mitgeschöpfen gegenüber führt, bedarf jede Seele der Vergebung von Seiten Gottes, denn ohne Vergebung und ohne ihr eigenes Sehnen danach, vergeben zu werden, kann sie nicht von Schuld frei werden, und die Seele kann nicht in die Ewige Glückseligkeit des Himmels eintreten solange sie noch irgendwelche Schuld in sich trägt, sogar dann, wenn diese Schuld sehr gering ist.

Das Ewige Leben im Himmel ist im Grunde genommen der Lohn für ein Leben, das konkret im positiven Sinne zur Verwirklichung von Gottes Zielsetzung mit Seiner Schöpfung beigetragen hat. Gott hat Sich ab der Schöpfung der ersten Menschenseele zum Ziel gesetzt, dass jede Seele in Seinem Reich der vollendeten Liebe leben soll. Auf Erden ist dieses Reich durch die Erbsünde schwer erschüttert worden. Die Erbsünde hat in allen Seelen eine Furche (gleichsam einen Graben) gezogen, durch welche ständig Göttliches Leben aus der Seele hinwegflieβt statt die Seele voll und ganz zu ernähren. Die Wirkungen dieser Furche werden in jeder individuellen Seele in dem Maβe ausgeglichen, wie die Seele aufrichtig und beharrlich danach strebt, vollkommen gemäβ der wahren Liebe zu leben und ihre Schulden Gott gegenüber freiwillig zu begleichen. Diese Begleichung kann während des Lebens auf Erden erfolgen, oder aber nachher im Fegefeuer. Das Ausmaβ, in dem die Seele danach strebt, diese Begleichung bereits auf Erden vorzunehmen, bezeugt das Maβ ihrer Liebe: Begleichung im Fegefeuer ist die Begleichung der zweiten Chance, weil sich die Seele auf Erden eine Schuld angesammelt hat, die sie nicht vollständig hat tilgen können, oder weil sie auf Erden zu wenig dazu motiviert war, ihre eigenen Bedürfnisse und Interessen jenen von Gott und jenen der ganzen Schöpfung unterzuordnen. Begleichung auf Erden ist die Frucht eines aktiven Sehnens nach Wiedergutmachung, in der Erkenntnis, dass diese Wiedergutmachung notgedrungen auf Kosten der Befriedigung eigener Bedürfnisse und Interessen geht. Durch Begleichung ihrer Schuld während ihres irdischen Lebens zeigt die Seele, dass sie Gottes Pläne und Werke für wichtiger als ihre eigenen Wünsche hält.

Wecke in mir eine lebenslängliche bedingungslose Liebe:

Jede Seele ist dazu auf Erden, den von ihr erwarteten Beitrag zur Vollendung von Gottes Heilsplan zu leisten. Diese beiden Lebensaufgaben beeinflussen sich ständig gegenseitig: Je mehr sich die Seele anstrengt um alle Situationen ihres Alltags, egal wie banal diese auch sein mögen, in der Fülle der Tugendhaftigkeit zu leben und mit der Fülle der Tugendhaftigkeit zu bekleiden, desto fruchtbarer wird ihre Rolle innerhalb von Gottes Heilsplan. Umgekehrt leistet jede Anstrengung der Seele, möglichst fruchtbar für die Vollendung von Gottes Werken und Plänen zu sein, ihrer Heiligung Vorschub.

Die Königin – es lieβe sich sogar sagen: die Mutter – aller Tugenden ist die Liebe. Jede der Tugenden steht auf die eine oder andere Weise mit der Liebe im Zusammenhang, und wird nur in dem Maβe empfunden und angewandt, wie die Seele die Liebe instand halten will. Die Herrin aller Seelen vergleicht die Tugenden gerne mit einem Baum. Die Liebe ist der Stamm dieses Baumes, die anderen Tugenden sind die Äste. Das heiβt, dass sämtliche Tugenden aus der Liebe genährt werden. Um einen Baum gesund zu machen und zu erhalten, genügt es nicht, die Äste zu reinigen. Die Äste können nur in dem Maβe wirklich rein, stark und fruchtbar werden und bleiben, wie sie aus einem starken und gesunden Stamm genährt werden.

