2. Die besonderen einzigartigen Eigenschaften und Rolle Mariä innerhalb der Heilsgeschichte

2.1. Durch Maria ins Herz des Dreieiigen Gottes. Das mystische Hinüberflieβen Mariä in die Gottheit

Die Mission Christi als Erlöser auf Erden war Gottes Antwort auf den Kerker, den sich die Menschenseele durch die Erbsünde gebaut hatte. Jesus als Sohn Gottes und somit als Träger der Fülle der Gottheit konnte nur unter der Voraussetzung in einem menschlichen Körper geboren werden, dass Er von einer Frau getragen werden konnte, die es würdig war, die Gottheit in sich zu empfangen. Gottes Wahl fiel auf Maria. Sie musste vollkommen heilig sein. Eine Menschenseele konnte nur dann vollkommen heilig sein, wenn sie ohne die Erbsünde empfangen wurde, denn durch die Erbsünde hatte die Menschenseele ihre Heiligkeit dadurch verloren, dass sie zum ersten Mal gegen das Gesetz der wahren Liebe verstieβ und sich dadurch für die Finsternis und gegen das Licht entschied.

Maria, Die Frau, wurde unbefleckt empfangen – d.h.: frei von jeglicher Spur der Erbsünde – und empfing den Keim von Gottes Sohn unmittelbar vom Heiligen Geist ohne jegliche menschliche Einmischung in den Schoβ. Sie wurde dadurch in einem einmaligen Ausmaβ mit der Gottheit bekleidet, sodass Sie mit Recht als Tabernakel der Heiligen Dreifaltigkeit bezeichnet wird. Zwischen dem ganzen Wesen Mariä und der Gottheit entstand eine makellose Verbindung, über welche Gott Sein Gesetz, Seine Geheimnisse, Seine Weisheit und Seinen Willen vollkommen ungehemmt in Sie hinüberflieβen lassen konnte. Wegen der sehr weitgehenden Einheit des Herzens Mariä mit dem Herzen Gottes herrschte von Anfang an in Ihr eine Verfassung, die Sie zum makellosen Spiegel Gottes machte, was gleich heiβt, dass Sie in einem einmaligen Ausmaβ Gott der ganzen Schöpfung gegenüber gegenwärtig stellen konnte. Ursprünglich besaβ jede Menschenseele diese Fähigkeit, aber wegen der Erbsünde war keine einzige Menschenseele noch uneingeschränkt fähig um Gott ihren Mitgeschöpfen gegenüber zu vergegenwärtigen. In Maria allerdings hatte Gott nun in einem einmaligen Ausmaβ Sein Bild geprägt, und Sie erhielt dieses Bild dadurch lebenslänglich unversehrt, dass Sie ein vollkommen sündenloses Leben führte.

Wegen des Mangels an jeglichem Hindernis bezüglich der Einströmung von Gottes Gnadengaben in das Wesen Mariä lebte in Ihr die Fülle der Gnaden und konnte Sie die Rolle einer vollendeten Brücke zwischen Gott und den Menschenseelen erfüllen: Durch Sie kam die Gottheit in der Gestalt Christi zur Menschheit, und in Ihrem Herzen kann jede Menschenseele den goldenen Weg ins Herz Gottes finden. So besitzt Maria die auserlesene Eigenschaft um Seelen mit Gott zu verbinden. sie ist mithin die goldene Brücke über welche jede Menschenseele auf dem sichersten Weg quer durch die Ströme des Lebens Gottes Herz erreichen kann.

Gott hat es so verfügt, dass Sein Sohn auf Erden aus Maria geboren werden sollte. Damit die Nachfolge Christi und dadurch die Erlösung der einzelnen Seele vollkommen wird, soll nun jede Seele sich aus Maria (neu) geboren werden lassen, die ja die Brücke zwischen Gott und den Seelen ist, und damit die Brücke zwischen Gott und den Seelen vollendet wird, soll nun auch das Reich Gottes auf Erden aus Maria geboren werden.