Der groβe Feind der Liebe und der spontanen, bewusst gewollten und aufrichtigen Anwendung derselben ist die Welt mit ihren ganzen Denkströmungen und Auffassungen, welche die Seelen in allen erdenklichen Bereichen von Gott und von ihrer wahren Lebensberufung wegführen, und die sogar die Existenz Gottes unglaubwürdig zu machen versuchen. Deshalb ist die Liebe einer jeden Menschenseele in einem gewissen Ausmaβ verunreinigt und vergiftet, und in immer mehr Seelen liegt sie unwiderruflich im Todeskampf. Die heutige Welt treibt die Seelen zu Einstellungen, die sie dazu anregen, aus einem denkenden und analysierenden Verstand heraus zu leben. Gott und Seine Werke allerdings, ebenso wie die wahre Rolle eines jeden Geschöpfes auf dieser Welt, lassen sich nicht vollkommen mit dem Verstand ergründen, sie werden nur empfunden, denn jede Verbindung zwischen der Seele und ihrem Schöpfer verläuft durch das Herz, nicht durch den Verstand.

Damit sie ihre wahre Lebensaufgabe auf eine fruchtbare Weise vollenden kann, muss die Seele deshalb unaufhörlich eine Höchstblüte in der Empfindung und Anwendung der wahren Liebe anstreben, und muss sie zu dem Zweck jede Situation, die Gottes Vorsehung ihr auf den Weg bringt, voll und ganz als Lehrschule und als Quelle der Vervollkommnung benutzen. Die Seele kann ohne Gott nichts tun, denn Er ist die Quelle ihrer täglichen Ernährung, ihrer Energieversorgung, der Spender und Instandhalter ihres Lebens und der (oft verborgene) Kanal ihrer Führung durch die Situationen des Alltags. Die Liebe ist die Essenz von Gottes Wesen und des Göttlichen Lebens. Die Seele lebt nur in dem Maβe wahrlich (das heiβt: denkend, fühlend und betrachtend mit dem Herzen an Gott und Seinen Werken und Interessen orientiert), wie sie die uneigennützige, bedingungslose Liebe in ihre inneren Verfassungen eingebaut hat, sie diese in ihrem Leben voll zum Blühen zu bringen versucht, und sie diese in allen Einzelheiten ihres Lebens um sich herum zu verbreiten versucht.

Im Gebet 1274 bittet die Seele Jesus darum, Er möge in ihr eine bedingungslose Liebe wecken, die ihr ganzes Leben lang instand gehalten wird. Liebe ist nur in dem Maβe für die Vollendung der Lebensaufgabe der Seele fruchtbar, wie die Seele Gott und ihre Mitgeschöpfe ohne jeglichen Eigennutzen und bedingungslos liebt. Die Seele, die wahrlich liebt, verschenkt ihre Liebe ohne irgend etwas im Austausch zu verlangen, denn sie weiβ, dass sie alles nur von Gott erwarten kann; die Welt hat nichts zu bieten, das das wahre Leben ernähren oder instandhalten könnte.

Wichtig ist, dass die Seele Jesus nicht darum bittet, ihr Liebe zu geben, sondern darum, in ihr Liebe zu wecken. Die Seele wird erst fruchtbar sobald sie aufhört, sich dadurch als passive Partei zu verhalten, dass sie erwartet, Gott werde automatisch alles für sie in Ordnung bringen. Mit der Frage "Wecke in mir eine lebenslängliche bedingungslose Liebe" bittet die Seele im Grunde genommen um Gottes Hilfe damit es ihr gelingen möge, in sich die geeignete Einstellung zu entwickeln, damit sie zu jeder Zeit wahre Liebe aufbringen kann. Diese Gnade wird jeder Seele täglich geboten, aber die Seele kann diese Gnade nur verwirklichen aufgrund eines spontanen, freiwilligen und aufrichtigen Sehnens danach, ihre Fähigkeit, unter allen Umständen bedingungslos zu lieben, wachsen und blühen zu lassen. Durch diese Bitte bestätigt sie Gott gegenüber ihren Wunsch, im wahrsten Sinne des Wortes nach Seinem Bilde zu leben und sich somit voll und ganz mit Seinen 'Herzensverfassungen' erfüllen zu lassen, die erforderlich sind, eine vollkommene Fruchtbarkeit innerhalb von Gottes Heilsplan zu erreichen.

Gewähre mir eine bleibende Wiedergeburt aus Maria:

Die Seele, die sich vollkommen in Marias Dienst stellt, so wie dies in der aufrichtig gelebten Weihe ihres ganzen Lebens und ihres ganzen Wesens an Maria der Fall ist, lässt sich ungehemmt in den Verfassungen der einzigen Menschenseele untertauchen, die jeden einzelnen Augenblick Ihres Lebens in absolut vollendeter Heiligkeit verbracht hat. Die Himmelskönigin betrachtet es als Ihre Aufgabe, jede Seele, die sich Ihr vollkommen hingibt, d.h. alle Einzelheiten ihres Lebens, ihres ganzen Tuns und Lassens und ihrer ganzen inneren Verfassungen, Wünsche, Gedanken und Gefühle in innigstem Zusammenleben mit Maria vollkommen in den Dienst Gottes stellt, gleichsam auf einer immer höheren Ebene Göttlichen Lebens zu gebären. Sie wies bereits darauf hin, dass darin ein verborgener Aspekt der tiefen Bedeutung von demjenigen liegt, was Jesus als 'aus dem Geist neu geboren werden' bezeichnete: Maria ist die Braut des Heiligen Geistes; der Geist Gottes kann Sich durch Maria in die Seele ausgieβen. Maria ist somit auch in diesem Sinne die Mutter einer jeden Menschenseele, und kann in dieser Eigenschaft das (Göttliche) Leben an jede Seele weiterleiten.

Eine bleibende Wiedergeburt aus Maria ist kein einmaliges Geschehen, sondern ein Vorgang, der sich in einer Seele, die beharrlich eine immer gröβere Heiligkeit anstrebt, unaufhörlich vollziehen soll. Wahre Heiligkeit wird durch Ausdauer in dem Willen gekennzeichnet, immer näher zu Gott zu kommen. Die Seele die darum bittet, bekennt sich dadurch sowohl zu ihrem Wunsch, ständig zu blühen, als zur Erkenntnis von ihrer eigenen Unvollkommenheit. Ohne Gottes Gnade kann keine Seele im Heiligungsvorgang ausharren, da die Verlockungen der Welt (die sie von Gott zu entfernen versucht) unzählig und unendlich mächtig sind.

Die Herrin aller Seelen weist betont darauf hin, dass die Macht Satans über eine Seele nur so groβ ist wie die Schwachheit dieser Seele. Die Schwachheit einer Seele wird durch ihre Macht über ihre eigenen Bedürfnisse bestimmt. Die Welt schafft täglich neue Bedürfnisse, die weit über die lebensnotwendigen Bedürfnisse hinaussteigen. Je weniger Widerstand die Seele gegen die Versuchungen aufzubringen vermag, welche die Einflüsse aus der Welt in ihrem Körper, Geist und Herzen wachrufen können, desto schwächer ist sie. Heiligung ist ein Vorgang, durch welchen die Seele sich freiwillig, bewusst und beharrlich darin übt, ihre Macht über die Versuchungen aus der Welt gröβer werden zu lassen als die Macht, die von diesen Versuchungen ausgeht, so dass diese Versuchungen sie nicht länger von Gott entfernen noch den Boden der Seele unfruchtbar für die Aufnahme und die Blüte von Gottes Gnaden machen können.

Bleibende Wiedergeburt aus Maria ist ein Vorgang ständig zunehmender Weihe. Vollkommene Weihe ist ein Seinszustand, in welchem sich die Seele zum Lebensziel gesetzt hat, der Himmelskönigin immer inniger zu gehören und dadurch immer mehr nur für Gottes Werke zu leben. Diese Erkenntnis macht klar, wieso vollkommene Weihe an Maria der goldene Weg zu Gott ist. Jesus hat auch das gemeint, als Er vom Kreuz herab Maria allen Menschenseelen, und alle Menschenseelen Maria anvertraute ("Frau, siehe, Dein Sohn; Sohn, siehe, deine Mutter"). Auf Golgotha wurde die Gottesmutter die Mutter aller Menschen, damit Sie jede von ihnen aufs Neue aus dem Geist gebiert, und die Seelen durch Sie den vollkommenen Weg zu Gott gehen.