Die Gründung von Gottes Reich auf Erden soll durch den endgültigen Triumph des Herzens Mariä vollendet werden, der durch ein lebendiges Zeugnis möglichst vieler Menschenseelen zugunsten einer intensiv gelebten Weihe an die unbefleckte und vollkommen sündenlose Seele zustande gebracht werden soll, in welcher Gottes Gnade vollkommen war. Jedes Menschenleben, das in vollkommener bedingungsloser Weihe an Maria geführt wird, ist ein lebendiges Zeugnis für den Willen um Spiegel von derjenigen zu sein, die unter allen Menschenseelen zur gröβten Verkörperung der Heiligkeit wurde. Aufgrund dieser Eigenschaft ist Sie Herrin aller Seelen, diejenige, der die Macht und die Fähigkeit geschenkt worden ist um Seelen innerlich vollkommen zu begleiten zwecks individueller Erschlieβung ihrer Erlösung, wodurch Maria mithin im tiefsten Sinn des Wortes Miterlöserin mit Christus ist, diejenige, die Seelen innerlich so führen und umgestalten helfen kann, dass sie ganz für die gröβte Blüte der Erlösungswerke erschlossen werden, die Christus für sie vollbracht hat.

Als Herrin aller Seelen ist Maria dazu berufen das wahre Licht in jeder Seele fruchtbar zu machen und jede Seele über die Goldene Brücke Ihres Unbefleckten Herzens zu Gott, Quelle und Bestimmung aller Dinge, zu führen.

Ja, Gottes Licht kann bestimmt direkt in die Seele hineinstrahlen, aber einst verglich Sich Maria mit einem farbigen glasbemalten Fenster. Sollte ein Mensch durch ein übliches Fensterglas in die Sonne schauen, so würde er sich selbst verblenden. Durch ein farbiges Glasfenster allerdings tritt das Sonnenlicht gedämpft und auβerdem mit auβerordentlicher Farbenpracht herein. Das Licht ist gleichsam viel besser für Menschenaugen geeignet. Auf ähnliche Weise kann Maria Gottes Licht solchermaβen in jede einzelne Menschenseele hereinführen, dass es strikt für diese einzelne Seele geeignet ist, sodass es diese nicht schmerzt noch sie verblendet, sondern sie in Verzückung versetzt und sie somit innerlich erheben helfen kann. So lässt Sich Maria als wohltuenden Filter betrachten, durch welchen Gottes Licht auf milde Weise Heil in die Seele bringen kann, sodass die Seele es gemäβ ihrer eigenen Verfassungen verwerten kann.

Wieso sollte die Seele versuchen, durch stürmisches Wasser den Strom schwimmend zu überqueren während ihr Gottes Vorsehung eine sichere, nicht wankende Brücke zur Verfügung stellt? Oder wieso sollte sie das Risiko eingehen, sich selbst dadurch zu verbrennen bzw. zu verblenden, dass sie durch ein Fenster direkt ins Sonnenlicht schaut, während sie die Verzückung des Sonnenlichts hinter einem farbigen Glasfenster erfahren kann? Kann man den Sohn Gottes ehren während man so tut, als hätte Er gar keine Mutter? Der Sohn mag es so sehr, wenn eine Seele durch Seine Mutter zu Ihm kommt, da Seine Mutter für Ihn das Symbol schlechthin für die gröβt mögliche Heiligkeit der Menschenseele ist, genauso wie der goldene Tabernakel, der Ihn neun Monate lang getragen hat und anschlieβend jeden Augenblick Seines Lebens als Gott-Mensch in der vollkommensten Einheit des Herzens mit Ihm verbunden war.

Dadurch, dass Er Maria restlos heiligte, damit Sie es würdig ist, den Gott-Menschen zu gebären und dadurch unmittelbar die Wiege der Erlösung der Menschheit wird, hat Gott Sie unerreichbar hoch über alles Menschliche erhoben. In Gottes Augen gilt es deshalb als schwere Beleidigung an Ihn und an Seine Erlösungswerke wenn eine 'christliche' Seele Maria, das absolute Wunderwerk Gottes, verleugnet bzw. Ihre einmalige Rolle und Position verkennt. Eine Seele kann unmöglich Maria verkennen und gleichzeitig Jesus folgen, denn Maria ist Teil von Jesus: Sie hat Ihm den Leib und das Blut gegeben, ist mit Ihm eines Herzens und hat Anteil an Seiner Macht, Weisheit und vollkommener Heiligkeit bekommen. Jesus kann Sich nicht vollkommen einer Seele hingeben, die ungenügend Liebe und Ehrfurcht für Maria empfindet, denn diese Seele setzt ihrer Empfänglichkeit für die Fülle von Gottes Liebesgaben selber Grenzen. Maria ist Selber wie der Fleisch gewordene Stern von Bethlehem, der den Weg zu Christus zeigt. Die Menschenseele kann Christus über keinen sichereren Weg erreichen als über den, auf dem sie die engst mögliche Einheit mit Maria anstrebt und Ihr inständig zu folgen versucht, und die Gottheit ist nirgendwo spürbarer zugegen und wirksam als in Maria.