Schlussbetrachtung

Das Gebet vollkommener Hingabe an den gekreuzigten Jesus ist eine Schatzkammer der Gnaden. Vollkommene Hingabe heiβt soviel wie 'sich eins mit dem Willen desjenigen bzw. derjenigen machen, dem bzw. der man sich anvertraut'. Wenn die Seele dies wirklich aufrichtig und bedingungslos tut, nimmt sie die gröβte Heldentat vor, die Gott einer Seele abverlangen kann. Jedes Geschöpf hat von Gott einen freien Willen erhalten, der für Gott unverletzbar ist. Für Gott ist es wichtig, dass die Seele in allen Umständen ihres Lebens frei entscheiden kann, wie sie auf alle Situationen reagiert. Nur in dem Maβe, wie diese Bedingung erfüllt wird, können das ganze Tun und Lassen, alle Worte, Gedanken, Gefühle und Bestrebungen der Seele von Gott nach dem Maβe der freiwilligen Übereinstimmung mit Seinen eigenen Absichten beurteilt werden. Eine Seele, die unter Zwang handelt, gehorcht zwar, aber sie handelt dabei nicht unbedingt aus Liebe. Die Liebe ist allerdings der groβe Maβstab, nach welchem die seelische Fruchtbarkeit gemessen wird.

Vollkommene Hingabe ist die Essenz vollkommener Weihe. Die Seele bekennt sich dadurch demjenigen gegenüber, dem sie sich hingibt, dazu, dass sie sich vollkommen und bedingungslos in den Dienst von Gottes Plänen und Werken stellen möchte, mit ihrem ganzen Wesen und sämtlichen Einzelheiten ihres Lebens. Ab der vollkommenen Hingabe wird die Seele also bewusst und freiwillig vollkommen in Gottes Werke einbezogen. Vollkommene Hingabe an den gekreuzigten Jesus ist eine vollkommene Weihe an Gott in der Gestalt des leidenden Gott-Menschen, und wird somit von Gott als ein Bekenntnis der Bereitschaft verstanden, Seinem Heilsplan durch alle Prüfungen auf dem Lebensweg aktiv zu dienen. Ein Leben in vollkommener Hingabe an den Gekreuzigten durch die Herrin und Miterlöserin der Menschenseelen kommt dem Anstreben einer Einheit mit Christus im Mittelpunkt des Erlösungsplans gleich, und dadurch einer aktiven Beteiligung an der Vollendung der Erlösungswerke.

Nichts macht ein Menschenleben in Gottes Augen fruchtbarer und gröβer als die vollkommene Weihe der Seele an Maria im Hinblick auf die Einheit mit dem leidenden und erlösenden Christus. Genau aus diesem Grunde betont die Herrin aller Seelen in Ihrer Wissenschaft des Göttlichen Lebens so sehr den Wert der Leiden für die Heiligung der Seele. Keine Seele kann sich der von Gott für die Seelen vorgesehenen Vollkommenheit nähern ohne eine freiwillige, widerstandslose und liebevolle Hingabe an die Kreuze des Lebens im Bewusstsein dessen, dass diese die Seele eins mit Christus machen. Dieses Bewusstsein sät in der Seele den Frieden Christi, die Empfindung, dass sie in Gottes Herzen 'wieder daheim ist'.

Die Herrin aller Seelen weiβ, wie viel Licht das Gebet 1274 auf die Schöpfung ebenso wie in die betende Seele herabbringt, wenn es in tiefem Glauben, in aufrichtiger Liebe und in wahrer Sehnsucht vor Ihr und dem Gekreuzigten gebracht wird. Wenn dies am Karfreitag und am Karsamstag erfolgt, macht sich die Seele noch intensiver mit dem Erlöser und der Miterlöserin eins, zwecks Erschlieβung von Gottes Reich in den Herzen. Wenn das Gebet dreiunddreiβig Mal nacheinander gesprochen wird, vereint sich die Seele dadurch auf symbolische Weise mit dem Leben des Gott-Menschen auf Erden, das dreiunddreiβig Jahre lang gedauert hat. Alle diese Symbole übersteigen die Ebene der Bildsprache, sie beinhalten Göttliche Mysterien, welche der Schöpfer in Seelen verbirgt, die sie durch die Kraft der aufrichtigen Liebe als Schätze erschlieβen können, die nicht für weltliche Augen bestimmt sind, sondern zur ewig dauernden Verzückung werden für die Seele, die über die Dämmerung ihres weltlichen Daseins hinaus blicken will.

Für die Herrin aller Seelen,
Myriam – Fastenzeit 2014